Landstuhl
Geburt zweier Zwillingspaare am selben Tag im Nardini-Klinikum
Ina Baur, die Leiterin der Entbindungsstation, kann es noch immer kaum glauben. „Wir entbinden bei rund 800 Geburten vielleicht ein Zwillingspärchen im Jahr. Aber jetzt gleich zwei an einem Tag, das hat es hier noch nie gegeben!“
In der Nacht auf Montag kamen zuerst Mirella Lilla, um 1.32 Uhr, und kurz darauf, um 1.33 Uhr, ihr Bruder Alex A’kos zur Welt. Um 6.19 Uhr folgten Ella und um 6.20 Uhr ihr Bruder Karl.
Am 6. Dezember vergangenen Jahres bekamen Barna Orosz, 29 Jahre alt, und seine Frau Nora Buthi, 30 Jahre, „ein ganz tolles Nikolausgeschenk“, wie sie sich erinnern. Nach einer Behandlung in einem Kinderwunschzentrum war der Schwangerschaftstest positiv. Kurz darauf erfuhren sie dann von ihrem doppelten Glück.
„Madame“ wollte einen Tag früher zur Welt kommen
Ab Januar betreute sie die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Valeria Hoffmann, im Nardini-Klinikum. Papa Barna ist Anästhesist und hat vier Jahre lang im Nardini-Klinikum gearbeitet. Er blickt zufrieden zurück. „Es waren keine Komplikationen zu erwarten. Die Schwangerschaft verlief unauffällig und den Kleinen ging es gut.“ Da war klar, dass sie die Kinder in Landstuhl zur Welt bringen würden. Weil das Haus über keine angeschlossene Kinderklinik verfügt, sei eine Aufnahme generell erst ab der 36. Schwangerschaftswoche möglich.
Mama Nora strahlt vor Glück. „Wir haben uns wahnsinnig gefreut, denn wir haben erst nicht mit Zwillingen gerechnet.“ Für das Paar sind es die ersten Kinder. Mirella wog bei der Entbindung 2400 Gramm und Alex 2770 Gramm. Beide waren 48 Zentimeter groß. „Sie konnten sich nicht einigen, wer als erstes kommen sollte“, erzählt der Vater augenzwinkernd. Der Ausgang war blockiert, ein Kaiserschnitt unumgänglich.
Geplant war dieser eigentlich erst für Dienstag, 4. August. „Madame hat sich dann entschieden, einen Tag früher zur Welt zu kommen“, spielt die Mutter auf die Beckenendlage der Kleinen an. Wehen und ein Blasensprung um Mitternacht auf Montagmorgen überraschten sie zu Hause schlafend im Bett.
Der Rettungsdienst brachte das Paar von seinem Wohnsitz in Kaiserslautern nach Landstuhl. „Eine halbe Stunde später waren die beiden schon da“, erzählt Barna Orosz. Die betreuende Ärztin Valeria Hoffmann war glücklicherweise im Dienst und konnte den Kaiserschnitt durchführen. „Sie hat das sehr gut gemacht“, lobt der Vater.
„Wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte“
Ebenfalls an einem besonderen Tag wurden Michelle Göttel, 31 Jahre, und ihr Mann Matthias, 34 Jahre, aus Matzenbach im Kreis Kusel mit einer Nachricht zur Schwangerschaft überrascht. An Silvester erfuhren die beiden, dass sie Eltern von Zwillingen werden. „In dem Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte“, gesteht die junge Mutter. Das Paar hat bereits eine zweijährige Tochter namens Mina.
Der Termin für den Kaiserschnitt war eigentlich erst eine Woche später geplant. „Ich bekam nachts Wehen und hatte nicht das Gefühl, noch warten zu können.“ Gefreut habe sich das Paar, als es erfuhr, dass wenige Stunden vorher bereits ein Zwillingspaar das Licht der Welt erblickt hatte. „Was ich noch viel witziger fand, war, dass der Papa von den anderen Zwillingen bei mir als Anästhesist dabei war. Das macht das Besondere am Landstuhler Krankenhaus aus: Man ist hier flexibel, spontan und familiär.“
„Die anderen Zwillinge sind auch schon da“
Der kleine Karl liegt friedlich in seinem Bettchen und schlummert. Papa Matthias hält Töchterchen Ella im Arm. Er belegt gemeinsam mit seiner Frau Michelle ein Familienzimmer. So hat er die Möglichkeit, auch die Nacht hier zu verbringen. Hebamme Nicole Westrich aus Gimsbach im Kreis Kusel ist „mit Göttels befreundet und auch noch entfernt verwandt“, wie sie berichtet. „Sie haben mich nachts um 2 Uhr angerufen. Da bin ich zu ihnen nach Hause und dann gemeinsam in die Klinik gefahren.“
Nicole Westrich erinnert sich schmunzelnd an die Worte der Kollegin im Dienst, als sie von unterwegs ihr Kommen anmelden wollte. „Sag nicht, dass da jetzt Zwillinge kommen! Die anderen Zwillinge sind auch schon da!“ Die Oberärztin der Gynäkologie, Gabi Maria Önder, war auch extra von Zuhause, außerhalb ihrer Dienstzeit, zur Stelle. Önder hatte die Schwangerschaft seit März begleitet. In dieser Zeit war ihr „die Frau Göttel ans Herz gewachsen“.
Am Wochenende geht es nach Hause
Die Entbindung verlief „in Routine und ohne besondere Vorkommnisse“. Doch „zwei Zwillingsgeburten in einer Nacht, das ist schon sehr besonders“. Weitere Zwillingsgeburten erwartet die Klinik laut Oberärztin Önder erst Ende des Jahres und zu Jahresbeginn 2021. Also bestimmt nicht am selben Tag.
Spätestens am Wochenende werden die Elternpaare mit ihrem Nachwuchs aus dem Klinikum entlassen sein. Ein neues, aufregendes Leben erwartet die Familien. Schläft ein Baby, ist das andere schon wieder wach, ist eines satt, meldet das zweite großen Hunger an. Zwillingseltern haben nicht viel Zeit. Trotz Schlafdefizit, Dauerbeschallung und Windelbergen ist ihnen jedoch das doppelte Glück gewiss.