Bruchmühlbach-Miesau
Kommunale Wärmeplanung: Warum sich nicht in allen Orten ein Nahwärmenetz lohnt
Wie können die derzeit vorhandenen 5688 Gebäude in der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau – und auch jene, die noch gebaut werden – bis 2045 mit Wärme versorgt werden? Und zwar so, dass zumindest rein rechnerisch keine klimaschädlichen Gase mehr freigesetzt werden? Diesen Fragen geht die kommunale Wärmeplanung (KWP) nach, die im Auftrag der Verbandsgemeindeverwaltung vom Planungsbüro Greenventory in Freiburg erarbeitet wurde. Die Ergebnisse wurden Interessierten nun vorgestellt. Zwar hielt sich die Anzahl der Besucher in Grenzen – die, die kamen, nahmen allerdings mindestens eine für die meisten überraschende Erkenntnis mit nach Hause.
Verbandsgemeinde ist Vorreiter im Kreis
Bürgermeister Christian Hirsch berichtete, dass alle Kommunen in Deutschland dazu verpflichtet sind, bis spätestens 2028 – in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern bis 2026 – eine kommunale Wärmeplanung aufzustellen. Da sich die VG früh mit dem Thema auseinandergesetzt habe, sei sie die erste im Kreis, die zum aktuellen Zeitpunkt eine ausgearbeitete Wärmeplanung präsentieren könne. Dabei stelle die KWP zwar ein strategisches Instrument und eine gute Planungsgrundlage für die künftige Vorgehensweise der Verwaltung dar, verpflichte die Menschen in der VG aber zu nichts, betonte Hirsch mehrfach.
Das Planungsbüro habe erstmals systematisch untersucht, wie und mit welchen Brennstoffen die Gebäude in der VG beheizt werden. Zudem werde verdeutlicht, wo Heizenergie eingespart und klimafreundliche Potenziale genutzt werden könnten. „Auf dieser Basis können wir in Zukunft nicht nur die Wärmeversorgung der öffentlichen Gebäude planen, sondern unseren Bürgern Angebote machen, wie die zukünftige Wärmeversorgung in der VG aussehen könnte“, erklärte Hirsch. Die Art der Wärmeversorgung wird für das Gros der fast 11.000 Menschen in Bruchmühlbach-Miesau, Gerhardsbrunn, Lambsborn, Langwieden und Martinshöhe wie bislang den Immobilieneigentümern überlassen, obgleich sich die Art und Weise der Wärmeerzeugung in den nächsten 20 Jahren wohl grundlegend ändern werde.
Zu geringe Bebauung für Wirtschaftlichkeit
Dies ist die wesentliche Kernaussage der KWP, die von den beiden Greenventory-Mitarbeiterinnen Sarah Olbrich und Romina Hafner vorgestellt wurde. Zur Überraschung fast aller Zuhörer verdeutlichte Olbrich, dass sich künftig der Aufbau und der wirtschaftliche Betrieb lokaler Nahwärmenetze in fast keinem Dorf der VG lohne. Ausnahmen seien Martinshöhe und Miesau, wo solche Strukturen – neben zwei kleinen Netzen auf der Schernau und in Lambsborn – bereits vorhanden seien. Diese könnten moderat ausgebaut werden.
Der Grund, dass Nahwärmenetze nicht wirklich sind, ist in erster Linie die Bebauungsdichte, die selbst im Zentrum Bruchmühlbachs zu gering sei, um ein Nahwärmenetz wirtschaftlich betreiben zu können. Zudem fehle es in allen Orten der VG an sogenannten Ankernutzern, die ob ihres Wärmebedarfs ein Nahwärmenetz auch für Hauseigentümer wirtschaftlich interessant machen. Ankernutzer sind zum Beispiel ein Krankenhaus oder ein Großunternehmen.
Olbrich verdeutlichte, dass die meisten Gebäude in der VG in Einzelversorgungsgebieten liegen – also in Bereichen, in denen der Aufbau eines Wärmenetzes unwahrscheinlich ist. Bei mehr als 90 Prozent aller Anwesen in diesen Gebieten werden Wärmepumpen als wichtigster Baustein der zukünftigen Wärmeerzeugung zum Einsatz kommen, prognostizierte sie. Der Anteil der Gebäude – derzeit vier Prozent –, die 2045 an ein Wärmenetz angeschlossen sein werden, wird sich kaum ändern. Bei allen anderen Gebäuden komme Biomasse zum Einsatz, also Holz, Holzhackschnitzel oder Pellets. Derzeit würden mehr als 85 Prozent der in der VG verbrauchten Gesamtwärmemenge durch das Verheizen fossiler Energieträger erzeugt, wobei Erdgas mit 38 Prozent der dominierende Energieträger ist. Ab 2045 gelte generell, dass keine fossil betriebenen Heizungen mehr eingebaut und betrieben werden dürfen, sagte sie.
Energetische Gebäudesanierung wichtig
Wie Olbrich und Klaus Danner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz betonten, liegen die größten Einsparpotenziale allerdings nicht in einer Umstellung auf eine moderne Heizanlage, sondern in einer fachgerechten energetischen Gebäudesanierung. Derzeit wiesen die meisten Gebäude nicht nur in der VG Bruchmühlbach-Miesau eher mittelmäßige bis schlechte Energieeffizienzklassen auf. Bei einer Sanierungsrate von zwei Prozent aller Immobilien pro Jahr ließe sich der Wärmebedarf bis 2045 um 38 Prozent reduzieren, rechneten sie vor.
Danner warb für die Aktion „Welche Heizung passt zu mir?“, die von der Verbraucherzentrale aufgelegt wurde. Die Verbraucherzentrale biete dazu eine kostenlose Energieberatung an, er selbst sei immer am dritten Samstag eines Monats in Bruchmühlbach-Miesau. „Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich von uns ein zukunftsfähiges Konzept für ihr Haus entwickeln“, sagte er.