Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Kinogeschichten: Die Saalbau-Lichtspiele in Landstuhl zeigten vor mehr als 100 Jahren Filme

Ein altes Foto vom Saalbau-Kino in Landstuhl: Vorne stand das Restaurant, und im Hof befand sich der Saalbau mit Kinosaal.
Ein altes Foto vom Saalbau-Kino in Landstuhl: Vorne stand das Restaurant, und im Hof befand sich der Saalbau mit Kinosaal.

Vor mehr als 100 Jahren flimmerten in Landstuhl die ersten Streifen über die Leinwand. Nach und nach erblühten im Landkreis Kaiserslautern Kinos – viele sind nicht mehr übrig.

Die Anzahl der Kinos ist weltweit in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft. Das gilt auch für den Landkreis Kaiserslautern. Konkurrenz entstand bereits durch die Erfindung des Fernsehens. Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Prime kamen später dazu. Die Internetseite „allekinos.com“ führt für den Landkreis Kaiserslautern 18 Kinos auf, nur zwei davon existieren heute noch.

Die Zahl 18 erhebt sicher nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. So soll nach dieser Aufstellung in den 1920er Jahren auch in der Landstuhler Schlossstraße ein Kino gewesen sein, über das jedoch nichts Näheres bekannt ist. Wie Klaus Weber aus Gönnheim als Betreiber der privaten Homepage „allekinos.com“ einräumt, sei es nicht möglich, „wirklich alle Adressen von früheren Kinos zu erfassen“. Auch falle es schwer, eine Grenze zu ziehen. „Soll man wirklich alle Kintopps der Anfangszeit erwähnen?“, fragt er. „Wie verfährt man mit nichtkommerziellen Vorführstätten in öffentlichen Gebäuden?“ Genau diese Fragen stellen sich bei der Beschreibung der Landstuhler Kinogeschichte.

„Die wunderbarste Schaustellung des Jahrhunderts“

Vorläufer der Kinos waren Schaubuden und Panoptiken. Mit der Erfindung des Kinematographen durch die Brüder Lumière – ein Apparat, der Filmkamera, Kopiergerät und Filmprojektor in einem war – sowie des Kinetoskops durch Thomas Edison war es Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal möglich, bewegte Bilder aufzunehmen. Die ersten Filmvorführungen für ein zahlendes Publikum fanden 1895 statt.

Bereits fünf Jahre später war ein „Original-Kinematograph“ auch in Landstuhl „Zum ersten Male hier“. Am 11. und 12. Februar wurde im „Weber’schen Saale“ (später „Deutsches Haus“ am Übergang von der Ludwigstraße zur Weiherstraße; heute nicht mehr vorhanden) „die wunderbarste Schaustellung des Jahrhunderts“ präsentiert, so verhieß ein Inserat in der Landstuhler Zeitung. Man versprach dabei, wie „Dutzende, ja Hunderte von Personen erscheinen in natürlicher Größe auf einmal und bewegen sich wie wirklich lebende Menschen… der Verkehr, der auf Straßen und Plätzen fluthet… die Wogen des Weltmeeres, die sich thürmen und übereinander wälzen“ und vieles mehr „in unnachahmlicher Natürlichkeit“.

Kinematograph auf Durchreise

Als „lebende Fotografie“ oder auch „bewegte Bilder“ wurden anfangs meist alltägliche Szenen als schwarz-weiße Kurzfilme ohne Ton gezeigt – zuerst in Schaubuden auf Jahrmärkten und in Gasthäusern. So wurden die Säle von Gasthäusern zu Vorführräumen, die Gastwirte quasi zu Kinobesitzern. Dieser Werdegang des Kinos ist in der Sickingenstadt auch sehr gut im Inseratenteil der Landstuhler Zeitung jener Zeit zu erkennen. „Hirdt’s Kinematograph“, so hieß es am 12. April 1910, „größtes Unternehmen dieser Branche, trifft auf ihrer Durchreise nach Ludwigshafen in den nächsten Tagen auf dem Marktplatze am Stadthause hier ein“. Gemeint war damit der Alte Markt, das Stadthaus beziehungsweise Rathaus stand damals auf diesem Platz. 1912 inserierte die Sickingerbräu-Wirtschaft Dettler und warb für ihre Vorstellungen mit dem „Saalbau-Kinematographen“.

Der Übergang von dem angebauten Wirtschaftssaal, also dem Saalbau mit Kinematograph zu den „Saalbau Lichtspielen“ geschah vermutlich fließend, wohl einhergehend mit der technischen Weiterentwicklung der Projektionsgeräte und der Entwicklungen auf dem Gebiet der Filmkunst. Waren es zu Beginn nur bewegte Bilder, wurden es nun schon längere Filme, in denen Geschichten erzählt wurden: Das neue Medium Film war entstanden.

Saalbau-Lichtspiele zeigen „Die Nibelungen“

Als Eröffnungsdatum für die Saabau-Lichtspiele in der Landstuhler Kaiserstraße, deren Entwicklung bis hin zum Ende als beispielhaft für deutsche Kinogeschichte angesehen werden kann, wird das Jahr 1919 angenommen, also unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Eine Anzeige in der „LZ“ im Jahr 1924 belegt durch die dort genannten Filmtitel schon den Fortschritt des neuen Genres. „Die Nibelungen“, „Helena“, „Die Liebe einer Königin“ oder auch „Ehre deine Mutter – ein Film, den jeder sehen muss“ standen auf dem Programm im großen Saal mit 350 Sitzplätzen. Vorgeführt wurden sie „auf der modernsten, geräuschlosen ,Bauer M. 5’ Spezialmaschine zur Wiedergabe“. Das alles waren noch Stummfilme, teilweise mit Klavierbegleitung. Der Übergang zu den ersten Tonfilmen erfolgte in den späten 1920er Jahren. Die Anfänge der Farbfilme konnten erst ab Ende der 1930er Jahre gefeiert werden.

Eine Anzeige in der Landstuhler Zeitung kündigte im Jahr 1911 eine Kinematograph-Vorführung im Saal Weber an.
Eine Anzeige in der Landstuhler Zeitung kündigte im Jahr 1911 eine Kinematograph-Vorführung im Saal Weber an.
Eine Anzeige aus dem Jahr 1924 zum Programm der Saalbau Lichtspiele.
Eine Anzeige aus dem Jahr 1924 zum Programm der Saalbau Lichtspiele.
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