Kreis Kaiserslautern „Der Trend geht weiter zu weniger, aber größeren Betrieben“

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KAISERSLAUTERN. In Stadt und Landkreis Kaiserslautern bewirtschaften keine 350 Bauern die verbliebene knapp 20.000 Hektar große landwirtschaftliche Fläche. Vor 30 Jahren gab es noch rund 1000 Bauern und die zu bewirtschaftende Fläche war doppelt so groß. Lothar Ohliger ist seit fast 30 Jahren Geschäftsführer beim Bauern- und Winzerverband. Wir haben ihn zu den Veränderungen auf dem Land und in seinem Büro befragt.

Es sind im Kreis nicht mehr viele Landwirte übrig. Ist mal langsam Schluss mit dem Höfesterben?

Die agrarpolitischen Rahmenbedingungen haben den Strukturwandel nicht eingedämmt. Jedes Jahr hören weiter etwa vier Prozent der Betriebe in der Westpfalz, in Rheinland-Pfalz und in Deutschland auf. Woran liegt das denn? Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die sehr volatilen (schwankenden) Märkte mit einem teilweise sehr hohen Marktdruck, wie wir ihn derzeit erleben, sind sicherlich eine Ursache. Der Lebensmitteleinzelhandel hat gegenüber den Erzeugern eine Marktmacht, die den Verbrauchern günstige Preise ermöglicht, für die Bauern aber existenzbedrohend ist. Auf der anderen Seite werden die Anforderungen an die Standards für die Betriebe immer höher geschraubt. Dies führt gerade bei kleineren Betrieben zur Aufgabe, da ihnen die finanziellen Möglichkeiten zur Umsetzung fehlen. Dass die EU in solch schwierigen Zeiten gleichzeitig mit anderen Staaten Freihandelsgespräche führt, die mit geringeren Standards produzieren, ist kaum zu vermitteln. Heißt das, in der Westpfalz gibt es bald keinen Bauern mehr? So schlimm will ich das Bild nicht zeichnen. Aber: ja, der Trend geht weiter zu weniger, aber größeren Betrieben. Wird es dort nur noch den Schlepper oder auch noch Kühe geben? Wir haben in der Westpfalz eine ganze Reihe gut aufgestellter Milchviehbetriebe mit hervorragend ausgebildeten Betriebsleitern, die grundsätzlich keinen internationalen Vergleich zu scheuen brauchen. Auch die Mutterkuhhaltung hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Wichtig ist, dass nicht einseitige nationale Auflagen die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe verschlechtern. Und was ist mit den Schweinen? Schweinehalter gibt es nur noch sehr wenige in der Westpfalz. Hier eine Zukunftsprognose zu wagen, ist schwierig. Insgesamt wird aber auch hier der Anteil eher weiter zurückgehen. Es ist kaum davon auszugehen, dass neue Betriebe in die Schweinehaltung einsteigen. Weniger Vieh bedeutet wohl auch, dass die für unsere Region so typischen Wiesen größtenteils überflüssig werden. Verbuscht die Westpfalz auf absehbare Zeit? Grünland wird auch weiter bewirtschaftet werden. Es stellt sich aber in der Tat die Frage des Umfangs und der Art und Weise. Ordnungsrechtliche Vorgaben wie totale Umbruchverbote werden wenig helfen können, da auch eine Pflege und Unterhaltung der Flächen notwendig ist. Wichtige Ökosystemleistungen des Grünlands sind an eine Bewirtschaftung und Produktion gebunden. Zum Schutz des Grünlands gilt es, Leistungen von Landwirten zur ökologischen Verbesserung und zur Erhaltung wertvoller Grünlandflächen zu honorieren. Dazu sollten insbesondere der Vertragsnaturschutz, aber auch Agrarumweltprogramme gezielt zum Einsatz kommen. Allerdings bitte unter Vereinfachung der europäischen Vorgaben. Knapp 30 Jahre sind mit Blick auf den Wandel in der Landwirtschaft eine lange Zeit. Was hat sich für Sie, für den Bauernverband geändert? Neben der agrarpolitischen Vertretung der Bauern in Brüssel, Berlin und Mainz hat der Bauernverband in der Mitgliederberatung nach wie vor seine Kernkompetenz in den Bereichen Steuern, Sozialversicherung, Hofab- und -übergabe und bei den rechtlichen Fragen. Durch die geänderten agrar- und umweltpolitischen Rahmenbedingungen ist allerdings seit den 1980ern viel dazu gekommen. Konkret? Da wären die erneuerbaren Energien wie Biogas, Fotovoltaik, Hackschnitzel, die Windenergie. Damit einhergehend eine vielfältige Vertragsgestaltung sowie raumordnungsrelevante Gesichtspunkte. Auch die Bedeutung des Umweltschutzes – Agrarumweltprogramme, Vertragsnaturschutz, Natura-2000-Gebiete, Europäische Wasserrahmenrichtlinie und und und. Letztlich sind heute die komplexen und teilweise sehr komplizierten Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) seit 2005 wesentlicher Teil der Beratungstätigkeit der Bezirksgeschäftsstelle. (thea)

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