Sembach
Brand in Entsorgungsfirma: 300 Tonnen Müll stehen in Flammen
„Der Alarm ging bei uns am Freitag um 18 Uhr ein“, berichtet der Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Enkenbach-Alsenborn, Torsten Erlenbach, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Betroffen war ein Sembacher Tochterunternehmen der Jakob Becker Entsorgungs-GmbH, die ihren Hauptsitz in Mehlingen hat. Schon bei der Anfahrt zum Gewerbegebiet Sembach sei dicker schwarzer Rauch am Horizont zu sehen gewesen, sagt Erlenbach. Vor Ort in der Williams Road, wo die betroffene Firma ansässig ist, hätten sich die Einsatzkräfte mit einem offenen Feuer im Außenbereich konfrontiert gesehen. „Mitarbeiter des Unternehmens, die noch in der Firma waren, hatten bereits damit begonnen, das Feuer zu löschen, aber sie hatten natürlich keine Chance.“
Denn die Dimension war gewaltig:
„Drei große Behältnisse mit Restmüll brannten“, berichtet der Wehrleiter. Er schätzt die Müllmenge auf rund 300 Tonnen. „Gebrannt hat es auf einer Fläche von etwa 250 bis 300 Quadratmetern.“ Alarmiert wurden alle Feuerwehren der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn. „Dann haben wir noch die Kollegen aus der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg mit ihrer Drehleiter um Unterstützung gebeten.“ Am Ende waren laut Erlenbach rund 100 Einsatzkräfte vor Ort, darunter auch der Gefahrstoffzug, der Gerätewagen-Atemschutz und die Medikoptereinheit des Landkreises mit ihren Drohnen.
„Rauchsäule sogar noch in Eulenbis zu sehen“
Da der Restmüll unter starker Rauchentwicklung brannte und unklar war, was da alles in Flammen aufging, habe man die Bevölkerung in den umliegenden Ortschaften gewarnt, teilt die für Brand- und Katastrophenschutz zuständige Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt auf RHEINPFALZ-Anfrage mit, die ebenfalls an die Brandstelle gefahren war. „Katwarn- und Nina-Meldungen gingen raus, die den Menschen rieten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.“ Eingestuft war der Brand als sogenannte B3-Lage. „Dafür ist noch die Verbandsgemeinde und noch nicht der Landkreis zuständig“, erläutert sie. „Dennoch ist eine „B3-Lage Industriebrand immer ein bisschen kritisch“, merkt sie an. Die Rauchentwicklung sei gewaltig gewesen. „Die Rauchsäule war sogar von Eulenbis aus zu sehen!“
Um sicher zu gehen, dass keine Gefahr durch giftige Dämpfe für die Bevölkerung besteht, wurden laut Heß-Schmidt Messungen durchgeführt. Sogenannte Tenax-Röhrchen mit Proben direkt von der Brandstelle seien zur Untersuchung nach Ludwigshafen geschickt worden, berichtet die Kreisbeigeordnete. „Um 0.30 Uhr kam von dort die Entwarnung.“ Unter anderem wurden auch rund um Sembach, in Neuhemsbach und an der Bundesstraße Richtung Hahnerhof sowie am Seniorenheim Messungen durchgeführt, ergänzt Wehrleiter Erlenbach und betont: „Alles war negativ.“ Die Katwarn- und Nina-Meldungen seien daraufhin in der Nacht aufgehoben worden.
Stundenlange Löscharbeiten
Auch die Feuerwehrkräfte hatten bis in die Nacht zu kämpfen, bis sie die brennenden Müllberge gelöscht hatten. „Wir mussten den Müll immer wieder mit dem Bagger und Radlader umsetzen und löschen. Das hat ewig gedauert“, erläutert Torsten Erlenbach. Erst um 2 Uhr morgens seien die Löscharbeiten beendet gewesen.
Ein Übergreifen des Feuers auf eine Halle mit Bergen von Akten, die dort von einem Tochterunternehmen der Firma Becker professionell vernichtet werden, habe die Feuerwehr verhindern können, so Gudrun Heß-Schmidt.
Zur Ursache des Feuers konnten weder die Kreisbeigeordnete noch der Wehrleiter Näheres sagen. Aus Firmenkreisen war zu hören, dass es bei der Firma Becker immer wieder zu Bränden kommt, weil Akkus nicht sachgerecht entsorgt würden und in Brand gerieten.
Ungewöhnlich ist jedoch, dass es nur wenige Stunden nach dem Vorfall in Sembach im vorderpfälzischen Schifferstadt ebenfalls zu einem Großeinsatz mit 120 Mann in einer Niederlassung der Firma Becker gekommen ist: Am Samstagmorgen um 8.20 Uhr wurden die dortigen Wehren alarmiert, weil im Hof des Recycling-Unternehmens im Industriegebiet Nord, das Papier und Restmüll aus dem Gelben Sack sortiert und verarbeitet, ebenfalls ein Müllhaufen brannte. Hier handelte es sich um Mischmüll, darunter Leichtverpackungen, Papier, Holz und Sperrmüll – insgesamt etwa 4000 Kubikmeter. Auch hier musste das Material erst einmal auseinander gezogen werden, um gelöscht werden zu können. Die Bevölkerung wurde ebenfalls gewarnt. Aber auch hier gab es wohl keine Gefahr.
Ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt, konnte Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt am Sonntag nicht sagen. „Die Brandursache muss erst noch die Polizei untersuchen.“