Kreis Kaiserslautern Eingekreist:

Wer in die Politik geht, muss Ideen haben. Muss Probleme erkennen und Lösungswege aufzeigen. Kreativität ist in dem Job gefragt. Aber vielleicht lieber nicht zu viel davon. Denn wie sagte schon Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Dass die SPD nicht kreativ oder gar visionär sei, kann man ihr momentan wahrlich nicht vorwerfen: Die vorgeschlagenen Möglichkeiten für die Gebietsreform im Westen des Kreises sind jedenfalls alles andere als abgegriffen. Da soll die Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau mit der VG Waldmohr aus dem Nachbarkreis Kusel fusionieren. Okay, warum nicht, mag man einwerfen. Oder sogar erleichtert: Endlich wird mal die kleinkarierte Einschränkung der Kreisgrenzen beiseite geräumt. Doch die Freiheit und Großzügigkeit der SPD-Vordenker geht noch weiter: Die beiden Verbandsgemeinden können (vorerst) einfach in ihren Landkreisen bleiben. Weg mit den Grenzen im Kopf, lassen wir die Kreisgrenze schlicht dort, wo sie ist und stören uns nicht an solchen Engstirnigkeiten, dass die Bürger einer VG verschiedene Kreistage wählen. Die gehören ja eh schon zu unterschiedlichen Bundes- und Landtagswahlkreisen; also, was soll die Aufregung?! Doch die CDU ist ob solcher Gedankengänge aufgebracht und verwundert. Und schließt sich – ausnahmsweise – dem Genossen Bürgermeister Holz an, der die Kommunalreform generell als „Unsinn sondergleichen“ und „dilettantisch“ bezeichnet. Da schlagen die Christdemokraten gerne ein. Und siehe da: wieder eine Grenze überwunden, diesmal die Parteigrenze! Chapeau, die Sozialdemokraten sind weitsichtiger und offener, als mancher dachte. Ihre Vision eint zwei gegnerische Lager. Was für eine friedensstiftende Tat! Gespannt sind wir dann aber doch darauf, was passiert, wenn im nächsten Schritt der Reform die Kreisgrenzen neu gezogen werden. Denn merkwürdigerweise soll das nicht ausfallen. Werden dann zwei Landräte im Morgengrauen zum Duell antreten, um auszufechten, wer den Happen bekommt? Oder wählen die beiden lieber den Spieltisch? Pokern gehört in der Politik ja auch zum Geschäft. Wer wird obsiegen, der Sozial- oder der Christdemokrat? Doch wie geht es den Bruchmühlbach-Miesauer und Waldmohrer Bürgern bei dem Spiel? Vielleicht sind die nicht so erbaut davon, dass auf ihrem Rücken (partei)-politische Ränkespiele ausgetragen werden. Wird doch glatt gemunkelt, dass die Landesregierung versucht, möglichst SPD-regierte Einheiten zu schaffen ... Ach ja . Hätte man von Beginn an eine Reform statt Reförmchen, mit Blick über die Kreisgrenzen, angepackt, wäre so eine abstruse Idee wohl gar nicht aufgekommen. Ganz anders von der Gebietsreform betroffen sind die Queidersbacher, genauer: die Realschule plus dort. Seit Jahren müssen Lehrer und Verbandsgemeinde mitansehen, wie die Schülerzahlen dahinschrumpfen, der Schule immer mehr der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Nun endlich die erleichternde Nachricht: Der Rückgang ist gestoppt, es kommen wieder mehr Kinder. Nicht unschuldig daran ist sicher das Ganztagsschulangebot, das die Realschule endlich anbieten darf, wenn auch (noch) nicht verpflichtend. Zu wünschen ist den Lehrkräften, der VG und den – auch künftigen – Schülergenerationen, dass die Schule bleibt. Denn viel wurde hineingesteckt, nicht nur materiell. Die Lehrer geben alles, um die Schule attraktiv zu machen. Und eine wohnortnahe Schulversorgung ist ein nicht zu verachtendes Gut.