Kreis Kaiserslautern
Kaiserslautern: Berauschender Auftritt des Landes-Jugend-Symphonie-Orchesters Saar
Mit Richard Wagners Siegfried-Idyll und Anton Bruckners Sinfonie Nr. 3 D-Moll hatte sich das Landes-Jugend-Symphonie-Orchester Saar am Donnerstagabend viel vorgenommen. Der Dirigent Nikolaus Maximilian Nägele jedoch holte aus dem Orchester Dinge heraus, von denen man nicht zu träumen wagt. Im Stehen spendeten die begeisterten Zuhörer im Emmerich-Smola-Saal des SWR-Studios Beifall.
Ein Musikstück als Geschenk für seine Ehefrau zum Dank für die Geburt eines Kindes. Das ist schon ein Ding. Und dann auch noch ein Junge! Die ganze Begeisterung über die Geburt seines Sohnes Siegfried klingt in der Symphonischen Dichtung Siegfried-Idyll mit, die Richard Wagner am 24. Dezember 1870 als Geburtstagsgruß im Treppenhaus seines Landhauses Tribschen bei Luzern seiner Cosima darbrachte. Nikolaus Maximilian Nägeles Dirigat, Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, brachte mit seiner Detailgenauigkeit und wunderbaren Transparenz besonders die lyrischen Qualitäten dieser “kleinen Privat-Komposition“, wie Wagner sie bezeichnete, zum Leuchten. Nägele ging es darum, Musik als Entwicklungsprozess erfahrbar zu machen, die Kräfte aufscheinen zu lassen, die einen Satz ernähren, die Beziehungen offenzulegen, die jedem Detail seinen unabänderlichen Stellenwert zuweisen. Nichts war beliebig. Die plastische Phrasierung, die großartige Dynamik mit dem ständigen An- und Abschwellen des Tons, der homogene Orchesterklang, die grandiose Flächigkeit, die den Kantilenen eine außergewöhnliche lyrische Qualität verlieh, all das machte das Siegfried-Idyll zu einem wahren Ohrenschmaus.
Die Streicher zeigten sich von ihrer allerbesten Seite
Von dieser sonoren Klangfülle und dem warmen Glanz des Jugend-Orchesters profitierte auch Bruckners Sinfonie Nr. 3 d-Moll (Fassung 1889). Und es lebte von den extremen Kontrasten der Dynamik. Besonders die Streicher zeigten sich hier, wie schon bei Wagner, von ihrer allerbesten Seite. Was die Interpretation für sich einnahm, war vor allem die glühende Hingabe des Dirigenten. Die Linien entfalteten sich stringent und doch selbstverständlich. Der runde, goldwarme, sehr homogene Gesamtklang, die farbig herausgestellten Holzbläser, das nie zu laute Blech, die mitunter sogar Vibrato spielenden Streicher – all dies zeugte von intensiver Vorarbeit.
Aus wesenlosem Dämmern des d-Moll-Akkordes erklang das Hauptthema der Trompete. In ruhiger Größe senkte es sich über die Quinte abwärts zur Oktave, um dann wieder frei zum Ausgangston anzusteigen. Das Horn spann sinnend die Melodie weiter, Holzbläser wiederholten die letzten Töne wie ein Echo. Langsam erhob es sich zu einer Steigerung, ballte sich zusammen, und in gewaltigem Unisono des Orchesters brach über dem Hörer die Abschlusswendung des großen Themas herein. Eine ungeheure Kraftanspannung brachte dieses Thema zum Ausdruck.
Das zweite Thema führte beruhigende Elemente ein: Das Horn stimmte einen schwärmerischen Gesang an, Streicher und Holzbläser umspielten anmutig seine Melodie. In zartem Verdämmern schloss die Exposition. Zart setzte auch die Durchführung ein, die sich jedoch zu gewaltigen Auseinandersetzungen steigerte. Aber auch der langsame Satz war reich an Konflikten. In das friedvolle Schreiten der Streicher drängten sich Klagerufe der Holzbläser, die zu verzweifelten Ausbrüchen führten. Ein drastisch rhythmisiertes Stück und dämonisch derb dazu war das Scherzo. Das Hauptthema kreiste um den Grundton, der mannigfaltig umspielt wurde und immer wieder durchdrang. Als Nebenthema tauchte ein Walzer auf, der dann im erneut auftretenden Wirbel des Hauptgedankens erstickt wurde. Das strahlende Hauptthema leuchtete auf und beschloss in prunkvollem Glanz die Sinfonie. Tosender Beifall. Eine Zugabe.