Bruchmühlbach-Miesau RHEINPFALZ Plus Artikel Die Zukunft des Radfahrens in der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau

Wo gibt es bereits Radwege? Welche sollten ausgebaut werden? Und wo können neue entstehen? Diese Fragen liegen dem Alltagsradweg
Wo gibt es bereits Radwege? Welche sollten ausgebaut werden? Und wo können neue entstehen? Diese Fragen liegen dem Alltagsradwegekonzept für die Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau zugrunde.

Radwege in der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau: Ein neues Konzept soll den Alltag von Radfahrern sicherer und komfortabler machen. Es beinhaltet 21 konkrete Maßnahmen.

Der Verbandsgemeinderat Bruchmühlbach-Miesau hat in seiner jüngsten Sitzung ein sogenanntes Alltagsradwegekonzept beschlossen. Auf Grundlage dieses Konzepts soll in einem weiteren Schritt ein Radwegeplan für die Verbandsgemeinde (VG) erstellt werden. Dieser soll aufzeigen, wo Radwege sinnvoll oder notwendig sind. Dabei wird berücksichtigt, ob Strecken bereits intensiv von Radfahrenden genutzt werden oder ein größeres Nutzungsinteresse bestehen würde, falls eine verkehrssichere Radwegeinfrastruktur vorhanden wäre.

Gleichzeitig ist das Konzept die Grundvoraussetzung für die Beantragung von Zuschüssen für die sogenannten Straßenbaulastträger – Landesbetrieb Mobilität (LBM), Kreis und Kommunen – für den Neubau oder die Ertüchtigung von Radwegen. So hat der Bund speziell zur Förderung der Radwegeinfrastruktur das Programm „Stadt und Land“ aufgelegt. Daraus erhofft sich die VG Bruchmühlbach-Miesau finanzielle Unterstützung für den Neubau einer Brücke über den Glan sowie für die Sanierung einer Brücke über die Bahnstrecke Mannheim-Saarbrücken.

Bestandsanalyse: Radwege abgefahren

Die Idee des Alltagsradwegekonzepts geht auf eine Initiative der CDU Bruchmühlbach-Miesau zurück. Bereits im Jahr 2024 brachte sie zunächst im Ortsgemeinderat einen entsprechenden Antrag ein, der später auf die gesamte VG übertragen wurde.

Das Konzept wurde in der jüngsten Ratssitzung von Andrea Rau vorgestellt. Die Diplom-Ingenieurin der AR Mobilitätsplanung aus Enkenbach-Alsenborn ist mit ihrem Büro auf Mobilitätskonzepte sowie die Planung von Radwegen und Radwegenetzen spezialisiert. Neben einer Bestandsanalyse, bei der sie große Teile des vorhandenen Radwegenetzes der Verbandsgemeinde selbst abfuhr, flossen eine umfangreiche Bedarfserhebung sowie die Ergebnisse einer Online-Bürgerbefragung aus dem vergangenen Jahr in das Konzept ein. Insbesondere die Erfahrungen aus den „Stadtradeln“-Kampagnen der vergangenen Jahre in der Region wurden berücksichtigt.

„Sehr viel Verbesserungsbedarf“

Die geplanten Maßnahmen basieren unter anderem auf den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA), die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) herausgegeben wurden. Diese Empfehlungen gelten in Deutschland als anerkannter Standard für den Bau sicherer Radwege. Zur Beurteilung der Notwendigkeit eines Radwegs wird beispielsweise der durchschnittliche Tagesverkehr (DTV) herangezogen: Übersteigt der Wert 2500 Fahrzeuge binnen 24 Stunden, ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass ein Radweg parallel zur Straße erforderlich ist. Allerdings, so schränkte Rau ein, impliziere der DTV nicht, dass bei entsprechenden Werten auch tatsächlich ein Radweg gebaut werde.

Die Brücke über die Bahnlinie in Verlängerung der Fabrikstraße in Bruchmühlbach ist in einem schlechten baulichen Zustand.
Die Brücke über die Bahnlinie in Verlängerung der Fabrikstraße in Bruchmühlbach ist in einem schlechten baulichen Zustand.

