Meinung
Der große böse Wald: Wovor wir in Sachen Natur wirklich Angst haben sollten
Der Wandermarathon im Donnersbergkreis wurde abgesagt, der in Otterberg steht für die nächsten Jahre auf der Kippe. Schuld ist zum einen die Bürokratie. Denn während Waldbesitzer für sogenannte „waldtypische Gefahren“ nicht haften, gilt das nicht für „atypische Gefahren“. Plump gesagt bedeutet das, wenn Ihnen beim Waldbesuch ein Ast auf den Kopf fällt, haftet der Waldbesitzer in der Regel nicht; passiert das Gleiche bei einer Bank, dann unter Umständen schon.
Den Wald zu betreten, geschieht nämlich auf eigene Gefahr, da ist mit fallenden Ästen zu rechnen. Eine aufgestellte Bank aber zum Beispiel ist nicht waldtypisch, sie kommt ja nicht aus der Natur und lädt dann auch noch dazu ein, länger an einem Ort zu verweilen. Das Risiko vom Ast getroffen zu werden, wird also geradezu künstlich vergrößert. Die Bäume in der Nähe müssen demnach unbedingt kontrolliert und der gesamte Bereich vor potenziellen Gefahren gesichert werden – zumindest wenn es nach dem Gesetz geht.
Warum ist der Wald nicht sicher?
Auch eine organisierte Veranstaltung wie der Hinkelstein-Wandermarathon lockt die Massen jetzt gezielt in den Wald. Nur logisch, dass also auch hier besondere Pflichten bestehen, die die Sicherheit betreffen. Und dann müssen eben mal hundert Bäume gefällt werden, Sicherheit geht eben vor. Gute Nachrichten für die teilnehmenden Wanderer und Trail-Runner – zumindest für diesen einen Tag sind sie auf dem öffentlichen Prädikatswanderweg besonders sicher vor dem großen bösen Wald geschützt.
So absurd diese Regel erscheinen mag, das eigentliche Problem steckt im Wald selbst. Dass potenziell gefährliche Bäume extra für solche Veranstaltungen entfernt werden müssen – im normalen Waldbetrieb aber stehenbleiben könnten – mag auf Unverständnis stoßen und für die Verantwortlichen lästig und teuer sein. Aber warum ist der Aufwand so groß, warum kosten diese Vorbereitungen mittlerweile so viel, dass es für die Veranstalter nicht mehr zu stemmen ist?
Was ist die Pfalz ohne ihren Wald?
Es ist das Schreckgespenst Klimawandel, ob wir es hören wollen oder nicht. Und nicht in Form von CO2-Berechnungen und rot gefärbten Klimakarten. Nein, es ist deutlich sichtbar, auch vor unserer Haustür. Denn jeder, der dieser Tage durch den Wald läuft, kann ihn sehen. Auch in einem gesunden Wald gibt es Totholz und umgestürzte Bäume, aber den Bäumen kann man den Stress mittlerweile richtig ansehen und wirklich gesund sind unsere Wälder eben nicht mehr. Das zeigt auch der Blick in den Waldzustandsbericht.
Politisch stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass gerade die konservativen Parteien, die sich den „Heimatschutz“ so auf die Fahne schreiben, den Klimaschutz hinten anstellen – wenn er überhaupt Thema ist. Denn der Wald gehört für die meisten Pfälzer sicherlich genauso zu ihrer Heimat wie Wein-Schorle und Elwetritsche. Wobei Letztere mit dem Niedergang ihres waldigen Lebensraums sicherlich auch kurz vor dem Aussterben stehen. Und auch der Weinbau kämpft mit den Klimaveränderungen. Vielleicht braucht die Pfalz also bald neue Attribute, zumindest wenn wir es versäumen, uns um die zu kümmern, die wir zurzeit haben.

