Otterbach-Otterberg RHEINPFALZ Plus Artikel Bei der Wärmeplanung in der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg ist jeder gefragt

Laut Potenzialanalyse könnte mit Strom aus Photovoltaik ein großer Teil des Bedarfs für Wärmepumpen gedeckt werden.
Laut Potenzialanalyse könnte mit Strom aus Photovoltaik ein großer Teil des Bedarfs für Wärmepumpen gedeckt werden.

„Jeder muss sehen, wie er alleine zurechtkommt. Es bleibt im Prinzip so, wie es jetzt ist“, sagt Bürgermeister Harald Westrich zur kommunalen Wärmeplanung für seine VG.

Den Abschlussbericht der Planung, deren Ziel es ist, eine Grundlage für die langfristige Ausrichtung der Wärmeversorgung auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde (VG) Otterbach-Otterberg zu schaffen, hat der VG-Rat kürzlich verabschiedet. Bei der Ausarbeitung der Planung waren seit März 2025 die rund 9000 beheizten Gebäude in der Stadt Otterberg sowie in den elf zur VG gehörenden Dörfern untersucht. Nahezu alle Häuser werden auch in Zukunft individuell mit Wärme versorgt werden müssen.

Der Aufbau eines zentralen Wärmenetzes würde sich derzeit nur im Stadtzentrum von Otterberg lohnen, wo man mit der Konzeption für ein kaltes Nahwärmenetz bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen hat. Das einzige bestehende Wärmenetz in der VG, mit dem in Otterbach mittels einer Holzhackschnitzelfeuerung unter anderem die Grundschule, das Feuerwehrhaus sowie das Diakonische Werk mit Wärme versorgt, ermögliche grundsätzlich weitere Anschlüsse.

Geheizt wird hauptsächlich mit Öl und Gas

Für Morbach wurden in der Vergangenheit Überlegungen angestellt, ein Wärmenetz aufzubauen. Das Vorhaben wurde jedoch auf Eis gelegt. „Der Abschlussbericht zeigt uns sehr deutlich, dass die Herausforderungen im ländlichen Raum völlig andere sind als in einer Stadt. Wärmenetze sind bei uns meist nur sehr begrenzt möglich und wirtschaftlich nur dann zu betreiben, wenn sich alle Hausbesitzer in einem Kerngebiet daran beteiligen, was realistisch betrachtet sehr unwahrscheinlich ist“, erläuterte Bürgermeister Harald Westrich. Die kommunale Wärmeplanung und der Abschlussbericht seien kein verbindlicher Masterplan, sondern eher ein Orientierungsrahmen für die Verwaltung, die Unternehmen und für die Hausbesitzer in der VG.

Derzeit würden die meisten privaten Anwesen in der VG entweder über eine Gas- oder eine Ölheizung mit Wärme versorgt – wobei Erdgas mit rund 60 Prozent der wesentliche Energieträger sei. Allerdings könne der Betreiber des Gasnetzes in der VG derzeit keine Aussage darüber treffen, wie lange die Gasversorgung aufrechterhalten werden kann – ob statt Erdgas in einigen Jahren Wasserstoff durch die Leitungen fließe oder das Erdgasnetz grundsätzlich irgendwann aufgegeben werde. Die Wärmeversorgung in der VG beruhe zu rund 93 Prozent auf der Basis fossiler Brennstoffe. Vor dem Hintergrund zunehmender Ressourcenknappheit und der Klimaschutzziele komme früher oder später nur eine Umstellung der Heizungen in Frage, so Westrich. Dabei stellten mit Strom betriebene Wärmepumpen in Kombination mit einer zeitgemäßen Wärmedämmung die wohl effizientesten Lösungen dar, zumal beim größten Teil der Häuser im ländlichen Raum genügend Platz vorhanden sei, um Wärmepumpen installieren zu können.

Sonnenstrom für Wärmepumpen

Die Potenzialanalyse zeigt auf, dass es rein rechnerisch möglich ist, den für die Wärmepumpen benötigten Strom innerhalb der VG auf regenerative Weise zu erzeugen. Mit Strom aus Photovoltaik (PV) könnte ein großer Teil des Bedarfs gedeckt werden. Bereits jetzt verfüge die VG über mehrere PV-Anlagen, die maßgeblich zur regionalen Stromerzeugung beitragen – beispielsweise mit den Solarparks bei Otterbach, Niederkirchen und Katzweiler. Durch das sogenannte Repowering der Anlagen, die zum Teil aus dem Jahr 2010 stammen, ließe sich die Menge des erzeugten Solarstroms in Zukunft deutlich steigern, ohne weitere Flächen zu verbrauchen.

Grundsätzlich stellt der Abschlussbericht fest, dass die Wärmewende auf dem Gebiet der VG Otterbach-Otterberg machbar ist. Das erfordere allerdings über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahrzehnten hinweg Kontinuität bei den politisch Handelnden und bei den Investitionen privater Hausbesitzer. Der Abschlussbericht geht davon aus, dass dazu bis 2045 zwischen 335 und 390 Millionen Euro auf dem Gebiet der VG in die grundsätzliche Umstellung der Wärmeversorgung aller beheizten Gebäude investiert werden müssten.

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