Hütschenhausen
Gemeinsam digital: Hütschenhausen setzt auf Vernetzung und Hilfe
„Der erste Digitaltreff ist eine Anregung zur Schaffung eines Netzwerkes, in dem sich die Bürger gegenseitig bei den digitalen Herausforderungen des Alltags unterstützen können“, erklärte Hütschenhausens Ortsbürgermeister Achim Wätzold. Es solle eine Anlaufstelle für Probleme mit der Digitalisierung werden. „Wir wollen gemeinsam mit den Digitalbotschaftern einen Rahmen schaffen, in dem die Menschen regelmäßig zusammenkommen können und sich zu den verschiedensten Themen rund um die Digitalisierung austauschen können“, ergänzte er.
Die Einladung war bewusst offen gestaltet, Menschen aller Altersgruppen waren willkommen. Unter den etwa 20 Teilnehmern waren zwar überwiegend Senioren, aber auch einige jüngere Leute und sogar Jugendliche. „Es freut mich, dass alle Altersgruppen vertreten und in dieser gemütlichen Runde zusammengekommen sind. Wir wollen die Leute mit ihren Ideen und Anregungen abholen“, so Wätzold.
Ausgebildet für das Ehrenamt
Digitalbotschafter Horst-Dieter Freimann gab den Zuhörern Einblicke in seine Arbeit und riss mögliche Themen für weitere Treffen an. Freimann ist seit eineinhalb Jahren Digitalbotschafter, ließ sich für das Ehrenamt ausbilden. Seine Aufgabe ist es, für das Land Rheinland-Pfalz die Forderungen des Sozialgesetzbuches nach digitaler Teilhabe für alle, auch ältere Menschen, umzusetzen. „Die Landesregierung fordert von der Bevölkerung, dass sie sich mit dem digitalen Gerät auseinandersetzt, gibt aber keine Unterstützung. Deswegen braucht es das Ehrenamt Digitalbotschafter, wir machen das gerne“, erklärt Freimann, dessen Fokus zuletzt etwa darauf lag, die Akzeptanz für die elektronische Patientenakte (EPA) rüberzubringen.
„Ich habe erklärt, was die EPA gut macht, was weniger gut ist und wie man sie modulieren kann, um die Nachteile zu minimieren“, berichtet Freimann. Zu diesem Zweck hielt er im Umkreis sieben Vorträge vor insgesamt über 250 Menschen. Bald solle es aber auch spezielle EPA-Coaches geben.
Um tiefer in Themen einzusteigen, teilte sich der Digitaltreff für drei Workshops in kleinere Gruppen auf. Ortsbürgermeister Wätzold stellte die digitalen Angebote vor Ort, die seitens der Ortsgemeinde und der Verwaltung bereits existieren, vor und brachte diese den Menschen näher: „Wir schauen uns im weiteren Verlauf unsere digitalen Kanäle an und sammeln dann auch Themen für zukünftige Treffen, wie etwa das erste Smartphone in der Familie“, beschreibt Wätzold.
Gemeinde wirbt mit QR-Codes
Neu in der Ortsgemeinde sind Banner, die in der Öffentlichkeit aufgestellt wurden und über einen QR-Code verfügen, über den man direkt auf das aktuelle Programm der Gemeinde zugreifen kann, so wie etwa die Hütschenhauser Kerwe nächstes Wochenende.
Zentral für Wätzolds Workshop war dabei die Vorstellung der Homepage Hütschenhausens, dem zentralen Element des Online-Auftritts der Gemeinde. Dort finden die Bürger alle Informationen rund um den Ort, können alles Wichtige nachlesen und das immer aktuell.
Der Fokus im Workshop von Tatjana Götzinger, Ratsmitglied und Vorsitzende der CDU-Fraktion, liegt auf Social Media, insbesondere Facebook: „Instagram ist nochmal schwieriger und für die Älteren uninteressant. Sie sind eher auf Facebook unterwegs, so wie auch meine Oma, und bleiben dort auf dem Laufenden“, so Götzinger, die angesprochen auf das Interesse der älteren Menschen sagt: „Ich bin total verwundert, dass es richtig gut läuft, die Älteren haben großes Interesse an den sozialen Medien, wollen da aktiv sein. Ich bekomme davon auch privat viel mit. Sie nehmen das toll auf, arbeiten sich schnell ein, es ist gar nicht kompliziert“.
Götzinger erklärt den Menschen vor allem den technischen Aspekt der Plattform: Wie meldet man sich bei Facebook an, wie sucht man nach Beiträgen, wie folgt man Kanälen oder wie kann man selbst Beiträge erstellen, teilen oder kommentieren.
„Die Älteren haben großes Interesse an den sozialen Medien“
Freimann beschäftigt sich mit den „Anfängern“, bei denen noch immer eine gewisse Grundskepsis gegenüber der Digitalisierung und den digitalen Geräten herrscht. Es ging vor allem um das Vermitteln von Grundlagen zur Arbeit mit Smartphone oder Laptop, etwa dem Anlegen eines Postfachs oder eines Notfallkontaktes.
Laut Freimann kam das Interesse der älteren Leute an den digitalen Themen mit der Corona-Pandemie auf, als der Kontakt zur Familie oft nur noch über FaceTime und Videoanrufe möglich war. Insbesondere WhatsApp sei sehr beliebt und weit verbreitet.
Aber auch Betrugsmaschen sind immer wieder Thema bei den Senioren, gerissenen Kriminellen bietet die Digitalisierung ebenfalls neue Möglichkeiten: „Da haben wir Lehrprogramme, wo wir das den Leuten im Einzelnen vermitteln und auf Gefahren hinweisen“, so Freimann.
„Die Hemmschwelle ist noch da, die älteren Leute haben Angst vor der Digitalisierung und vor dem Gerät. Heute geht es erstmal um die Grundlagen, aber es soll in Zukunft mehr Treffen in regelmäßigen Abständen hier im Bürgerhaus geben. Dort können wir dann in kleinen und großen Gruppen arbeiten, um Ängste und Hemmschwellen zu überwinden. Das bringt Sicherheit und führt zu mehr Akzeptanz“, erklärt Freimann.
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