Hütschenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Leben für die Politik: Marlies Kohnle-Gros wird 70

Marlies Kohnle-Gros in ihrem Garten in Hütschenhausen: Dort verbringt sie allerdings nicht viel Zeit, denn die umtriebige CDU-Fr
Marlies Kohnle-Gros in ihrem Garten in Hütschenhausen: Dort verbringt sie allerdings nicht viel Zeit, denn die umtriebige CDU-Frau hat noch immer eine lange Liste an Ehrenämtern, um die sie sich kümmert.

Auch fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag ist Marlies Kohnle-Gros noch immer ein weiblicher Hans Dampf in allen Gassen. Heute wird die CDU-Frau 70 Jahre alt.

Sie ist zwar längst im Rentenalter, aber Marlies Kohnle-Gros sprüht vor Tatendrang und Energie. Nichts da mit Ruhe und Gemütlichkeit im schmucken Häuschen in Katzenbach! Denn auch wenn sich die CDU-Frau 2021 aus dem Landtag und der aktiven Politik zurückgezogen hat, ist die Liste ihrer Ehrenämter und Vorstandsposten noch so lang wie eh und je. Ihr Engagement ist vielfältig, reicht von der Atlantischen Akademie über das Jugendherbergswerk, den Beirat der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind, die Lebenshilfe und das Ökumenische Gemeinschaftswerk über die Rheinland-Pfälzische Technische Universität (RPTU) Kaiserslautern samt Studierendenwerk bis zur CDU-Seniorenunion. Als Anerkennung für ihren langjährigen Einsatz in der Landespolitik sowie im hochschulpolitischen und im kirchlichen Bereich erhielt sie 2023 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

„Den Vormittag verbringe ich in der Regel am Schreibtisch, um Sitzungen vor- oder nachzubereiten. Nachmittags bin ich dann oft unterwegs“, umreißt Marlies Kohnle-Gros ihren Alltag, der noch stark von ihrer Arbeit für die unterschiedlichen Institutionen bestimmt wird. „Ich bin da reingewachsen, kenne nach all den vielen Jahren sowohl die Strukturen als auch die Personen und weiß, wie man vorgehen muss, um etwas zu erreichen. Das erleichtert vieles.“ Als sie 2021 aus freien Stücken den Landtag verließ und nicht mehr kandidierte, habe man ihr geraten, sich eine Beschäftigung zu suchen, „damit ich nicht in ein Loch falle“. „Aber“, so sagt sie lachend, „dieses Loch hat sich bei mir nicht aufgetan.“

30 Jahre im Mainzer Landtag

Apropos Landtag: 30 Jahre lang – von 1991 bis 2021 – saß Kohnle-Gros für die CDU im Mainzer Parlament, zunächst zehn Jahre lang als Abgeordnete für Kaiserslautern, dann für den Landkreis Kusel, der an ihren Wohnort Katzenbach nahezu angrenzt. „Ich war oft auch über Nacht in Mainz und hatte eine Sieben-Tage-Woche, besonders in der Zeit als stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Das war viel Arbeit“, sagt sie. Von 1997 bis 2016 hatte sie den stellvertretenden Fraktionsvorsitz der CDU inne. „Und ich hatte ja noch Mann und Kind. Da blieb nicht viel Zeit für anderes.“

Dass die Mehrfachbelastung Frauen davon abhält, in die Politik zu gehen, versteht Kohnle-Gros. „Ich habe meine Fraktionskolleginnen stets unterstützt und ihnen den Rücken gestärkt, wenn sie mal wegen eines kranken Kindes nicht kommen konnten.“ Alles unter einen Hut zu bringen, sei nicht einfach. „Ich weiß gar nicht, wie ich das manchmal alles bewältigt habe“, denkt sie an jene Jahre zurück und bedauert, dass der Anteil der Frauen in politischen Ämtern inzwischen wieder sinkt, statt weiter anzusteigen.

Starke Mutter als Vorbild

Sie selbst sei mit einer starken Frau als Vorbild aufgewachsen. Marlies Kohnle-Gros stammt ursprünglich von der Schwäbischen Alb, was ihr Zungenschlag auch nach 40 Jahren in der Westpfalz noch immer verrät. Geboren wurde sie in Dornstadt bei Ulm, der Vater war Maurer, die Mutter betrieb eine Landwirtschaft. „Dass meine Mutter immer gearbeitet und die wichtigen Dinge in der Familie mit entschieden und verantwortet hat, das hat mich absolut geprägt“, blickt sie zurück. Auch das Interesse an Politik wurde schon in ihrer Familie geweckt. „Das Katholischsein liegt mir in den Genen – ebenso wie die schwäbische Sparsamkeit“, merkt sie augenzwinkernd an.

Doch die junge Marlies blieb nicht in ihrer Heimatregion, sondern es zog sie nach dem Abitur in Ulm nach Mannheim, wo sie Rechtswissenschaften studierte. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen und siedelte mit ihm schließlich 1986 in dessen Heimatort Hütschenhausen um. Dort, im Ortsteil Katzenbach, zog das Paar Sohn Philipp – heute 36 – groß. Als ihre inzwischen verstorbenen Eltern alt und pflegebedürftig wurden, habe sie sich auch um sie gekümmert, erzählt Kohnle-Gros: nicht ganz einfach bei einer Entfernung von 300 Kilometern. „Da bin ich halt öfter hingedüst, habe das Haus geputzt oder Papiere geordnet. Was man halt so macht.“

Politik ist immer noch ihr Leben

Dass ein anstrengendes Leben voller Arbeit und Engagement hinter ihr liegt, sieht man Marlies Kohnle-Gros wenige Tage vor ihrem 70. Geburtstag nicht an. „Mein Leben macht mir Spaß“, sagt sie mit blitzenden Augen. Durch ihren Vorsitz im Verwaltungsrat des Studierendenwerks der Uni habe sie viel Kontakt mit jungen Menschen. „Mich interessiert, was sie machen, was sie bewegt.“ Zugleich engagiere sie sich in der Seniorenunion auch für die Belange der älteren Bevölkerung. „Jung und alt: So habe ich beides. Und ich liebe den Kontakt zu Menschen aus allen Generationen.“

Freilich kann sie als CDU-Schatzmeisterin im Kreis Kusel auch von der großen Politik nicht ganz lassen und unterstützt ihre Partei im Landtagswahlkampf. Mehrfach nach Hobbys gefragt, will Marlies Kohnle-Gros partout nicht so recht was einfallen. Ihre Antwort: „Politik war mein Beruf, Politik ist mein Leben und meine Freizeitbeschäftigung. Daran hat sich auch mit 70 Jahren nichts geändert.“

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