Weilerbach RHEINPFALZ Plus Artikel Hundert in der 30er-Zone: Anwohner kämpfen für sichere Radwege

Kjan Yazdi und sein Sohn Navid: Beide kämpfen dafür, ihre Straße und die Radwegkreuzung sicherer zu machen.
Kjan Yazdi und sein Sohn Navid: Beide kämpfen dafür, ihre Straße und die Radwegkreuzung sicherer zu machen.

Irgendwann war es ein überfahrenes Haustier zu viel: Wie sich Bürger in Weilerbach für sichere Radwege einsetzen und warum ihnen der Vorschlag der Verwaltung nicht reicht.

Die Obergasse in Weilerbach ist eine Anliegerstraße, die Geschwindigkeitsbegrenzung beträgt eigentlich 30 Stundenkilometer. Eigentlich, weil sich über 80 Prozent der Autofahrer nicht an das Tempolimit halten. Das hat eine Messung in der Straße über einen Zeitraum von zwei einhalb Wochen ergeben, berichtet Kjan Yazdi, der seit zwölf Jahren in der Straße wohnt. „Die Ergebnisse waren auch für uns erschreckend“, sagt der 47-Jährige. Mehr als einmal seien sogar Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern gemessen worden, mehr als dreimal so schnell wie erlaubt. Besonders gefährlich sei die Raserei für den kreuzenden Radweg. Der würde gut genutzt werden, zum einen von Freizeitradlern, zum andern von Weilerbachern, die die Strecke auf dem Weg zu den Supermärkten am Ortseingang nutzten. „Morgens und mittags sind hier auch viele Schulkinder unterwegs, das ist saugefährlich“, sagt Yazdi, der selbst Vater ist. Versuche, mit den Autofahrern zu sprechen oder durch Winken auf das Risiko der zu hohen Geschwindigkeit hinzuweisen, seien nicht auf Verständnis gestoßen, im Gegenteil, die Fahrer hätten meist aggressiv reagiert.

Unterschriften Aktion nach Haustierunfall

Auch mehrere Unfälle mit totgefahrenen Haustieren habe es in der Straße schon gegeben, nach einem weiteren solchen Zwischenfall, habe es dem Architekten gereicht. „Nicht, dass es das nächste Mal einen Menschen trifft“, bekräftigt er. Spontan habe er eine Unterschriftenaktion gestartet und sei zu den Nachbarn gegangen – knapp hundert Unterschriften seien so zusammengekommen. „Praktisch jeder hat unterschrieben“, sagt Yazdi.

Mit der Aktion habe er die Gemeinde auf die Gefahr aufmerksam machen wollen, mit Erfolg. Ortsbürgermeister Jochen Kassel (CDU) habe daraufhin die Messung beauftragt, die in den zweieinhalb Wochen etwa 20.000 Durchfahrten gezählt habe, von denen 16.000 zu schnell waren. Für den Ortsbürgermeister und den transparenten Umgang mit den Ergebnissen der Messung findet Yazdi lobende Worte, er freue sich, dass das Thema ernst genommen wird.

Auf einen Antrag der CDU-Fraktion Weilerbach hin beschäftigte sich dann die Verbandsgemeindeverwaltung Weilerbach mit dem Problem. Auch zwei weitere Radweg-Kreuzungen sollten hier auf ihre Sicherheit hin überprüft werden: Die Kreuzungen zweier Radwege mit der L356, einmal am Ortsausgang zu Mackenbach und einmal an der Ziegelhütte. Die Stellungnahme der Bauabteilung der VG war dann Diskussionsthema im Weilerbacher Gemeinderat. Die Behörde ging bürokratisch an das Ganze ran: Überprüft wurde, ob die Sichtweite, berechnet aus der zulässigen Geschwindigkeit und der Schenkellänge des so entstehenden Sichtdreiecks, ausreichend ist.

Maßnahmen der Verwaltung zu lasch

Das Ergebnis: Im Fall der Kreuzungen bei Mackenbach und Ziegelhütte sei die Sicht ausreichend, es könnten aber weiße, gestrichelte Wartelinien auf dem Radweg markiert werden. An der Obergasse sei zumindest aus Richtung Stellwerk kommend die Einsehbarkeit nicht ausreichend gegeben. Der Vorschlag der Behörde hier: durchgezogene Haltelinien markieren und gegebenenfalls das Vorfahrtsschild durch ein Stoppschild ersetzen.

Dem Gemeinderat und Yazdi gehen diese Vorschläge nicht weit genug. Laut Kassel habe man im Rat beschlossen, an den Kreuzungen auf jeden Fall etwas zu unternehmen, das Thema sei aber noch mal an die VG-Verwaltung zurückgespielt worden, da der Rat die Maßnahmen noch nicht für ausreichend hält. Auch Yazdi bleibt an dem Thema dran. Sein Vorschlag wären zum Beispiel Parkbuchten auf der Obergasse, um die Raser zu stoppen und somit die Straße und auch die Radwegkreuzung sicherer zu machen.

fahrrad-header-729px.64142dece4b6b

Kennen Sie schon unseren Fahrrad-Newsletter?

Was sind die gefährlichsten Stellen für Radler und E-Bikes? Und welche Pläne gibt es für Pendler-Routen? Im Newsletter schreiben Vanessa Betz, Rebecca Singer und Victoria Werz darüber, wie es ist, mit dem Fahrrad in der Region unterwegs zu sein: zur Arbeit, in der Freizeit oder als tägliches Fortbewegungsmittel. Jeden zweiten Freitag erscheint der E-Mail-Newsletter mit den spannendsten Fahrrad-Themen aus der Pfalz.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x