Kreis Kaiserslautern
Die Kartoffelernte fällt ziemlich mager aus
Die Kartoffeln in der Westpfalz sind weitgehend raus aus dem Acker. Damit geht eine Saison zu Ende, die es gewaltig in sich hatte. Um es mit den Worten von Karl Gortner, Kartoffelbauer aus Lambsborn, zu sagen: „Es war nix wie sonst!“ Aber immerhin: Kartoffeln liegen im Lager, regionale „Grumbeere“ stehen dem Verbraucher über Winter zur Verfügung. „Es ist noch Platz im Lager“, betont Gortner allerdings. Er berichtet, dass die diesjährige Ernte nur halb so viel Ertrag gebracht hat wie in „normalen“ Jahren. Bei den frühen Sorten konnte auf einigen Schlägen in der Westpfalz gar nur ein Drittel dessen geerntet werden, was möglich ist.
Der Natur ausgeliefert
„Es hätte noch schlimmer kommen können“, sagt Jürgen Vogelgesang, Landwirt aus Martinshöhe, Vorsitzender im Kreisbauernverband und Vizepräsident im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Die Westpfälzer Kartoffel ist im Gegensatz zur Vorderpfälzer auf Gedeih und Verderb der Natur ausgeliefert. Beregnung ist in der Westpfalz nicht möglich. Somit steht und fällt die Ernte mit der Verfügbarkeit des Wassers. Die Wetterkapriolen in diesem Jahr waren da nicht hilfreich.
Wasser war im zeitigen Frühjahr da, sogar so reichlich, dass die Bauern – insbesondere auf der Sickinger Höhe – die frühen Kartoffelsorten gar nicht in die Erde legen konnten. Mit teils vierwöchigem Zeitverzug kamen die Knollen raus auf den Acker. Die Probleme folgten umgehend. Zuerst war es noch kalt, dann fiel wochenlang kein bisschen Regen. Die ersten Sorten sahen vom Pflanzen bis zur Ernte keinen Tropfen von oben. Später gelegte Sorten, sofern sie sich selbst noch nicht aufgegeben hatten und bereits komplett abgestorben waren, berappelten sich dank der Niederschläge Ende Juli und fingen tatsächlich an, kräftig zu wachsen – mit seltsamen Formen. Auf den Kartoffelfeldern, die lange wie tot dalagen, wuchs etwas heran. Allerdings nichts Gewohntes. „Wir haben tolle Konstruktionen und sehr viele kleine Feine geerntet“, gibt Gortner ein Bild vom Aussehen seiner Kartoffeln wieder.
Ein Wettrennen mit der Zeit
Nicht nur Trockenheit machte den Knollen zu schaffen. Die Kartoffeln hatten auf dem Feld mit allem zu kämpfen, was es so gibt. „Bakterien, Viren, Pilze und allerlei Viehzeug“, zählt Gortner die Probleme auf und betont, dass er das in all den Jahrzehnten als Kartoffelbauer noch nicht erlebt hat. Im Gegensatz zu Bio-Kartoffelanbauern war es den Gortners zumindest möglich – wenn auch ungern, wie Gortner betont –, mit Pflanzenschutzmittel die sich rasant ausbreitende Krautfäule wenigstens einzudämmen. Ein Wettrennen mit der Zeit, das sich nicht überall lohnte. Auf einigen Schlägen aber schon: Kartoffeln wuchsen heran. Im Gegensatz zur Menge müssen beim Geschmack keine Abstriche gemacht werden. Die Kartoffeln munden wie immer.
Die Bauern gaben sich zudem bei der Ernte die größte Mühe, all jene auszusortieren, die der Verbraucher nicht wirklich im Kartoffelsack kaufen will. „Das ist viel Arbeit und kostet Zeit“, sagt Gortner, der gemeinsam mit der Familie die Kartoffeln beim Abladen vom Wagen ins Lager scharf kontrolliert. Da ist einiges gar nicht erst reingekommen in die Kartoffelhalle.
Kartoffeltage in Lambsborn
Was den Weg in diese gefunden hat und wie es schmeckt, davon können sich Interessierte ab Mittwoch, 18. Oktober, bei den bis zum Samstag andauernden Kartoffeltagen überzeugen. Die Winterkartoffelsorten können an allen Tagen verkostet werden. Die Landwirtsfamilie informiert über das Kartoffeljahr. Wer mag, kann sich selbst ein Bild von der Arbeit des Kartoffelsortierens machen und das Kartoffellager und die Packmaschine bestaunen. Am Freitag gibt es unter anderem Kartoffelsuppe, selbstgemaches Sauerkraut und Leberknödel vom Wild. Am Samstag gibt es Pommes mit Wildbratwurst, wobei die Pommes auch ohne Wurst zu haben sind. Selbstgebackene Kartoffelkuchen fehlen natürlich nicht im Angebot. Der Hofladen ist ebenfalls geöffnet. An allen Tagen ruft die Kartoffel von 10 bis 18 Uhr nach Lambsborn in die Talstraße.