VG Otterberg-Otterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wohnbaugesellschaft kommt: Was das konkret bedeutet

In der VG Otterbach-Otterberg könnte bald neuer Wohnraum entstehen.
In der VG Otterbach-Otterberg könnte bald neuer Wohnraum entstehen.

Wohnraum schaffen – besonders für bestimmte Gruppen: darum geht es beim Projekt Wohnbaugesellschaft. Was der aktuelle Stand ist und wo die ersten Wohnungen entstehen könnten.

Die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg hat ein Wohnraumproblem. Häuser gibt es viele. Die sind aber in der Regel nicht barrierefrei, haben einen großen Garten und viel Fläche. Kein Problem für junge Familien. Besagte Häuser werden oft aber von älteren Mitbürgerinnen und -bürgern bewohnt, wie Auswertungen zeigen. Für die wäre eine kleinere Wohnung im Ortskern bequemer, genau die gibt es in den Orten der Verbandsgemeinde aber so gut wie gar nicht. Die, die es gibt, sind oft zu groß und zu teuer und damit nicht wirklich eine Alternative für die angestrebte Verkleinerung. Das gleiche Problem stellt sich auch Singles und jungen Menschen: Entweder das große Haus, mit großem Grundstück und natürlich auch zu einem gewissen Preis oder das Landleben kommt doch nicht in Frage und man muss sich in der Stadt nach einer passenden Wohnung umschauen.

Thema Wohnbau an die VG abgeben

Investoren zu finden, die neue, passende Wohnungen bauen, sei ebenfalls schwierig, erklärt Bürgermeister Harald Westrich. Die zu erwartenden Gewinne seien für diese in den Dörfern meist zu gering. Also will die Verbandsgemeinde das Problem selbst in die Hand nehmen und eigene Wohnungen bauen. Gemeinsam mit der Kaiserslauterer Firma WVE als Partner. Ein zunächst einfach erscheinender Gedanke, der aber bei genauerem Betrachten doch etwas komplizierter ist. Rechtlich gesehen ist Wohnungsbau nämlich Sache der Kommunen, die VG darf sich da erstmal nicht einmischen. Für die einzelnen Ortsgemeinden ist das immer größer werdende strukturelle Problem aber so gut wie nicht alleine in den Griff zu bekommen – weder finanziell noch organisatorisch.

Bisher eher unbekanntes Konstrukt

Hier kommt die Wohnbaugesellschaft ins Spiel. Die Idee dazu kam schon vor Jahren auf. 2024 begann dann die Umsetzung. Auf einer der letzten Ratssitzungen wurde jetzt der Beschluss gefasst, dass die Gesellschaft in Form einer GmbH gegründet werden soll. In den Ortsgemeinden werde jetzt diskutiert, ob man das Thema Wohnbau vertraglich an die Verbandsgemeinde abgibt. Etwa die Hälfte der Gemeinden hat bisher schon zugestimmt, sagt Westrich. Er selbst habe angeboten, das Projekt in den einzelnen Räten noch mal vorzustellen und Fragen zu beantworten, immerhin handelt es sich um ein bisher unbekanntes Konstrukt, das es in dieser Form bisher nur selten gibt.

„Es sind Ängste da, die man auch erst nehmen muss“, so Westrich. Es gehe nicht darum, der Gemeinde etwas wegzunehmen, sondern darum, das Problem gebündelt anzugehen. Ursprünglich sei das Problem sogar von Seiten der Gemeinden an ihn herangetragen worden. Seit den letzten Kommunalwahlen sitzen jetzt aber wieder andere Menschen und Parteien in den Ortsräten, die erst mit ins Boot geholt werden müssen. Sollten sich Gemeinden gegen die Zusammenarbeit entscheiden, würde die Wohnbaugesellschaft dort auch nicht investieren, erklärt der Bürgermeister.

Niederkirchen und Mehlbach im Gespräch

Eine harte Deadline für die Zustimmung gebe es nicht, der Bürgermeister würde diesen Punkt aber gerne noch in der ersten Jahreshälfte abhaken. In der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderates könne dann die Satzung der neuen Wohnbaugesellschaft beschlossen werden. Parallel laufe der Vorgang bei der rheinland-pfälzischen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), die der Satzung ebenfalls zustimmen müsse. Läuft alles nach Plan, könnten bereits im zweiten Halbjahr erste Projekte geplant werden.

Eine Idee sei es zum Beispiel, in Niederkirchen zu beginnen. Dort sei aktuell ein kombiniertes Ärzte- und Wohnhaus geplant. Findet sich dafür kein privater Investor, kann Westrich sich vorstellen, dass die Wohnbaugesellschaft hier aktiv wird. „Natürlich wollen wir auch wirtschaftlich agieren“, sagt Westrich. Gebaut werde mit Krediten. Allerdings gebe sich die Wohnbaugesellschaft mit kleineren Gewinnen zufrieden als private Investoren. Auch in Mehlbach sei Interesse an Wohnungen bekundet worden. In Niederkirchen habe er den Vorschlag einer Tiny-House-Siedlung vorgebracht, nennt Westrich weitere Gemeinden, die für den Anfang in Frage kämen.

Fertige Wohnungen aller frühestens 2028

Bis wirklich die ersten Wohnungen stehen, dauert es allerdings noch ein bisschen. Mit der Planung, Ausschreibung, Genehmigungen und der eigentlichen Bauzeit könnte aller frühestens in zwei Jahren mit ersten sichtbaren Ergebnissen gerechnet werden – und das auch nur, wenn jetzt alles klappt. Aber auch für die Zeit danach gibt es schon Pläne. Die ersten kleineren Projekte sollen sich im Idealfall vervielfältigen. Die ersten Gewinne der Bauprojekte sollen dann reinvestiert werden und im Bestfall kann sich die Wohnbaugesellschaft irgendwann auch an die Sanierung von Bestandshäusern machen – und so auch gegen den Leerstand vorgehen.

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