Kreis Kaiserslautern
Die Westpfalz ist kaum noch Heimat von Hasen
In letzter Zeit mal den „Osterhasen“ aus Fleisch und mit echtem Fell gesehen? Ist schwer! Der Feldhase ist schließlich ein Meister der Tarnung, zudem flitzen nur noch wenige der Langohren durch den Landkreis. Da hat es Kollege Osterhase aus Plüsch oder Teig besser. Sein Lebensraum, eng bei den Menschen in Küche und Garten, ist derzeit gerichtet.
In Deutschland kommen laut der Deutschen Wildtierstiftung auf jeden Einwohner 27 Feldhasen, pro 100 Hektar Fläche leben zwölf von ihnen. Für Rheinland-Pfalz hat der Landesjagdverband 15 pro 100 Hektar ermittelt. In der Westpfalz sind es allerdings weniger. Meister Lampe zieht die Vorderpfalz und Rheinhessen vor. Und weil Statistik ohne einen Vergleich nicht wirklich wirkt: Vor 50 Jahren waren zehnmal so viele Hasen in Feld und Flur unterwegs.
Das liegt nun nicht daran, dass die Jäger in der Vergangenheit für zu viele Hasenbraten gesorgt hätten. Hauptursache für den Rückgang ist eine intensive Landwirtschaft mit einer Landschaft, die dem Hasen zwar große und im Frühjahr einheitlich offene Felder bietet, aber wenig Schutz und kaum noch nahrhafte Wildkräuter. „Aus Sicht der Hasen, aber auch vieler anderer Arten wie dem Rebhuhn, hat sich der ursprüngliche Lebensraum zu einer Ökowüste gewandelt“, drückt es Hubertus Gramowski, Jagdmeister in Stadt und Kreis Kaiserslautern, drastisch aus. Der Mensch lässt vielen Arten, ob nun Pflanze oder Tier, einfach keinen Platz mehr.
„Der Landwirt ist dabei nicht schuld“, findet der Kreisjagdmeister. Die Bauern hätten sich lediglich an die Anforderungen der Zeit und vor allem an die mangelnde Bereitschaft der Konsumenten, für Nahrung mehr Geld auszugeben, angepasst, sind für Gramowski alle Menschen für die schwere Not vieler Tier- und Pflanzenarten verantwortlich.
Beim jüngsten Niederwildsymposium des Jagdverbandes am 11. April in Mainz ging es genau um diese Problematik. „Nur wenn die Naturschützer, Jäger und die Landwirte Hand in Hand zusammenarbeiten, kann es gelingen, der Biodiversität in Feld und Flur eine Zukunft zu geben“, zeigt sich Gramowski nach dem Symposium zufrieden. Die Bereitschaft, miteinander etwas zu tun, sei durchaus gegeben.
In Mainz wurden vom Landesjagdverband unter anderem mehrjährige Brachen mit heimischen Wildkräutern und Gräsern, Blühstreifen in großen Mais- oder Rapsfeldern sowie Wildpflanzenanbau statt Mais zur Biogasproduktion gefordert, ebenso wie eine deutlich bessere Unterstützung für die Landwirte.
„Wenn auf einem abgeernteten Feld Rebhuhn und Hase wehrlos zurückbleiben, finden sie kein Futter und schon gar keinen Schutz“, plädiert Gramowski auch dafür, etwas gegen die inzwischen überhandgenommenen Fressfeinde zu tun. Dafür zu sorgen, dass Huhn und Hase „schöner wohnen“, das reiche nicht aus. „Prädatorenmanagement“ lautete beim Symposium des Jagdverbandes das Schlagwort, mit dem vor allem Füchse und Marder auch über die Fallenjagd zurückgedrängt werden sollen. „Im Sinne des Artenschutzes brauchen wir ein klares politisches Bekenntnis zur Fallenjagd“, sagt Gramowski.
Ein weiterer Grund für das weitestgehende Fehlen von Feldhase, Rebhuhn und Co. auf den Feldern ist die Zerschneidung der Landschaft mit Straßen und das heranrollende schnelle Blech. 26 tote „Straßenhasen“ wurden laut Gramowski 2018 im Landkreis gemeldet. Wie viele es wirklich waren weiß niemand. Aber die überfahrenen sind immerhin ein Indiz – wenn auch ein ziemlich trauriges –, dass es den lebenden „Osterhasen“ im Landkreis noch gibt.
Zur Sache:
Finger weg vom FeldhasenbabyEine Häsin kann drei- bis viermal im Jahr Nachwuchs bekommen. Jedes Mal kommen zwei bis fünf Junge zur Welt, die schon nach etwa zehn Tagen völlig selbstständig sind. Als sogenannte Nestflüchter kommt der Hasennachwuchs sehend und mit Fell zur Welt – im Gegensatz zu Kaninchenkindern.
Die Häsin legt die Jungen in flachen, meist gut verdeckten Mulden ab, die Sassen genannt werden, und kommt selbst nur zweimal am Tag zum Säugen vorbei. Durch das regungslose Verharren und den noch nicht vorhandenen Eigengeruch sind die Jungen relativ gut gegen Feinde geschützt. Es sei denn, Spaziergänger und ihre Hunde gehen querfeldein und stolpern mehr oder weniger zufällig über so ein Jungtier.
„Es kommt leider immer wieder vor, dass Feldhasenbabys eingesammelt werden, ohne dass eine Verletzung vorliegt“, appelliert Karsten Tide von der Wildtierhilfe Kaiserslautern eindringlich an alle, die Finger unbedingt von den kleinen Hasen zu lassen. Die Wildtierhilfe sieht sich in jedem Jahr mit solchen „Problemfällen“ konfrontiert. „Ihre Überlebenschancen sind um ein Vielfaches höher, wenn man sie einfach bei der Mutter lässt, auch wenn man die gerade nicht sieht“, sagt Tide.
Auch in diesem Jahr musste die Wildtierhilfe schon einige dieser „Waisen“ aufpäppeln. „Handaufzucht ist nicht leicht und sollte von Laien nicht versucht werden“, bittet Tide, im wirklichen Notfall ein Hasenbaby dem Fachmann anzuvertrauen. In der Wildtierhilfe werden die Jungen nach der Aufzucht erst in größere Gehege entlassen, damit sie wieder zur natürlichen Scheu vor dem Menschen finden, danach geht es raus in eine Feldrandlage oder Grünwiese. thea