Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jan Schneider will Verwaltung bürgerfreundlicher machen

Arbeitet sich ein: Die Verwaltung kannte Jan Schneider bisher nur aus der Außenperspektive. Als neuer Erster Kreisbeigeordneter
Arbeitet sich ein: Die Verwaltung kannte Jan Schneider bisher nur aus der Außenperspektive. Als neuer Erster Kreisbeigeordneter sitzt er jetzt auf der anderen Seite des Schreibtischs.

In sein Amt als Erster Kreisbeigeordneter muss sich Jan Schneider noch einfinden. Im Gespräch erzählt er, was er voranbringen will, was ihm wichtig ist und was er vermisst.

Von sehr intensiven ersten Wochen berichtet der neue Erste Kreisbeigeordnete Jan Schneider (CDU). 17 Jahre lang hat er bei der Landesbank in Saarbrücken gearbeitet und schon dort habe er immer ein Notizbuch dabei gehabt. Aber so schnell wie das neue, das er sich zu seinem Amtsantritt in der Kreisverwaltung Kaiserslautern am 3. Februar zugelegt hat, hätten sich die Bücher früher nie gefüllt. „Ich bin mir absolut sicher: Dieses Buch wird vielleicht drei Monate reichen, bis es voll ist.“ Bei den früheren hätte das meist ein Jahr gedauert. Und was schreibt er rein, ins Buch? Notizen aus Besprechungen mit den einzelnen Fachbereichen, nennt er ein Beispiel oder auch Merkenswertes, das er bei seiner Tour durch die Schulen mitbekommt. Leider habe er es bisher zwar noch nicht geschafft, in allen Schulen, die sich in Kreisträgerschaft befinden, vorbeizuschauen, bei einigen war er allerdings schon. „Aber ich bin jetzt mit Nachdruck daran, alle zu besuchen“, sagt Schneider.

Besonders beeindruckt hat ihn die Hans-Zulliger-Schule in Enkenbach-Alsenborn. Dort werden Kinder unterrichtet, die beim Lernen und ihrer sozial-emotionalen Entwicklung besonders gefördert werden müssen. „Das ist eine unheimlich wichtige Einrichtung. Wenn man sieht, mit welcher Herzlichkeit die Lehrer und die Sekretärinnen mit den Kindern dort umgehen, merkt man, dass es unheimlich wichtig ist, dass die Schüler in einem persönlichen Umfeld gut gefördert werden. Die Lehrer dort kennen alle Schüler, kennen die Hintergründe.“ Die Diskussion darüber, diese Schulform abzuschaffen, die von der scheidenden Landesregierung noch angestoßen wurde, begrüßt er nicht. „Ich finde die Schulen, wie sie jetzt aufgestellt sind, sehr gut. Ich fand es einfach toll, wie die Kinder dort begleitet werden.“

Bleibt Katastrophenschutz Chefsache?

Außer für die Schulen ist Schneider in seiner neuen Funktion auch für die Bereiche Ordnung, Verkehr, Lebensmittelüberwachung, Veterinärwesen und Landwirtschaft zuständig. Seine Vorgängerin, Gudrun Heß-Schmidt, war zusätzlich noch die oberste Katastrophenschützerin im Kreis. Diesen Geschäftsbereich hat nun – erst einmal kommissarisch – der Landrat übernommen, berichtet Schneider. Das habe zwei Gründe. Er selbst müsse noch ein paar Schulungen dazu machen und es müsse noch die rechtliche Frage geklärt werden: Darf der Landrat einen so wichtigen Bereich überhaupt delegieren? Diese stellt sich seit der verheerenden Ahrtalflut vor fünf Jahren. Geplant sei aber, „dass ich das wieder übernehme“, sagt der Landratsstellvertreter.

Bis dahin ist er vollauf damit ausgelastet, sich in alles andere einzuarbeiten. Zwar kennt Schneider, der bereits seit 1999 kommunalpolitisch engagiert ist und sich nach wie vor im Verbandsgemeinderat Landstuhl und im Kreistag einbringt, als Ratsmitglied die Strukturen vor Ort. Von innen jedoch lernt der Bankkaufmann und Betriebswirt die Verwaltung jetzt noch einmal ganz anders kennen. „Ich muss die ganzen Prozesse kennenlernen, wie die Abläufe sind, mit wem man spricht“, sagt der 49-Jährige. Dabei sei „learning by doing“ angesagt, räumt Schneider ein, dass er einfach keine Zeit finde, um sich in die umfangreichen Unterlagen einzulesen, die ihm Heß-Schmidt hinterlassen habe.

