Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Faszination Militär? Deswegen haben es Läden wie „Military&More“ zurzeit schwer

Vollgepackt: Die Auswahl bei „Military&More“ ist groß.
Vollgepackt: Die Auswahl bei »Military&More« ist groß.

Orden und Abzeichen, Helme und Army-Boots: Der Laden Military&More in Enkenbach erinnert an ein Museum. Warum es das Geschäft aber wahrscheinlich nicht mehr lange geben wird.

Etwas versteckt, dafür aber stilecht in einer alten Lagerhalle liegt das Geschäft Military&More in Enkenbach. Kaum ist man durch die Tür getreten, erwartet einen eine Welt aus Grün, Braun und anderen Tarnfarben. Jeder Winkel der kleinen Halle ist vollgestopft mit Militärkleidung, Zubehör und Sammlerstücken. Mittendrin steht Eugen. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen und auch fotografiert zu werden, lehnt er ab. „Da bin ich eigen“, sagt der 68-Jährige. Den Laden hat er zusammen mit seiner Frau Ulla übernommen. Damals allerdings noch mit weniger Militär und dafür mehr Bekleidung: Eher durch Zufall hatte der 68-Jährige Textil Koch in der Kaiserslauterer Steinstraße übernommen. Als Verlängerung seines eigenen Hobbys, dem Sammeln von sogenannten Militaria, änderte sich auch die Ausrichtung des Ladens.

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Nach mehreren Umzügen in die Mainzer Straße und die Richard-Wagner-Straße ist der Laden 2017 schließlich in der Bergstraße in Enkenbach-Alsenborn angekommen.

Orden, Schirmmützen und Camping-Zubehör

Viele seiner Kunden seien ihm während der Platzwechsel treu geblieben. Unter ihnen sind Hobby-Sammler wie er selbst, die sich für historische Stücke aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs oder anderen Epochen interessieren. Zwischen den ausgemusterten Uniformen hängen Exemplare aus Polen, Österreich und anderen Nationen. Schirmmützen stapeln sich auf einem Regal, Militärabzeichen gibt es an der Ladentheke in den verschiedensten Ausführungen.

Den größeren Teil seiner Kunden machten mittlerweile allerdings Outdoorfans aus, darunter Frauen ebenso wie Männer. Zum Sortiment gehört ebenfalls eine große Auswahl an strapazierfähiger Militärbekleidung, Combat-Boots, geräumigen Rucksäcken und Zubehör wie Wasserkanister, Taschenlampen und Camping-Ausrüstung, die in der Szene gefragt seien.

Interesse an Militaria hat stark nachgelassen

Der Sammlerkreis würde hingegen immer kleiner werden. Früher kannte er einige Läden wie seinen, die hätten mittlerweile alle zugemacht. Helme oder Bajonette, die früher beliebte Sammlerstücke waren, interessierten heute kaum jemanden mehr. „Die Jugend hat weniger Interesse an Geschichte“, sagt Eugen. Und für ein Hobby wie seines brauche es Geld, das viele Leute heute nicht mehr hätten – zumindest nicht, um es in Sammlungen zu stecken. „Wenn man nur aufs Geld schaut, kann man so einen Laden nicht führen, dafür braucht man Herzblut“, sagt der 68-Jährige.

Aktuelle Konflikte wie der Krieg in der Ukraine würden die Leute zusätzlich abschrecken. Früher hätten die Leute auch zu Fasching bei ihm eingekauft, darunter beispielsweise Tanzgruppen, die heute aber nicht mehr mit militärischer Kostümierung auftreten wollen. „Den Laden gibt es vielleicht noch ein paar Jahre. Irgendwann geht es nicht mehr weiter“, sagt Eugen.

Was sind Militaria und was ist erlaubt?

Militaria sind historische Gegenstände und Sammlerstücke, die mit dem Militär, Soldaten, Uniformen, Waffen und Kriegen zu tun haben. Darunter fallen alte Waffen, Uniformen, Orden, aber auch Fotos oder Dokumente. Das Sammeln oder Handeln mit solchen Gegenständen ist in Deutschland erstmal legal, es gelten aber bestimme Vorschriften. So dürfen Gegenstände mit Symbolen des Nationalsozialismus zwar gesammelt werden, sie dürfen aber nicht beworben oder in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Auch bei Waffen gibt es strenge Vorgaben: Originale Kriegswaffen sind verboten, Deko- und Schuss-Waffen müssen unbrauchbar gemacht werden. Uniformteile der Bundeswehr sind frei verkäuflich, sobald sie offiziell ausgemustert wurden. Aktuelle Einsatzuniformen, die noch benutzt werden, dürfen hingegen nicht verkauft werden, auch ist es verboten, komplette Uniformen mit Abzeichen zu tragen und so den Eindruck zu erwecken, selbst im Dienst zu sein.

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