Enkenbach-Alsenborn Ein Familienerbstück macht Weihnachten für Beigeordnete Gudrun Heß-Schmidt besonders
Wenn Gudrun Heß-Schmidt, Erste Beigeordnete im Landkreis Kaiserslautern, ihren Weihnachtsbaum schmückt, freut sie sich stets auf das wichtigste Schmuckstück der Tanne. „Bei uns sitzt auf der Spitze ein kleines Vögelchen, das mir der Opa gegeben hat“, sagt Heß-Schmidt. Das Tierchen mit der Klemme sei schon mehr als 100 Jahre alt. „Es ist durch zwei Weltkriege hindurchgekommen, ohne verloren zu gehen.“ Sie ist dankbar für das Stück Tradition, das an sie weitergegeben wurde und das sie an ihre Tochter weitergeben wird. Das werde allerdings erst so weit sein, „wenn ich keinen Baum mehr schmücken kann“, sagt sie.
Johannes Müller, der 1896 geborene Opa mütterlicherseits, ein Alsenborner durch und durch, hat das Vögelchen schon von seiner Mutter übernommen. „Opas Mutter ist früh verstorben, da war er vielleicht sechs oder sieben Jahre alt“, unterstreicht Heß-Schmidt die Bedeutung der kleinen Tannenbaumspitze. Der Großvater ist 100 Jahre und drei Monate alt geworden. Ganz so lange hat er das Vögelchen jedoch nicht mehr selbst auf der Weihnachtsbaumspitze befestigt. Er habe es „nur“ getan, bis er Mitte 90 war. Dann habe er das Federtier weitergereicht. Warum aber nun ausgerechnet an seine Enkelin?
Vögelchen kommt besonders zur Geltung
„Ich habe schon als Kind immer nach dem Vögelchen gefragt“, erinnert sich Heß-Schmidt genau, dass der Opa deshalb den kleinen Familienweihnachtsschmuck bei ihr am besten aufgehoben sah. So ausgiebig wie Johannes Müller lässt sie den Vogel in der Weihnachtszeit allerdings nicht fliegen. „Der Opa war mit dem geschmückten Baum immer früh unterwegs“, blickt Heß-Schmidt zurück. Der Baum sei damals Anfang Dezember ins Wohnzimmer eingezogen, wurde geschmückt und – natürlich – mit dem Vögelchen gekrönt. In der guten Stube habe es damals nur einen Holzofen gegeben, der nicht immer befeuert wurde. Es war also meist etwas kühler und der Baum hatte keinen Grund, sich schnell von seinen Nadeln zu trennen.
„Bei mir steht der Baum nur an den Weihnachtstagen.“ Ein weiterer Unterschied liege in der Größe des Baumes. Zog bei den Großeltern eine große Tanne ins Haus ein, steht bei Gudrun Heß-Schmidt immer nur ein kleiner Weihnachtsbaum. „Als unsere Tochter klein war, haben wir oft das Buch ,Der allerkleinste Tannenbaum“ gelesen“, erzählt sie. Deswegen steht bei ihnen kein großer Baum. Im Buch sei die kleine Tanne so traurig gewesen, dass nur die großen Bäume schön geschmückt werden. „Meine Tochter bestand damals darauf, dass wir so ein trauriges kleines Bäumchen zu uns holen. Dabei ist es bis heute geblieben.“ Die kleine Tanne habe den Vorteil, dass die Spitze besonders gut zur Geltung kommt.
Natürlich sieht man dem Vögelchen an, dass es schon ziemlich alt ist. Die Farbe hat an einigen Stellen bereits gelitten. Trotzdem gibt es keinen Grund, es auszutauschen. Auch wenn das tatsächlich ginge, stellte Heß-Schmidt kürzlich in der Innenstadt fest. In der Fußgängerzone entdeckte sie solche Schmuckvögel mit Klemme. „Das gibt es nicht“, war ihre erste Reaktion. Doch alles Gute komme einmal wieder, offensichtlich auch der Weihnachtsbaumschmuck, der schon vor mehr als 100 Jahren die Menschen zu erfreuen wusste.
Die Serie
Bald ist Weihnachten! Ihr Heim festlich zu schmücken, ist bei vielen Familien in der Adventszeit eine feste Tradition. Mit so manchem Schmuck sind besondere Erinnerungen verbunden. Bekannte Persönlichkeiten aus dem Landkreis Kaiserslautern haben uns verraten, was ihr Lieblingsweihnachtsschmuck ist. In unserem letzten Beitrag hat DIE RHEINPFALZ den liebsten Weihnachtsschmuck von Autorin Heike Abidi aus Sambach vorgestellt.