Lesezeit fehlt

Früher, als er immer mit der Bahn ins Saarland zu seiner Arbeitsstelle gefahren ist, wäre ihm das nicht passiert. „Ich bin 17 Jahre immer mit dem Zug gependelt und ich hatte eigentlich immer ein Buch dabei. Ich hatte wunderbar Zeit, morgens eine halbe Stunde, abends eine halbe Stunde, um zu lesen.“ Im Gepäck hatte er von Sachbüchern bis zu Romanen alles querbeet, manchmal eben auch berufliche Unterlagen. „Diese Lesezeit fehlt mir aktuell“, bedauert Schneider. Auch die vielen Abend- und Wochenendtermine verhinderten momentan, dass er mehr als die RHEINPFALZ lese. Die Zeitungslektüre gehöre jedoch bei ihm jeden Morgen zum Frühstück dazu.

Danach steigt er mittlerweile ins Auto, um zur Arbeit zu kommen. „Ich habe überhaupt keine Chance, mit dem öffentlichen Nahverkehr zu fahren. Ich brauche definitiv ein Auto, weil ich viele Außentermine habe“, hat der Bännjer festgestellt. Ob er – als Kreisbeigeordneter immerhin für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis zuständig – daran etwas ändern kann, weiß er noch nicht. „Das Angebot muss passen“, sagt er, und zwar zur Nachfrage. „Wenn man etwas ausbauen kann und es wird genutzt, gerne, aber man muss es auch unter Kostenaspekten betrachten.“

Manches dauert lange

Zu schauen, wo sich Lebensbedingungen verbessern lassen, damit sei er aufgewachsen. Als Sohn des früheren Ortsbürgermeisters von Bann ist Schneider früh mit der Politik in Berührung gekommen, trat mit 14 Jahren in die Junge Union ein. „Mein Ziel zu Beginn war, eine Grillhütte in Bann zu bauen“, erzählt er lachend von seinen ersten kommunalpolitischen Gehversuchen. In seiner Jugendzeit habe das zwar nicht geklappt, später aber, als er schon ein junger Erwachsener war, sei das Projekt am Sportplatz verwirklicht worden. Damals habe er gemerkt, wie lang Entscheidungsprozesse in der Politik unter Umständen dauern können. Dass viele Bürger das beklagen, versteht er. „Aber ich bin jetzt in dem Betrieb drin“, und da erhalte er Einblick in bestimmte Vorgehensweisen, die eingehalten werden müssten. „Das dauert dann manchmal länger, als man es sich selbst wünscht.“

Hinter dieser Erkenntnis verstecken will er sich aber nicht. „Ich will auf jeden Fall die Verwaltung weiter verbessern“, hat sich der 49-Jährige für seine achtjährige Amtszeit vorgenommen, etwa in Sachen Digitalisierung. Dabei steht für ihn vor allem der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Dass die Computersysteme in Rat- oder Kreishäusern von Hackern gekapert würden, das dürfe nicht passieren. Aber er sieht auch die Chance, dass die Verwaltung durch digitale Angebote bürgerfreundlicher werden könnte. Dafür müssten gemeinsame Lösungen mit anderen Gebietskörperschaften auf Landes- und Bundesebene angestrebt werden. Schließlich „sind wir als Verwaltung letztendlich da, um Dienstleistungen für die Bürger zu erbringen“.

Zusammenhalt ist groß

Genau diese, die Menschen, schätzt Schneider im Landkreis Kaiserslautern – „und ihren Zusammenhalt“. Anders als in so mancher Großstadt seien die Bürger hier auf dem Land enger miteinander verbunden. „Man kennt sich noch, man ist zusammen in Vereinen, ist dort tätig und macht auch weniger Parteipolitik, sondern etwas für den Ort, die Verbandsgemeinde, den Landkreis.“ Das gefällt dem Heimatverbundenen, der sich auch dabei ertappt, wieder mehr Pfälzisch zu sprechen, seit er nicht mehr im Saarland arbeitet. Zum Wandern mit Ehefrau Nadine zieht es ihn ebenfalls nicht in die Ferne, sondern zum Beispiel in die Karlstalschlucht oder auch in eine der vielen Pfälzerwald-Hütten.

Vor Ostern hat er noch ein weiteres Ziel: den Schießstand des Schützenvereins Bann. Dort will der ehemalige Sportschütze beim Ostereierschießen mit dem Luftgewehr möglichst oft ins Schwarze treffen, um das Osternest zu füllen. Und irgendwann, wenn er sich in all die für ihn neuen Bereiche eingearbeitet hat, bleibt sicher auch wieder Zeit, um nicht nur die vielen Einträge in seinem Notizbuch durchzulesen, sondern sich in einen spannenden Roman oder eine interessante Abhandlung zu vertiefen.

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