Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die natürliche Deckung fehlt: Nabu kürt Rebhuhn zum Vogel des Jahres 2026

Rund um Kaiserslautern quasi verschwunden: das Rebhuhn.
Rund um Kaiserslautern quasi verschwunden: das Rebhuhn.

Das Rebhuhn liebt das Sandbaden und den Familienverbund. Den Landkreis Kaiserslautern liebt es nicht. Es ist uns abhanden gekommen.

Das Rebhuhn, schlicht Feldhinkel oder wissenschaftlich Perdix, war früher ein häufiger Brutvogel – auch bei uns. Mittlerweile wird die Art als stark gefährdet in der Roten Liste geführt. In Stadt und Landkreis Kaiserslautern scheint es gar ganz verklungen, dieses raue markante Rufen der Rebhuhn-Männer. Nicht viel besser sieht es in der gesamten Nord- und Westpfalz aus. Laut Landesforsten gibt es in Rheinland-Pfalz größere Vorkommen lediglich noch in den Gebieten Rhein-Pfalz-Kreis, Alzey-Worms und Mayen-Koblenz.

Noch in den 1980ern konnte das Rebhuhn, dieser nicht ganz so glamouröse Verwandte des schillernden Fasans, auf dem Kaiserberg in Kaiserslautern genauso gesichtet werden wie im Raum Rodenbach und in anderen offenen Kulturlandschaften des Kreises. Von einem Rebhuhn, das er zuletzt 2010 bei Miesau vor die Kamera bekam, berichtet der bekannte Naturfotograf Alexander Weis. „In diesem Gebiet habe ich tatsächlich niemals wieder ein Rebhuhn gesehen“, stellt er mit Bedauern fest und verweist auf eine Rebhuhnbeobachtung mit zwei Tieren im Jahr 2016 am Elschbacher Hof. „Seitdem auch nichts mehr“, sagt Weis. All das passt zu der Feststellung des Naturschutzbundes, dass der Bestand der Rebhühner in Deutschland seit 1980 um alarmierende 87 Prozent zurückgegangen ist.

Ursprünglich Charakterart des Offenlandes

Ursprünglich lebte das Rebhuhn in den Steppen Europas und Asiens. Es entwickelte sich nach und nach zu einem Kulturfolger, fand Lebensräume in Äckern und Wiesen. Bis vor einigen Jahren galt das Rebhuhn sogar als eine Charakterart des Offenlandes, das strukturreiche Feldflure mit niedrigen Hecken und Gräben liebt und selbst die Nächte niedergeduckt auf dem Acker verbringt. Wegen der fehlenden Sträucher und anderen Rückzugsmöglichkeiten, die mit der Intensivierung der Landwirtschaft einhergehen, ist das Rebhuhn stark unter Druck geraten – wie viele weitere Kulturfolger. Hinzu kommt der extreme Rückgang der Insektenpopulation.

Insekten gehören zur Nahrung der Rebhühner, ebenso wie Unkrautsamen, Knospen, Getreide und junge Triebe. Rebhuhnküken sind auf tierisches Eiweiß angewiesen – gerade durch das Insektensterben steht dieses nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Auch der Einsatz von Pestiziden hat Einfluss auf den Rückgang der Art – genau wie die Beutegreifer: Ohne ausreichende Deckung ist das Rebhuhn dem Zugriff von Raben, Greifen, Mardern und Füchsen ausgeliefert.

Schon 1991 Vogel des Jahres

Dabei ist das zu den Hühnervögeln zählende, gedrungene, gut taubengroße Rebhuhn durch sein überwiegend braungraues Gefieder eigentlich gut getarnt. Es schreitet, kann rennen und im niedrigen Flug über dem Boden dahingleiten. Lauert Gefahr, drückt es sich flach an den Boden. Wenn alles in Ordnung ist, liebt das im Familienverbund lebende Rebhuhn ein ordentliches Baden im Sand, wobei es dabei gerne immer die gleiche „Sandbadewanne“ nutzt.

Wegen des starken Rückgangs kürte der Naturschutzbund das Rebhuhn bereits 1991 zum Vogel des Jahres. 2026 trägt es nun erneut die Jahreskrone, rückt als einer der Vögel in den Fokus, die auf Deutschlands Feldern fast ganz verschwunden sind. Das Rebhuhn hat Amsel, Waldohreule, Schleiereule und Zwergtaucher auf die nachfolgenden Plätze verwiesen. Der Naturschutzbund verbindet mit der Wahl zum Vogel des Jahres mehrere Forderungen – etwa nach mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft, mehr ungenutzten, großen Flächen für eine erfolgreiche Brut oder mehrjährigen Brachen sowie extensiverer Bewirtschaftung. All das helfe dem Rebhuhn, wieder Fuß zu fassen.

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