Schneckenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel In Schneckenhausen packen die Bürger an

Ortsbürgermeister David Punstein im maroden Buswartehäuschen, das abgerissen werden soll.
Ortsbürgermeister David Punstein im maroden Buswartehäuschen, das abgerissen werden soll.

In Schneckenhausen weigert sich die politische Führung standhaft, Steuern zu erhöhen. Dennoch soll es im Dorf schön aussehen. Welcher Weg eingeschlagen wurde.

Viele Ortsgemeinden sind klamm, oft reicht der Haushalt kaum fürs Notwendigste. Marodes hier, Dreckecken dort sind das Ergebnis. In vielen Kommunen werden immer wieder die Grundsteuern erhöht. Das bringt dann (vorübergehend) ein bisschen mehr Geld in die Kasse – zu Lasten der Bürger. In Schneckenhausen dagegen wird bislang nicht an der Steuerschraube gedreht. In dem 576-Seelen-Dorf in der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg hat der Gemeinderat bewusst einen anderen Weg eingeschlagen.

„Gemeinsam und im persönlichen Miteinander etwas für unser Dorf tun, dabei an alte Zeiten anknüpfen“, fasst es Ortsbürgermeister David Punstein zusammen, der erst wenige Monate im Amt ist. Konkret sorgen nun seit rund anderthalb Jahren einige Dorfbewohner bei wiederkehrenden Arbeitseinsätzen dafür, dass die Gemeinde gepflegter aussieht. Mittlerweile wurden sogar Patenschaften eingegangen, etwa für regelmäßiges Kehren an der Bushaltestelle, fürs Mähen auf dem Friedhof oder für die Pflege kleinerer Rabatten. Aber reicht das und ist das gerecht?

Gerechtigkeitsdebatte im Rat

„Wir hatten uns im Rat zwischenzeitlich schon gefragt, wie fair es ist, wenn eine Handvoll Bürger sehr engagiert für all diejenigen mitarbeitet, die sich nicht anschließen“, sagt Punstein. Jene, die im Einsatz seien, sparten schließlich das Geld für alle, die vom gleichbleibenden Niveau der Grundsteuer profitierten. „Eigentlich wäre es am gerechtesten, die Grundsteuer anzuheben“, meint er. Dann wären alle beteiligt und mit mehr Geld könne die Ortspflege eben wieder fremdvergeben werden.

Holzteile am Spielplatz in Schneckenhausen sollen ausgetauscht werden.
Holzteile am Spielplatz in Schneckenhausen sollen ausgetauscht werden.

Aber in Schneckenhausen gibt man nicht so schnell auf. Zum ersten bundesweiten Ehrentag am 23. Mai, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Mitmachtag postuliert hat, wurde im Ort gleich mal eine ganze Ehrenwoche ausgerufen. Es soll keiner sagen können: „An dem Tag kann ich nicht“, so der Hintergedanke. Mehr noch, Ratsmitglieder sind auf die örtlichen Vereine, selbst auf lose Gruppen, zugegangen und haben um das Mitwirken zum Wohle des Dorfes geworben. „Wir haben Projekte, die angegangen werden könnten, vorgestellt, aber auch um Vorschläge gebeten“, erzählt Punstein von vielen persönlichen Gesprächen, die unter dem Motto standen: „Hopp, packt doch mit an!“.

Erfolgreiche Kommunikation

Kommunikation schadet ja nie, und in Schneckenhausen waren die Gespräche ganz offensichtlich erfolgreich: Am Samstag, 16. Mai, wollen die Landfrauen das Erdgeschoss des Bürgerhauses putzen. Viele Aktionen sind für Dienstag, 19. Mai, angekündigt. Die Straußjugend wird die Bushaltestellen von Moos befreien, der Musikverein am Multifunktionsplatz die Boulebahn abreißen und morsches Holz an den Spielgeräten austauschen. Der Männergesangverein und der Wanderreit- und Fahrverein Musikantenland haben angekündigt, das Treppenhaus des Bürgerhauses mit Bildern zu dekorieren.

Die unansehnliche Wand am Multifunktionsplatz soll mit Graffiti gestaltet werden.
Die unansehnliche Wand am Multifunktionsplatz soll mit Graffiti gestaltet werden.

Ob Pferdefreunde, Tennisverein oder einzelne Privatleute: In der Ehrenwoche wird überall angepackt, in der eigenen Straße, am Vereinsheim oder sonstwo in der Gemeinde. Der Verein „Wir in Schneckenhausen“ veranstaltet einen Workshop und will dabei die Betonwand am Multiplatz verschönern.

„Die Kinder des Dorfes haben mich gefragt, ob sie nicht eine Müllsammelaktion machen dürften“, berichtet Punstein. Der Ortschef freut sich über jede einzelne Aktion, die schon für die Ehrenwoche angekündigt wurde. Auch der Gemeinderat bleibt nicht untätig. Dessen Mitglieder wollen ebenfalls am 19. Mai das marode Wartehäuschen an der Bushaltestelle in der Bergstraße abreißen. „Noch ziehen nicht alle an einem Strang, aber es sind schon überdurchschnittlich viele“, zeigt sich David Punstein begeistert über die Solidarität und hofft, dass diese weiter Schule macht.

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