Otterberg
Auf Hannah Lothrops Aufklärungsarbeit geht die Stillgruppenbewegung zurück
Hannah Lothrop wurde am 18. November 1945 in Otterberg geboren. Auf ihrem beruflichen Weg wurde sie von der Therapeutin Ilse Middendorf geprägt, die eine besondere Methode zum erfahrbaren Atem entwickelt hatte. Außerdem war sie beeinflusst durch die La Leche Liga, eine gemeinnützige Organisation zur Beratung von Stillenden. Hannah Lothrop hatte eine eigene Praxis in der Nähe von Wiesbaden, begründete die Stillgruppenbewegung in Deutschland, arbeitete in den Vereinigten Staaten und leitete internationale Veranstaltungen zur Fortbildung. Sie war mit einem Amerikaner verheiratet und hatte zwei Kinder.
Aufgrund ihrer Erfahrungen nach der Geburt ihrer beiden Kinder veröffentlichte sie „Das Stillbuch“, das 1980 im Verlag Kösel in München erschien. Es gilt als ein Standardwerk über die frühe Beziehung zwischen Mutter und Kind, die für die körperliche und emotionale Entwicklung des kleinen Lebewesens besonders wichtig ist. Die Publikation wurde zum Bestseller, erschien in mehreren Sprachen und zahlreichen Neuausgaben.
Auch ihr zweites Buch „Gute Hoffnung – Jähes Ende“ entstand durch ein persönliches Erlebnis. Sie hatte eine Tochter während der Schwangerschaft verloren. Das Buch trägt deshalb die Widmung: „Für Cara, die ihre Spuren in unseren Herzen und auf dieser Erde hinterlassen hat, obwohl man sagt, sie habe ja noch nicht gelebt.“ Das 1991 gleichfalls in dem Münchener Verlag herausgekommene Sachbuch hat den Untertitel „Fehlgeburt, Totgeburt und Verlust in der frühen Lebenszeit“. Die Autorin begleitet die betroffenen Eltern einfühlsam auf ihrem Weg durch die Trauer und versucht, ihnen eine neue Hoffnung zu geben. Einzelne Kapitel sind überschrieben mit „Wenn es uns trifft“, „Die erste Zeit danach“, „Die Trauer dauert an“, „Die Wunden heilen“. Der fast 400 Seiten umfassende Band erschien ebenso in mehreren Neuausgaben und bietet ein Beispiel der Literatur zur Selbsthilfe.
Die Verfasserin berücksichtigte in dem Buch neben ihren persönlichen Erfahrungen auch die Gefühle und Reaktionen von trauernden Eltern in Deutschland und in den USA. Die Therapeutin hat durch ihre fachliche Kompetenz und ihre besondere Ausstrahlung vielen Kindern, Vätern und Müttern geholfen. Leider fand ihr Leben und verdienstvolles Wirken bereits mit 55 Jahren ein plötzliches Ende. Sie verunglückte tödlich am 5. November 2000 in Holzhausen im Rhein-Lahn-Kreis und wurde fünf Tage später in Otterberg beerdigt. Im vergangenen Jahr beschloss der Otterberger Stadtrat, eine Straße im Neubaugebiet Kapelle nach Hannah Lothrop zu benennen.