Zusammenfassend stellte Rau fest: „Sie haben bereits ein durchaus gut funktionierendes Radwegenetz in der VG, es gibt aber noch sehr viel Ausbau- und Verbesserungsbedarf.“ Besonders wies sie auf eine bessere Radwegverbindung zwischen den Ortsteilen Bruchmühlbach und Miesau sowie entlang der Kaiserstraße hin. Zwar gibt es unmittelbar neben der L258 einen Radweg, dieser sei jedoch nicht mehr als ein theoretisch für Radfahrer reservierter Verkehrsstreifen, der die Anforderungen an einen halbwegs sicheren Radweg nicht erfülle.

Wo noch weitere Wege möglich wären

Zudem bestehe Handlungsbedarf bei der Einrichtung alternativer Routen zwischen den beiden Ortsteilen. Dies ist auch vor dem Hintergrund relevant, dass die Bahnbrücke in der Verlängerung der Fabrikstraße bis 2028 abgerissen werden muss. Bürgermeister Christian Hirsch berichtete diesbezüglich, dass ein erster Antrag auf Brückensanierung vom LBM abgelehnt wurde. Nun werde versucht, über die „politische Schiene“ in Mainz eine gute Lösung für den Radverkehr in der VG zu erzielen.

Das Konzept umfasst auch die sogenannten Höhengemeinden, auch wenn das Radfahren dort aufgrund der topografischen Bedingungen weniger verbreitet ist als in der Westricher Moorniederung. Zudem falle auf den meisten Landstraßen der DTV so gering aus, dass eine Förderung gemäß den ERA-Vorgaben nicht greifbar wäre. Nur die L465 im Bereich Martinshöhe weise ausreichende Verkehrsfrequenzen auf. Außerdem sollten potenzielle Radwegeverbindungen von Bruchmühlbach zur Schernau sowie Richtung Lambsborn und weiter nach Martinshöhe geprüft werden.

Stichwort: Westricher Moorniederung

Die Westricher Moorniederung zeichnet sich durch große flache Ebenen und historische Moorflächen aus, die heute größtenteils landwirtschaftlich genutzt werden. Die topografische Beschaffenheit macht die Region besonders geeignet für den Alltagsradverkehr, da die Strecken meist eben verlaufen und somit sowohl für Gelegenheits- als auch für Alltagsradfahrer gut nutzbar sind.

Andrea Rau schlägt in ihrem Konzept 21 konkrete Maßnahmen vor, die in einem ersten Schritt umgesetzt werden könnten, um das Radwegenetz für den Alltag zu verbessern. Viele dieser Maßnahmen fallen allerdings unter die Zuständigkeit des Landes, weshalb eine intensive Abstimmung notwendig sei.

Detaillierte Vorstellungen in den Orten

Des Weiteren regte Rau an, die kommunalen Wegesatzungen in den Ortsgemeinden dahingehend zu überarbeiten, ob das Radfahren auf landwirtschaftlichen und Wirtschaftswegen generell gestattet sei – was vielfach nicht der Fall sei.

Nach der Verabschiedung im Verbandsgemeinderat wird das Konzept in den kommenden Wochen in den fünf Ortsgemeinderäten detailliert vorgestellt. Dabei sollen die spezifischen Herausforderungen und Maßnahmenstellungen für jede Ortschaft besprochen werden.

fahrrad-header-729px.64142dece4b6b

Kennen Sie schon unseren Fahrrad-Newsletter?

Was sind die gefährlichsten Stellen für Radler und E-Bikes? Und welche Pläne gibt es für Pendler-Routen? Im Newsletter schreiben Vanessa Betz, Rebecca Singer und Victoria Werz darüber, wie es ist, mit dem Fahrrad in der Region unterwegs zu sein: zur Arbeit, in der Freizeit oder als tägliches Fortbewegungsmittel. Jeden zweiten Freitag erscheint der E-Mail-Newsletter mit den spannendsten Fahrrad-Themen aus der Pfalz.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x