Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel 24 Jahre für den Kreis: Heß-Schmidts Erfahrungen zwischen Großbrand und Corona-Krise

Während ihrer Zeit als Erste Kreisbeigeordnete hat Gudrun Heß-Schmidt einige Geschenke bekommen. Jedes Einzelne stehe für einen
Während ihrer Zeit als Erste Kreisbeigeordnete hat Gudrun Heß-Schmidt einige Geschenke bekommen. Jedes Einzelne stehe für einen ihrer Geschäftsbereiche. So auch der Plüsch-Luchs, den sie anlässlich der Wiederansiedlung von Luchsen im Pfälzerwald bekommen hat.

Sie war ein viertel Jahrhundert im Amt und Stellvertreterin von drei Landräten: Was die Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt erlebt hat und wer ihr Vorbild ist.

„Man muss immer bereit sein, sich zu reflektieren und offen Kritik annehmen“, sagt Gudrun Heß-Schmidt. Sie habe sich nie einer Sache versperrt, die Sinn ergeben habe, nur weil sie von jemand anderem kam, so die CDU-Frau über ihre Zeit als Erste Kreisbeigeordnete. Die 68-Jährige ist eine Institution. Sie ist mit Abstand die dienstälteste Politikerin im Kreisvorstand. Ihre dritte Amtszeit endet am 3. Februar, dann wird ihr Nachfolger, Jan Schneider, den Staffelstab übernehmen. Der Christdemokrat gehört dem Kreistag seit 2014 an.

Gudrun Heß-Schmidt im Jahr 2014 bei einer Einbürgerungsfeier in der Kreisverwaltung. Zur Einbürgerung des 17-jährigen Kenan Oguz
Gudrun Heß-Schmidt im Jahr 2014 bei einer Einbürgerungsfeier in der Kreisverwaltung. Zur Einbürgerung des 17-jährigen Kenan Oguzhan (Bildmitte, rote Krawatte) erschien auch seine komplette Schulklasse.

Die Alsenbornerin übernahm das Amt im Februar 2002 und war Stellvertreterin von drei Landräten: von Rolf Künne (SPD), Paul Junker (CDU) und aktuell Ralf Leßmeister (CDU). Sie war zuständig für die Bereiche „Ordnung, Verkehr und Schulen“, wozu beispielsweise auch der Brand- und Katastrophenschutz gehört, sowie für den Bereich „Lebensmittelüberwachung, Veterinärwesen und Landwirtschaft“. Da Heß-Schmidt schon aus Altersgründen nicht weitermachen konnte, hatte der Kreistag den hauptamtlichen Posten mit einer Amtszeit von acht Jahren ausgeschrieben.

Begegnung mit Jürgen Todenhöfer fasziniert

Das Interesse an der Kommunalpolitik erwacht in ihrer Schulzeit am Burggymnasium in Kaiserslautern, in das Heß-Schmidt nach ihrer Grundschulzeit in Alsenborn 1968 wechselt. Dort stellt sich den Schülern der CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer vor, der damals gegen den Sozialdemokraten Adolf Müller-Emmert für den Bundestag kandidiert. Die 15-Jährige ist von dem „drahtigen, forschen“ Mann fasziniert. Dieses Erlebnis sei für sie der „Türöffner in die Politik“ gewesen, erinnert sie sich zurück. Die Schülerin tritt in die Junge Union ein, deren Vorsitzende sie in Enkenbach-Alsenborn dann lange Jahre ist. 1982 erfolgt der Eintritt in die CDU. Seit 1984 ist sie auch Mitglied im Verbandsgemeinderat Enkenbach-Alsenborn, dem sie seitdem ohne Unterbrechung angehört. Auch in diesem Gremium ist sie längst die Dienstälteste.

Ein Faible für das Ehrenamt: Gudrun Heß-Schmidt war es sehr wichtig, das freiwillige Engagement der Bürger zu würdigen. So überr
Ein Faible für das Ehrenamt: Gudrun Heß-Schmidt war es sehr wichtig, das freiwillige Engagement der Bürger zu würdigen. So überreichte sie in ihrer Amtszeit wohl unzählige Urkunden, wie die Auszeichnung mit dem Goldenen Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Rheinland-Pfalz an Feuerwehrmann Hans-Peter Spohn aus Frankelbach in 2023.

