Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Giftköder: Wie man seinen Hund schützen kann

Gerade bei Hunden, die ständig am Boden schnüffeln, ist Vorsicht geboten.
Gerade bei Hunden, die ständig am Boden schnüffeln, ist Vorsicht geboten.

Immer wieder kommt es zu Todesfällen bei Hunden, weil sie Giftköder gefressen haben – zuletzt in der VG Enkenbach-Alsenborn. Wie kann man seinen Hund schützen?

Seit ein paar Wochen sind Hundebesitzer in der Verbandsgemeinde (VG) Enkenbach-Alsenborn sehr beunruhigt und beim Spaziergang mit ihren Vierbeinern besonders aufmerksam. Grund dafür ist, dass rund um Mehlingen mehrere Giftköder entdeckt wurden: zuerst am östlichen Ortsrand, später auch im Naherholungsgebiet Mehlinger Heide, das auch von vielen Auswärtigen besucht wird. In den sozialen Medien wurde kurz hintereinander von vier bis fünf vergifteten und daran verstorbenen Hunden berichtet.

„Ich weiß definitiv von drei Fällen“, bestätigt auf Anfrage Ortsbürgermeisterin Kristina Zick die Vorfälle. „Obduktionen haben keine stattgefunden. Somit wissen wir auch nicht genau, um welche Art von Gift es sich gehandelt hat.“

„Bei Gift schnell handeln“

Eine Vergiftung festzustellen und nachzuweisen ist meistens nicht so einfach, zumal Hundehalter die Aufnahme des Giftes oft nicht mitbekommen. Somit gestaltet sich auch eine Behandlung schwierig. Je nach Art des Giftstoffes treten Symptome mit mehr oder weniger Zeitverzögerung auf. „Bei Rodentiziden kann die Wirkung erst nach einigen Tagen sichtbar werden, wie beispielsweise bei Rattengift“, erläutert der Enkenbacher Tierarzt Olaf Burkert. Der Wirkstoff störe massiv die Blutgerinnung und das Tier verblute nach und nach innerlich. Typische Anzeichen seien Magen-Darm-Blutungen, Blutungen an den Schleimhäuten und Hämatome in der Unterhaut. „Dann muss alles sehr schnell gehen, wenn das Tier noch eine Überlebenschance haben soll“, so der Tiermediziner. Eine hochdosierte Vitamin K-Infusion über die Venen solle dann die Blutgerinnung wieder regulieren. Zu empfehlen sei eine Gabe des Vitamins bis zu drei Wochen. Habe der Hundehalter hingegen beobachtet, dass sein Tier etwas Verdächtigtes vom Boden aufgenommen hat, so bestehe noch die Alternative einer prophylaktischen Spritze, die innerhalb von Minuten zum Erbrechen führe. Allerdings dürften zwischen der Aufnahme des potenziellen Giftköders und der Verabreichung der Spritze maximal zwei Stunden liegen.

Der Tierarzt gibt aber zu bedenken, dass nicht hinter jeder Blutausscheidung eine Vergiftung steckt, sondern vielmehr Krankheiten. Er schätzt, dass auf zehn Blutungen ein Vergiftungsfall kommt. In seiner Praxis in Enkenbach läge der letzte nachgewiesene Giftköderfall drei Jahre zurück. Aufgrund der nicht unerheblichen Kosten verzichteten die Halter meist auf eine Obduktion des Tieres.

Tipps vom Hundetrainer

Auch Hundetrainer Klaus Schmidt erreichen immer wieder mal Nachrichten von vergifteten Hunden. Das Motiv, Giftköder auszulegen, sei wohl meist der Ärger über die tierischen Hinterlassenschaften. Doch Schmidt kennt auch andere Beweggründe. „Es gibt leider Menschen, die sich daran ergötzen, Hunde zu quälen“, berichtet der Ausbilder. Er habe Kenntnis von grausamen Fällen, die tiefste menschliche Abgründe aufzeigten.

Doch es sei möglich, die geliebten Vierbeiner beim Spaziergang vor Giftködern zu schützen. Das Führen an der Leine biete schon etwas Kontrolle, aber keine ausreichende Sicherheit – außer, dass man das Aufnehmen von Ködern eher mitbekomme. Wichtig sei, eine Bodenfixierung des Hundes nicht zu fördern, sondern zu minimieren. „Gerade bei diesen Bodenstaubsaugern ist das ein Thema“, sagt Schmidt und meint damit Hunderassen, die permanent die Schnüffelschnauze auf dem Boden haben. Viele Halter beschäftigten ihre Tiere zudem gerne mit Trainingseinheiten und Suchspielen in freier Natur. Hier rät der Experte dringend vom Auslegen beziehungsweise der Aufnahme von Leckerlis vom Boden ab: „Wenn schon draußen trainiert wird, dann die Suchspiele direkt anzeigen und als Belohnung die Leckerlis aus der Hand füttern. Nichts vom Boden aufnehmen lassen, so dass der Hund erst gar keine Verknüpfung zwischen Boden und Leckerli aufbaut.“ Das könne man mit zwei bis drei Stunden Aufwand aktiv trainieren. So genannte Giftköder-Schutznetze, die gleich einem Maulkorb angelegt werden, befürwortet Schmidt aus Sicht des Hundewohles nicht.

Giftköder immer anzeigen

Betroffenen empfiehlt er, Giftköder immer bei der Polizei anzuzeigen. Auch das Nutzen von speziellen Apps, die vor Ködern mit Standortdaten warnen, seien hilfreich. Anzeichen wie Apathie und Taumeln während oder nach dem Spaziergang deuteten auf einen eventuell durch Gift ausgelösten Kreislaufzusammenbruch hin und erforderten einen Tierarzt.

Hundetrainer Schmidt bietet aufgrund der aktuellen Fälle in der VG am Sonntag, 23. März, 9 Uhr, auf seiner Dogstation24 in Hochspeyer ein Antigiftködertraining an. Eine Anmeldung unter info@dogstation24.de ist wegen der begrenzten Plätze erforderlich. Die Teilnahmegebühr für das Hund-Mensch-Gespann beträgt 25 Euro.

Nur Gucken ist erlaubt: Hundetrainer Klaus Schmidt demonstriert mit Bambam das erwünschte und antrainierbare Verhalten mit etwas
Nur Gucken ist erlaubt: Hundetrainer Klaus Schmidt demonstriert mit Bambam das erwünschte und antrainierbare Verhalten mit etwas Futter auf dem Boden.
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