Meinung
Bestattungskultur im Umbruch: Wie Kommunen Beerdigungen im Ort halten wollen
Die stolze Summe von rund 330.000 Euro investiert die Gemeinde Queidersbach in die Neugestaltung des Friedhofs. Die Kommune will dort künftig möglichst viele alternative Bestattungsformen anbieten, auch soll die Infrastruktur des Gottesackers insgesamt nutzerfreundlicher werden. Dass hier Geld in die Hand genommen wird, hat einen guten Grund: Der Friedhof soll auch in Zukunft genutzt werden. Mit der Tatsache, dass klassische Beerdigungen immer weniger nachgefragt werden, steht Queidersbach nicht alleine da. Auf den Friedhöfen wächst der Leerstand.
Die Gründe dafür: Die Bestattungskultur hat sich im Lauf der Jahrzehnte gewandelt. Die klassische Sargbestattung ist auf dem Rückzug. Angehörige fragen vor allem nach Urnengräbern, die leicht zu pflegen sind. Der Gottesacker als Ort der Erinnerung und als sozialer Treffpunkt in der Gemeinde hat inzwischen immer mehr an Bedeutung verloren. Die Gesellschaft ist mobiler, viele Kinder leben nicht mehr da, wo ihre Eltern beerdigt wurden.
Zudem hat das Land Rheinland-Pfalz nach einer Gesetzesnovelle seit Ende September 2025 eines der liberalsten Bestattungsgesetze in Deutschland und bietet viele neue Möglichkeiten. So kann man die Urne jetzt mit nach Hause nehmen, oder sich einen Diamanten aus der Asche des Verstorbenen pressen lassen. Auch das Verstreuen der Asche im Garten oder in Flüssen ist gestattet, auch Baumbestattungen sind möglich.
Weniger Beerdigungen bedeuten weniger Einnahmen
Jetzt mehr Möglichkeiten zu haben, den Abschied von seinen Liebsten individuell zu gestalten, ist schön, doch stellt diese neue Entwicklung die Gemeinden vor ein Problem: Wenn künftig weniger klassische Beerdigungen stattfinden, fehlen diesen die Einnahmen, um Friedhöfe zu pflegen und deren Infrastruktur zu erhalten. Viele Kommunen mussten in der Vergangenheit die Friedhofsgebühren deutlich anheben. Denn die Fixkosten, etwa für die Leichenhalle, Wege und Grünflächen, bleiben bestehen. Die Kommunen sind aber gesetzlich verpflichtet, den Friedhof als Einheit kostendeckend zu betreiben.
Das bedeutet für die Gemeinden, dass sie – platt gesagt – ihre Toten im Ort halten müssen. Viele Kommunen im Landkreis haben inzwischen reagiert. Neben pflegeleichten Baum- und Rasengräbern gibt es jetzt auch immer häufiger Urnenwände auf den Gottesäckern. Stark nachgefragt ist zum Beispiel das Kolumbarium in Ramstein, das eine reine Urnenkirche ist. Bereits zu Lebzeiten kann die Ruhestätte dort reserviert und komplett bezahlt werden. In Trippstadt gibt es seit vergangenem Jahr die Möglichkeit, sich unter bereits vorhandenen Bäumen auf dem Friedhof beerdigen zu lassen – eine Alternative zum Ruheforst in Kaiserslautern. In Hütschenhausen hat die Gemeinde die Bürger zu dem Thema einbezogen und bei einem Workshop Ideen gesammelt.
Biotop und Naherholungsgebiet
Einen anderen Weg hat dagegen die Gemeinde Niederkirchen beschritten, die gleich mehrere Friedhöfe in verschiedenen Ortsteilen zu betreuen hat. Auf den freien Flächen ihrer Begräbnisstätte in Niederkirchen ist ein „Paradiesgarten“ mit zwei Sandsteinskulpturen entstanden. Er bietet jetzt einen Lebensraum für viele Pflanzenarten und ist gleichzeitig ein Ruhepol für die Friedhofsbesucher – mit der Möglichkeit, Beeren zu naschen. Friedhöfe dienen nämlich auch als Biotop und Naherholungsgebiet.