Landstuhl
Entspannte Geburt: Kreißsäle im Nardini Klinikum Landstuhl modernisiert
Krankenhausatmosphäre ist in den neu gestalteten Geburtslandschaften auf der Atzel eher nicht zu finden. Einrichtung und Deko-Elemente erinnern kaum an einen medizinischen Betrieb. „Die medizinische Ausrüstung haben wir versteckt“, verrät Hebamme Sabine van Riel mit einem Augenzwinkern. „Die Frauen sollen sich bei uns direkt wohlfühlen“, ergänzt Hebamme Tanja Rohe. „Ihre Wünsche nach einer natürlichen, selbstbestimmten Geburt tragen wir mit“, betont sie. Gymnastikbälle, Sprossenwand und Tücher, die von der Decke hängen, bieten vielfältige Möglichkeiten, wenn das Baby auf die Welt kommen will. Reichlich Bewegungsfreiheit gibt es auf dem großen Entbindungsbett. Gebärhocker und -Wannen für Wassergeburten stehen ebenfalls zur Verfügung. Um die Schmerzen zu minimieren, können unter anderem Homöopathie, Akupunktur und Aromatherapie eingesetzt werden.
„Die Frauen haben die freie Wahl“
„Viele Geburtspositionen sind möglich, die Frauen haben freie Wahl“, sagt Chefarzt Muayyad Al-Alime. In den drei Kreißsälen gibt es genügend Platz, sodass sich die Schwangeren in der Wehenphase auch bewegen können. „Das begünstigt den Fortschritt der Geburt“, weiß der Chefarzt. Die neu gestalteten Geburtsräume seien stärker familienorientiert, schildert Tanja Rohe, die die Kreißsaalleitung innehat. Bis zu zwei Personen darf die Schwangere zur Geburt mitbringen. Für die Begleiter stehen Rückzugsräume zur Verfügung, es gibt Familienzimmer, und in einem Wintergarten können frischgebackene Eltern Besuchern den Nachwuchs präsentieren.
Damit Babys in entspannter Atmosphäre auf die Welt kommen können, habe das Land in den vergangenen zwei Jahren 380.000 Euro zur Modernisierung der Kreißsäle zugeschossen, erläutert Pflegedirektor Thomas Frank. Hinzu kamen Eigenmittel des Krankenhausträgers, der öffentlich-rechtlichen Nardini-Stiftung. Den Gesamtbetrag des Projektes kann Frank ad hoc nicht genau beziffern. Die Modernisierung sei allerdings im „laufenden Betrieb“ erfolgt, ergänzt er. Mehr als 700 Geburten zählt die Klinik in Landstuhl jedes Jahr, die Zahlen seien stabil.
21 Hebammen und zwölf Ärzte
Bis zu 60, 70 Kilometer fahren Schwangere für eine Entbindung in Landstuhl. Sie kommen aus der Region Kaiserslautern, Kusel, Zweibrücken, Homburg, St. Wendel und Birkenfeld. Im Krankenhaus begleitet werden sie von 21 festangestellten Hebammen, die auch freiberuflich tätig sind. Für eine kontinuierliche Betreuung arbeiten die Hebammen integrativ auf der Wochenstation mit den neun Kinderkrankenschwestern. Den medizinischen Part übernehmen zwölf Ärzte, davon sieben Fachärzte. „Und bald werden wir mehr“, kündigt Al-Alime an.
Fachkräftemangel sei auch am Klinikum in Landstuhl kein Fremdwort, so der Chefarzt. Allerdings seien aktuell alle Stellen besetzt, berichtet Thomas Frank. Eine Vergrößerung sei allerdings nicht ausgeschlossen. „Wir sind ein junges Team“, berichtet Tanja Rohe, die auch bei der Ausbildung des Nachwuchses engagiert ist. Seit vier Jahren sei das Hebammenstudium in sieben Semestern am Klinikum möglich, die Theorie in Hebammenwissenschaft erfolge an der HTW Saar. „Jedes Jahr nehmen wir zwei Studierende auf“, so Rohe. „Es ist ein sehr flexibler Beruf“, schwärmt die Hebamme und fügt hinzu: „Seit 30 Jahren gehe ich jeden Tag gerne zur Arbeit.“
Für Notfälle gerüstet
Hebamme Mareike Hemm betont, dass alle ihrer Kolleginnen auch freiberuflich tätig sind. Sie bieten unter anderem Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, Akupunktur, K-Taping, Dorn-Therapie, Baby-Massage und -Schwimmkurse sowie ein Nachsorgeangebot für zuhause. Auch Kurse für Geschwister würden angeboten, berichtet Hemm.
Falls es im Kreißsaal mit einer natürlichen Geburt nicht klappt, sei das Klinikum für Notfälle gerüstet. „In wenigen Schritten geht’s vom Kreißsaal in den OP“, sagt Rohe. Die Anzahl der Kaiserschnitte liegt laut Al-Alime in Landstuhl – wie auch bundesweit – bei rund 30 Prozent.
Info
An jedem dritten Donnerstag im Monat lädt die Abteilung für Geburtshilfe werdende Eltern zur Kreißsaalführung ein, das nächste Mal am 26. Juni um 19 Uhr. Zudem gibt es wöchentliche Führungen dienstags. Infos unter Telefon 06371 842801. Anmeldungen sind nicht erforderlich.