Wo isst Kaiserslautern?
Herzlich italienisch: Das „Da Enzo“ schickt seine Gäste direkt ans Mittelmeer
Alora, amici – auf in den Süden! Und um Sie gleich mal zum Nachdenken zu bringen, eine Frage: Was erwarten Sie von einer Speisekarte beim Italiener, mhhh? Mindestens zehn Pasta- und Pizzakreationen, schon klar. Aber sonst? Im feinen Ristorante von Vincenzo La Delfa muss sich wirklich niemand mit dem Gedanken quälen, nichts nach seinem Gusto finden zu können. Von Bistecca (Rindersteak) über Scaloppina (Kalbsschnitzel), Al forno-Aufläufe, Antipasti, Suppen bis hin zu sämtlichen Teigwaren serviert das „Da Enzo“ alles, was das La-Dolce-Vita-Herz begehrt. Und wem das normale Menü nicht reicht, dem drapiert der Kellner im schicken, schneeweißen Hemd eine stattliche Tageskarte vor dem Tisch. Frisch, saisonal, elegant (also die Gerichte, nicht der Kellner). Nochmal: Alora!
Italienische Herzlichkeit – und Schnaps aufs Haus
Na gut, jetzt zum Eingemachten. Als wir an einem Donnerstagabend das ordentlich gefüllte Ristorante in der Oberen Lauterstraße aufsuchen, werden wir herzlich empfangen. Italienisch eben, möchte man sagen – mit breitem Lächeln, offenen Armen. So geht’s weiter die nächsten zwei Stunden, der Service: voll im Modus! Und zum Grande Finale (Grappa, Marsala, Ramazotti ...) lässt das Haus später noch einen Kurzen springen. Tutto perfetto.
Nur, kann die facettenreiche Küche bei „Da Enzo“ mit dem Auftreten der manierlichen Herren Kellner mithalten?
Abwarten. Weil uns die handgeschriebene Tageskarte so imponiert (und sie was hermacht, zugegeben), picken wir uns zwei Hauptgänge raus: Tagliatelle mit Salsiccia und Steinpilzen hier, frische Ravioli mit Kürbisfüllung und Kirschtomaten (vegetarisch) da. Pasta also, italienische Paradedisziplin, eine Verheißung. Dass die Preise – im Vergleich zur restlichen Karte – stolz sind, stört uns erstmal nicht. Kommt ja drauf an, was auf dem Teller liegt, ne? Beginnen wir mit dem Glanzpunkt des Abends, den Ravioli. Cremig-süßer, dezent gewürzter Kürbis, knackige Kirschtomaten, das alles geschwenkt in einem fruchtigen Sugo. Ernsthaft, dieses Gericht lässt uns kurz vergessen, dass wir hier gerade in einem Reihenhaus mitten in Otterbach sitzen. Für ein paar Augenblicke beamt es einen auf den Mittelmeerstiefel, irgendwo auf eine sonnengeflutete Piazza, über die eine laue Herbstbrise weht. Dieses Essen, ein Gläschen Pinot Grigio – grazie! So weit, so gut.
Die Pasta mit Steinpilzen kann nicht überzeugen
Jetzt das Aber. Leider ist es die (ziemlich ausdruckslose) Pasta mit Salsiccia und Steinpilzen, dem Star der Mahlzeit, die uns gar nicht vom Hocker reißt. Einerseits, da sich in der dominanten Soße eine bloß übersichtliche Portion Pilze versteckt. Andererseits, weil die Tomaten, so intensiv sie die Zunge umspannen, den Funghi die Show stehlen. Scusi Signori, man schmeckt sie kaum! Steinpilze sind Luxusware, natürlich. Bei einem Preis, für den man hier locker auch zwei Pizzen kriegt, sollten sie deshalb Eindruck hinterlassen. Tun sie nicht, schade. Vielleicht haben wir den falschen Tag erwischt? Wer weiß. Nach geschlagenen 55 Minuten Wartezeit vor dem Hauptgang drückt das kulinarische „Werk“ aber doch ein bisschen auf die Stimmung. Immerhin, zuvor hatten wir einen Salat und die passable Minestrone mit marktfrischem Gemüse – der erste Hunger war gestillt.
Im Ristorante „Da Enzo“, das unscheinbar in einem Gebäude in Rufweite der Lauter daherkommt, isst man übrigens, wie man es bei einem bodenständigen Italiener gewohnt ist. Mit Stil. Dicke, weiße Stofftischdecken, Holzstühle, warmes Licht, nette Deko, rustikale Möbel – die Mischung liegt irgendwo zwischen gemütlicher Tradition und schicker Moderne. Und dazu die Düfte aus der Küche! Weckt irgendwie Erinnerungen an früher. Wenn man Glück hat, wie wir heute, schneit zu fortgeschrittener Stunde auch gerne mal ein Landsmann des Chefs herein. Dann schlürfen die beiden einen Feierabend-Prosecco, und man wähnt sich gleich in einer toskanischen Trattoria, sobald ihr Schnack den Raum erfüllt. Ciao, ragazzi!
Preiswerter Mittagstisch und Blick ins Grüne
Auf seiner Homepage wirbt Vincenzo La Delfa mit echtem „italienischen Lebensgefühl in authentischer Atmosphäre“. Und das darf man ruhig so stehen lassen. Hier gibt’s Italien pur, mit Amore. Ein paar Pluspünktchen abseits der Bewertung wollen wir dem Wirt zu guter Letzt noch rüberschicken: für den preiswerten Mittagstisch (wird ja immer seltener), die Kinderteller, reichlich Parkplätze vor der Tür – und eine Terrasse mit Blick ins Grüne.
Das Ristorante „Da Enzo“ ist in Otterbach (und weit darüber hinaus, bis in benachbarte Kreise) längst zu einer festen Größe herangewachsen, seine Stammgäste lieben es. Wir meinen: Das dürfen sie gerne tun.