Trippstadt
Johanniskreuz: Hotel-Restaurant im Biker-Mekka steht zum Verkauf
Johanniskreuz im Nieselregen: Wo sich im Sommer Biker, Wanderer und Radfahrer tummeln, herrscht an diesem nasskalten Winternachmittag tote Hose. Keine Menschenseele ist draußen unterwegs und im Gastraum des 200 Jahre alten Wirtshauses sitzt nur ein einsamer Gast vor seinem Bier. „Hier oben leben wir vom Saisongeschäft“, berichten Margarete und Josef Anton Niesmak. „Im Winter haben wir nur zur Romantischen Waldweihnacht richtig Betrieb. Dann ist volles Haus und auch die Zimmer sind belegt.“
Von Frühjahr bis Herbst ist Johanniskreuz freilich ein Besuchermagnet: Der 470 Meter hoch gelegene Weiler, der nur über kurvige Strecken erreichbar ist, gilt nicht nur als Mekka für Motorradfahrer. Viele Wanderer marschieren dann – dem blauen Kreuz folgend – ringsum durch die herrlichen Hochwälder mit ihrem uralten Baumbestand und zahllose Radfahrer frönen auf den Routen des Mountainbikeparks Pfälzerwald ihrem Hobby. Die zahlreichen Veranstaltungen im benachbarten Haus der Nachhaltigkeit sind ein weiterer Frequenzbringer. „In den warmen Monaten ist hier viel los. Da ist es bei uns voll“, sagt Margarete Niesmak, die das Hotel-Restaurant Johanniskreuz gemeinsam mit ihrem Mann bereits seit 26 Jahren betreibt.
Im August 1999 hätten sie das Anwesen mit dem weitläufigen Gelände zufällig bei einer Autofahrt durch den Pfälzerwald entdeckt und sofort Gefallen daran gefunden. „Gerade das große Areal hat uns angesprochen, denn wir stammen aus Bauernfamilien und hier war genug Platz, um Tiere zu halten“, erinnert sich Josef Niesmak. Damals hatte das Ehepaar mit schlesischen Wurzeln noch eine Gastronomie in Hettenleidelheim im Kreis Bad Dürkheim. Doch als der damalige Besitzer des Gasthauses in Johanniskreuz seine Verkaufsbereitschaft signalisiert habe, hätten sie das Objekt zunächst immer wieder mal besucht – und dann zugeschlagen. „Ein gutes halbes Jahr später waren wir beim Notar und haben das Ganze gekauft.“
In der Familie kein Nachfolger in Sicht
Nun, 26 Jahre später, hält das Wirtspaar selbst nach Käufern Ausschau und hat eine Annonce auf einem Immobilienportal geschaltet: aus Altersgründen. „Ich bin 72, meine Frau ist 66 Jahre alt. Allmählich wird es Zeit für den Ruhestand. Und wir haben keinen Nachfolger, weil unsere Kinder und Enkel andere Berufswege eingeschlagen haben und kein Interesse an einer Übernahme besteht“, begründet Josef Niesmak den Entschluss.
Zum Verkauf steht das komplette Ensemble mit einer Grundstücksgesamtfläche von 15.107 Quadratmetern: die Gaststätte mit mehreren großen Nebenräumen, Biergarten und Verkaufskiosk, das dreistöckige Hotel (Baujahr 1953, Umbau und Erweiterung 1965 und 1973) mit 31 Fremdenzimmern sowie das weitläufige Gelände mit Schuppen ringsum, auf dem Josef Niesmak Schafe, Hasen sowie Brieftauben hält und Massen von Brennholz lagert. „Das Holz reicht noch für 20 Jahre“, schätzt er und verweist auf die Holzheizung, die erst 2025 eingebaut worden sei, auch für warmes Wasser sorge und durch eine Ölheizung ergänzt werden könne. „Wir haben alles immer gut in Schuss gehalten“, betont das Paar, das für sein Objekt rund 2,75 Millionen Euro als Verkaufspreis auf dem Portal genannt hat.
„Bei Kontrollen keine Beanstandungen“
Dass ihr Restaurant auf den einschlägigen Portalen im Internet – etwa wegen angeblich überhöhter Preise oder fehlender Speisekarte – viele schlechte Bewertungen hat, darauf kommen Josef und Margarete Niesmak von sich aus zu sprechen. Was dort geschrieben stehe, stimme nicht, weisen sie die Vorwürfe zurück. Es äußerten sich nur die unzufriedenen Gäste. „Die Zufriedenen schreiben nichts“, sagen sie. Ihr Gasthaus werde immer wieder von den Behörden kontrolliert – ohne dass es zu Beanstandungen gekommen sei, betont die Wirtin. Zum Beweis legt sie ein amtliches Schreiben auf den Tisch, das nach einem Rundgang des Ordnungsamts erstellt worden sei. „Darin wurden alle Vorwürfe entkräftet“, sagt sie.
Seit 26 Jahren leben und arbeiten die beiden nun schon in Johanniskreuz: „Wir beide machen alles, was anfällt. Wer bereit ist, hart zu arbeiten, kann hier oben ein gutes Auskommen haben“, meint Margarete Niesmak, auch wenn das Geschäft in den vergangenen Jahren unter all den Baustellen, etwa an der Ortsdurchfahrt Hochspeyer, aber auch in den Tunneln der B10 gelitten habe. „Das hat uns hier in Johanniskreuz viele Besucher gekostet“, sagt sie. „Aber jetzt ist auf der B48 soweit alles saniert. So schnell gibt es da keine Baustellen mehr, die ein künftiger Betreiber fürchten müsste“, versichert sie.
Kaufinteressenten für das große Objekt im Herzen des Pfälzerwalds gebe es bereits, berichtet das Ehepaar Niesmak, das seinen Ruhestand an einem zentraler gelegenen Ort jenseits von Johanniskreuz verbringen möchte. „Doch solange der Verkauf nicht unter Dach und Fach ist, bleibt unser Hotel-Restaurant weiter geöffnet.“
