Ramstein-Miesenbach
Familienforschung: Gute Tipps besonders gefragt
„Alles für die Enkel“, sagt Klaus Stuppy und lacht. Der 78-Jährige stammt aus Bann (Kreis Kaiserslautern), lebt schon lange in Sippersfeld (Donnersbergkreis) und begleitet einen Freund, der sich in Sachen Ahnenforschung Tipps holen will. Stuppy selbst ist seinen Wurzeln schon länger auf der Spur und weiß zu schätzen, dass er dabei auf ein Ortsfamilienbuch für Bann und das benachbarte Queidersbach zurückgreifen kann. Und er nutzt auch schon ein spezielles Computerprogramm. Vielleicht aber wird auch er durch diesen Informationstag noch ein wenig mehr erfahren.
Im Gemeindezentrum der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage in Ramstein hegen viele dieselbe Hoffnung. Elisabeth Stadtmüller aus dem saarpfälzischen Oberbexbach zum Beispiel will mehr über den Namen ihres Mannes erfahren, dessen Familie aus Landstuhl (Kreis Kaiserslautern) stammt.
Keine Missionierung
Es geht durchaus international zu, junge Freiwillige der US-amerikanischen Glaubensgemeinschaft übersetzen nicht nur, sondern bieten den Besuchern auch andere Hilfen an. „Niemand hier will missionieren“, hatte Organisator Bruce M. King in seiner Begrüßung betont. Seit drei Jahren lebt der 73-Jährige in der Westpfalz, Ahnenforschung ist sein großes Hobby. Das Wissen, das seine Kirche vor allem mit der kostenlosen Internet-Plattform Family Search gesammelt hat, will er weitergeben.
Die Datenmenge von Family Search ist riesig, wie auch Charlotte Glück aus Hütschenhausen (Kreis Kaiserslautern) weiß. Seit wenigen Monaten ist die Historikerin im Ruhestand. Als sie noch Leiterin des Zweibrücker Stadtmuseums und Stadtarchivarin war, wurden auch dort alle verfügbaren Daten von Family Search digital erfasst. Nicht immer fehlerfrei, wie sie anmerkt, was Hans-Joachim Eberts vom Verein für Pfälzisch-Rheinische Familienkunde (Ludwigshafen) bestätigt. „Aber besser als nichts“, meint ein weiterer Besucher.
Nachnamen seit 1000 Jahren
Eberts’ Vorträge sind an diesem Tag ebenso gefragt wie Einführungskurse in Family Search. So ist bei Eberts zu erfahren, dass Familiennamen vor rund 1000 Jahren in London entstanden sind und sich dann langsam in ganz Europa durchgesetzt haben. Eigenschaften wie groß und klein, Berufe wie Zinsmeister oder Schlosser, aber auch Vornamen wurden dafür verwendet. Vieles habe sich dann im Lauf der Zeit weiter verändert, Müller beispielsweise sei durch das Lateinische mancherorts zu Molitor geworden. Details ließen sich oft in Urkunden finden, doch die sollten, ähnlich wie heutzutage das Internet, „präzise bis hin zur Unterschrift gelesen werden“, rät Eberts. Im Zweifel sei meist die dort verwendete Schreibweise des Namens die richtige.
Auch Eberts schaut als erstes bei Family Search nach, wenn er etwas sucht – und er korrigiert dort auch bei Bedarf. Wichtig sei es, Quellen immer noch einem festen Standard einzutragen. Derweil er diese Tipps gibt, schlendern andere Besucher durch den großen Saal, wo sie in selbst gestalteten Familienbüchern blättern, einen ersten Kontakt zur Pfalzbibliothek des Bezirksverbands mit seinem großen Bestand knüpfen und in die vielen Ortsfamilienbände schauen, die der Verein für Pfälzisch-Rheinische Familienkunde mitgebracht hat.
„Angenehm überrascht“
Dessen Vorsitzender Richard Fuchs nutzt die Chance, neue Kontakte zu knüpfen. „Wir müssen uns zeigen und unsere Kompetenz unter Beweis stellen“, sagt er. Dass dies in Ramstein auch angesichts des Besucherstroms gelingt, freut ihn: „Ich bin angenehm überrascht von dem Andrang.“
Info
Verein für Pfälzisch-Rheinische Familienkunde: www.prfk.org
Pfalzbibliothek: www.pfalzbibliothek.de
www.familysearch.org