Landstuhl
Kreativwettbewerb: Schüler stellen Gefahren sozialer Medien dar und gewinnen Preise
Bei einem Kreativwettbewerb haben die Schüler der Klassen 6a und 6c in farbenfrohen Bildern die Vor- und Nachteile sozialer Medien wie YouTube und Facebook gegenübergestellt – und Preise eingeheimst. Blühende Blumen im Sonnenschein repräsentieren beispielsweise den Kontakt zu Freunden, Inspiration, Lernangebote und Tutorials. Auf der anderen Seite ziehen Gewitterwolken auf und Dornen zeigen sich. Das symbolisiert Beleidigungen, Drohungen, Betrug, Stalker und Suchtverhalten. Zur Minimierung der Gefahren haben die Kinder Ratschläge mit hineingepackt wie „kein Kontakt zu Fremden“, „erst nachdenken, dann posten“ und „keine persönlichen Daten preisgeben“.
Welchen Stellenwert hat das Smartphone?
Ihre Darstellungen erwecken den Eindruck, dass die Schüler gut aufgeklärt sind und größtenteils vernünftig mit den Medien umgehen. Dabei kommt fast ausschließlich das Handy zum Einsatz. Welchen Stellenwert hat das Smartphone für die Kinder und wie wird es genutzt? Der elfjährige Jona benutzt das Handy vornehmlich zum Telefonieren. Anstatt übermäßig Zeit am Handy zu investieren, verbringe er diese lieber mit seiner Familie. Als praktisches Hilfsmittel, auch für schulische Angelegenheiten, sieht Niklas sein Telefon. „Und wenn ich allein unterwegs bin, fühle ich mich durch das Handy sicherer“, meint der Zwölfjährige. Für Emma wiederum ist das Handy sehr wichtig, da sie in vielen Vereinen aktiv ist und die Kommunikation über mehrere Whatsapp-Gruppen laufe. Ihre Mitschülerin Malie frönt mit dem Handy ihrer Tanz-Leidenschaft, habe sie doch die ganze Musik dafür auf ihrem Smartphone. Dass es praktisch sei, die Eltern kurzerhand anrufen zu können, wenn etwa der Zug ausfällt, merkt Luise an. „Manchmal gebe ich mein Handy freiwillig meiner Mama, damit sie es in eine Kiste sperrt“, sagt Hanna. Soziale Medien könnten schließlich süchtig machen.
Die Regulierung des Medienverhaltens ihrer Kinder gehen die Eltern auf verschiedene Weise an, wie die Schüler berichten. Manche hätten eine App, mit der sie die Handy-Aktivitäten ihrer Kinder einsehen und beeinflussen können, andere beschränkten die Handynutzungszeit auf ein oder zwei Stunden täglich. Auch das Herunterladen von Spielen werde kontrolliert. „Ich benutze viele Apps auf meinem Handy sowieso nicht“, sagt Klara entspannt. Sie gehe lieber zum Turnen.
Spezielle Workshops in den fünften und siebten Klassen
Lehrerin Simone Krick möchte die sozialen Medien nicht verteufeln, schließlich könne man sie auch sinnvoll nutzen. Abgesehen von der Förderung der Medienkompetenz der Kinder, sei es auch wichtig, die Jugend vor gefährlichen Inhalten zu schützen. Hier sieht die Klassenleiterin der 6c auch die Betreiber der Plattformen in der Verantwortung – beispielsweise könnten sie spezielle Jugendversionen anbieten. Am Sickingen-Gymnasium halte man bislang keine Abgabe der Handys während der Unterrichtszeit für nötig. Sie müssen ausgeschaltet sein, was größtenteils befolgt werde. Das Thema Medienkompetenz greife man immer wieder in einzelnen Fächern auf, und in den fünften und siebten Klassen stünden spezielle Workshops auf dem Plan. Gerade in den Whatsapp-Gruppen innerhalb der Klasse komme es auch mal zu Beleidigungen. Die Betroffenen bestärke man darin, dies zu melden, damit darüber gesprochen werden kann. In solchen Fällen informiere man auch die Eltern und bitte um Kontrolle der Chatverläufe.
Krick und ihre Lehrerkollegen Diana Schmid, Anja Voigt und Andreas Axt sowie deren Klassen 6a und 6c durften sich freuen. Sie wurden mit einem Sonderpreis von 5000 Euro für ein weiteres Präventionsprojekt und mit 100 Euro für ein Klassenfrühstück ausgezeichnet. Eine zehnköpfige Delegation nahm die Preise am 11. Februar in Mainz entgegen. Der Kreativwettbewerb „Verantwortlicher Umgang in den sozialen Medien“ fand im Rahmen des Präventionsprogramms „Gemeinsam Klasse sein“ der Techniker Krankenkasse statt. Die rheinland-pfälzische Landesvertretung der Krankenkasse hatte den Wettbewerb zusammen mit dem Ministerium für Bildung und dem Pädagogischen Landesinstitut initiiert. 900 Schüler der Klassenstufen fünf bis sieben in Rheinland-Pfalz hatten sich mit kreativen Beiträgen beteiligt. Seit 2010 gibt es das Präventionsprogramm gegen Mobbing und Cybermobbing, um die Schüler frühzeitig zu sensibilisieren und Handlungskompetenzen zu vermitteln.