Kreis Kaiserslautern
Auszubildende werden händeringend gesucht
Im Kreis Kaiserslautern gibt es viele offene Ausbildungsplätze. Doch oftmals bleiben die Bewerber aus oder erweisen sich schnell als ungeeignet. Das zeigt sich auch bei einer kleinen Umfrage der RHEINPFALZ bei Unternehmen im Landkreis.
Schulnoten nicht unbedingt ausschlaggebend
Unter anderem die Firma Wolf in Bruchmühlbach-Miesau, die auf die Herstellung von Schneidwerkzeugen und Beschichtungslösungen spezialisiert ist, weiß ein Liedchen davon zu singen. „Wir hatten insgesamt vier Stellen ausgeschrieben, doch die Resonanz an Bewerbern war äußerst gering“, berichtet eine Personalreferentin. Nicht nur die Anzahl der Bewerber bereite Kopfzerbrechen, sondern auch deren Qualität. Sie „entspricht häufig nicht unseren Vorstellungen, sodass sich eine Einstellung häufig für uns nicht lohnen würde“. Viele Bewerber erschienen nicht einmal zu den vereinbarten Vorstellungsgesprächen. Dabei unternehme der Betrieb einiges, um dieser Misere ein Ende zu setzen – beispielsweise schalte er Stellenanzeigen auf sämtlichen Plattformen und habe ein Werbebanner an einem Zaun angebracht. „Wir erwarten zumindest einen guten Hauptschulabschluss, doch auch bei einem schlechteren Zeugnis sind die Erfolgsaussichten definitiv gegeben“, betont die Personalreferentin, dass Schulnoten nicht unbedingt ausschlaggebend bei der Bewerbung sind. Mit innerbetrieblichen Fördermaßnahmen könnten Bildungslücken geschlossen werden, um eine Einstellung zu ermöglichen. Solche Bemühungen seien notwendig. Denn: „Viele Fachkräfte scheiden aus, doch es fehlt der adäquate Nachwuchs.“
„Wir haben Auszubildende gesucht und keine gefunden“
Auch die Gärtnerei Blumen Janke in Weilerbach klagt über Nachwuchskräftemangel. „Wir haben Auszubildende gesucht und keine gefunden“, berichtet Gärtnerin Jeanette Janke, die im Familienbetrieb mitwirkt. Die Suche nach einem Azubi zum Gärtner im Zierpflanzenbau führte letztendlich ins Leere – trotz einer Bewerbung. Das Probearbeiten habe der anfänglichen Euphorie bereits am ersten Tag ein jähes Ende bereitet. „Die Motivation hat einfach gefehlt.“ Konnte die Gärtnerei im vergangenen Jahr noch drei Lehrlinge gewinnen, herrscht nun also Ebbe – mit erheblichen Auswirkungen auf das Tagesgeschäft: „Wir haben unsere Arbeitszeitmodell umgestellt, um aufgrund des Mangels an Azubis Ausfälle zu vermeiden.“ Mit inner- und außerbetrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen möchte die Gärtnerei Defiziten in Sachen Bildung entgegenwirken, um die Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung im Betrieb zu erhöhen. „Wir fördern unsere Azubis unter Mitwirkung des Arbeitsamtes“, schildert Janke. In Prüfungsvorbereitungskursen sollen die in der Berufsschule gelernten Inhalte gefestigt werden. Ein Azubi nehme diese Hilfestellung derzeit in Anspruch. „Wir stehen diesem Engagement nicht im Weg und unterstützen, wo wir nur können.“ Um die ein- bis zweimal wöchentlich stattfindenden Unterrichtseinheiten mit der Berufstätigkeit vereinbaren zu können, komme das Unternehmen dem Auszubildenden mit Flexibilität entgegen. „Die Freistellung ermöglicht der betreffenden Person, dass diese ihren Arbeitsplatz frühzeitig verlassen kann, um rechtzeitig einen solchen Kurs wahrnehmen zu können.“
Neue Wege beschritten
Neue Wege zur Personalgewinnung beschritten hat Frank Burbach. Seit drei Jahren führt er die Geschicke von Augenoptik Zerger in Otterberg. „Ich war über die gängigen sozialen Medien auf der Suche nach neuen Auszubildenden, doch die Rückmeldungen blieben aus“, beklagt der Augenoptikermeister. „Meine jetzige Auszubildende ist auf mich zugekommen und so kam das Gespräch zwischen uns zustande“, berichtet Burbach. Ohne diese Eigeninitiative wäre der Ausbildungsplatz wahrscheinlich bis heute unbesetzt geblieben, meint er. Denn auch eine Kooperation zur Schaltung von Werbeanzeigen mit anderen Unternehmen habe nicht den erhofften Effekt gebracht – die Resonanz sei gegen Null gegangen. Der Augenoptikermeister gibt sich nicht geschlagen. Ein „dritter Versuchsballon“, wie er selbst sagt, befinde sich bereits in Vorbereitung. Nachwuchs werde in seinem Betrieb dringender benötigt denn je. „Die Situation ist sehr schwer, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, betont Burbach. Nicht selten stehe er deshalb bis zu 70 Stunden pro Woche in seinem Geschäft. Selbst wenn er einen Azubi finden würde, würde dessen Ausbildung zunächst eine Mehrbelastung bedeuten. „Es ist ein Teufelskreis.“
Flaute momentan überwunden
„Rund zehn Jahre herrschte bei uns Flaute, doch aktuell merken wir den Mangel nicht“, berichtet Kathrin Scheidt vom Backhaus Scheidt, das neben dem Hauptsitz in Kreimbach-Kaulbach auch mehrere Filialen im Landkreis Kaiserslautern betreibt. Doch auch wenn sich dort aktuell eine angehende Bäckerin in ihrem dritten Lehrjahr befindet, so gilt die Suche nach weiteren, jungen Talenten keineswegs als beendet: „Wir halten immer nach neuen Kräften Ausschau.“ Noten seien zweitrangig. Vielmehr von Bedeutung sei die eigene Persönlichkeit. „Es ist wichtig, dass diese mit unserem Unternehmen harmoniert“, betont Scheidt. Hatte man zwischenzeitlich mit einem großen Leerlauf zu kämpfen, so scheint dieser nun überwunden. Vor den Bäckern im Betrieb hat Kathrin Scheidt, die gemeinsam mit ihrem Mann Sascha das Backhaus leitet, größten Respekt: „Das Berufsbild ist vielfältig, aber auch anstrengend. Und das muss man wollen.“ Um die Attraktivität zu steigern, setze die Bäckerei auf übertariflichen Lohn. Eine zusätzliche und siebte Woche Betriebsferien soll den nötigen Ausgleich zu einer oftmals schweißtreibenden Tätigkeit in der Backstube bieten. Dass die Bemühungen zur Gewinnung von Auszubildenden unabdingbar sind, daran hat Scheidt keine Zweifel: „Ohne Azubis keine Existenz.“