Trippstadt
Indienhilfe Trippstadt: Wie sich die Projekte entwickeln
Ute Keller, Vorsitzende der Indienhilfe Trippstadt Nalam, ist von ihrer jüngsten Projektreise zurück aus Südindien und nach zwei Monaten wieder daheim in Trippstadt. Ganz so lange war der Aufenthalt nicht geplant – der Krieg im Nahen Osten verhinderte eine frühere Heimkehr. „Alle Flüge waren erst einmal gestrichen“, sagt Keller, die sich dadurch aber nicht beirren ließ.
Ihr Sohn Ulrich Keller, stellvertretender Vereinsvorsitzender, war aus seinem amerikanischen Zuhause ebenfalls nach Andhra Pradesh zum indischen Waisenhaus des Vereins gereist. „Der Aufenthalt im Haus hat uns emotional berührt und uns daran erinnert, wie wichtig unsere Arbeit ist“, fasste Ute Keller zusammen. An ein Aufhören sei für sie auch im elften Jahr ihres Engagements nicht zu denken.
Lernen zu dürfen ist Luxus
Im Waisenhaus leben aktuell 165 Mädchen, die laut Keller von sich sagen, im Luxus leben zu dürfen. „Luxus? Die Mädchen schlafen in Etagenbetten, haben drei Mahlzeiten am Tag, können lernen“, beschreibt die Vereinsvorsitzende die Situation. Allerdings sei die Alternative für die Mädchen, zu Hause auf dem Lehmboden zu schlafen, kein regelmäßiges Essen zu haben, eine frühe Zwangsverheiratung, eine lebenslange Ausbeutung und Versklavung.
Genau deshalb ist es Ute Keller so wichtig, dass es für die 27 Schülerinnen, die im Waisenhaus momentan das Abschlussexamen ablegen, irgendwie auch weitergeht. Aus dem Waisenhaus müssen die meist 16-Jährigen raus. Mit guten Noten haben die Mädchen die Chance auf eine qualifizierte, mehrjährige Ausbildung – etwa im medizinischen, pharmazeutischen, landwirtschaftlichen oder technischen Bereich.
Das Leben in gute Bahnen lenken
„Diese weiterführende Ausbildung ist nur möglich, wenn genug Spenden eingehen“, erklärt Keller. Die Kosten liegen bei etwa 1500 Euro pro Mädchen und Jahr für Bildung, Unterkunft, Verpflegung, Sicherheit und Betreuung. Mädchen mit schwächeren schulischen Leistungen oder ohne gesicherte Finanzierung könnten ein- bis zweijährige Ausbildungsprogramme absolvieren. Die Kosten für einen Platz im Waisenhaus belaufen sich Keller zufolge auf 400 Euro pro Mädchen und Jahr.
Auf ihrer Reise ins ferne Indien besuchte Keller auch die jungen „hoch motivierten“ Studentinnen, die den Sprung vom Waisenhaus zu Colleges in Tirupati geschafft haben. „Wir haben auch die Dörfer besucht, in denen wir 100 Frauen jeweils zwei Ziegen ermöglicht haben. Es war sehr bewegend zu sehen, wie viel sich dadurch für die Familien verändert hat“, so Keller. Sie sieht sich darin bestätigt, dass Ziegen eine wertvolle, nachhaltige Einkommensquelle aufgrund von Milch, Käse und Ziegennachwuchs sind.
Spenden ermöglichen Chancen
Aus den USA war mit Andrew Line ein erfolgreicher Geschäftsmann an der Projektreise des Vereins Indienhilfe Trippstadt beteiligt. Line war bis zum Alter von drei Jahren im Kinderheim in Hongkong, wurde dann von einer amerikanischen Familie adoptiert. „Seine Geschichte zeigt, welches Potenzial in jedem Kind steckt, wenn sich Chancen eröffnen“, erklärt Keller. Sie hofft auf weitere Spenden, um noch mehr indischen Mädchen eine Chance bieten zu können. Es sei ihr ein Herzensanliegen, den Mädchen und jungen Frauen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Info
Mehr Infos zur Indienhilfe Trippstadt gibt es im Netz unter www.nalamindia.org.