Von Tätigkeit an der Hochschule fürs Amt profitiert

Ein Studium der Rechtswissenschaft und Betriebswirtschaft in Mainz und Worms folgen, dann der erste Job. An der Hochschule Worms übernimmt sie die Verwaltungsleitung des Studiengangs European Business Management sowie die Leitung des Akademischen Auslandsamts und des Studiensekretariats. Sie habe später für ihr Amt sehr von ihrer Tätigkeit an der Hochschule profitiert, erzählt Heß-Schmidt. So zum Beispiel, wenn es um die weiterführenden Schulen ging, dessen Träger der Kreis teilweise ist.

Der nächste Schritt in ihrer politischen Karriere folgt 1994, als sie in den Kreistag gewählt wird. Als es fünf Jahre später dann darum geht, bei den Kommunalwahlen den dritten Beigeordneten zu stellen, sei die Fraktion auf sie zugekommen. Damals besteht im Kreistag noch eine Koalition zwischen der FWG und der SPD. Damals habe sie gesagt: „,Natürlich trete ich an.‘ Obwohl ich gewusst habe, dass das nicht klappen kann, da die Mehrheit nicht auf unserer Seite war.“ Doch zwei Jahre später wird es doch etwas mit der Beigeordnetenstelle. Die Machtverhältnisse haben sich verschoben, die Koalition zwischen FWG und SPD zerbricht im Jahr 2000. Die Freie Wähler Gruppe und die Christdemokraten schließen sich zusammen. Im Mai 2001 wird die Alsenbornerin schließlich mit der Mehrheit aus CDU und FWG gewählt. Da die Position des Ersten Beigeordneten an die CDU fällt, wird Heß-Schmidt die Stellvertreterin des Landrats Künne.

„Ich konnte mich bei allen Themen gut wiederfinden“

Sie habe sich bei allen Themen des Geschäftsbereichs gut wiederfinden können. Dazu habe auch die große und loyale Unterstützung ihrer Mitarbeiter und ihres Sekretariats beigetragen. Auch die Zusammenarbeit im Kreisvorstand sei harmonisch gewesen. Sehr schwierig fand die 68-Jährige es dagegen zu Beginn, sich in die Strukturen des ÖPNV einzuarbeiten. Zu Beginn ihrer Amtszeit steht der Wechsel des Westpfalz-Verkehrsverbunds in den großen Verkehrsverbund Rhein-Neckar, den VRN, an. Dagegen sei ihr der Katastrophenschutz eher leichter gefallen, da sie mit der Feuerwehr über die Verbandsgemeinde schon viele Berührungspunkte gehabt habe. „Ich schätze das Ehrenamt immens, weil ich weiß, was die Männer und Frauen da leisten neben ihrem Beruf und eigenem Alltag“, sagt Heß-Schmidt, die seit 2016 auch Erste Vorsitzende des SV Alsenborn ist.

Als eine der fordernsten Ereignisse in ihrer Amtszeit nennt die Christdemokratin den Brand des Reifenlagers in Rodenbach, der 2008 ausbrach und einen Millionenschaden verursachte. 300 Wehrmänner waren damals im Einsatz. Man habe das Reifenlager nicht kontrolliert niederbrennen lassen können, weil die Gefahr bestand, dass die Häuser in der angrenzenden Fuchsstraße niederbrannten. „Das war wirklich kritisch.“

Bezeichnet die Corona-Pandemie als eine der herausforderndsten Phasen ihrer Amtszeit: Gudrun Heß-Schmidt 2021 bei der Eröffnung
Bezeichnet die Corona-Pandemie als eine der herausforderndsten Phasen ihrer Amtszeit: Gudrun Heß-Schmidt 2021 bei der Eröffnung eines Corona-Schnelltest-Zentrums in Enkenbach-Alsenborn mit (von links) Ortsbeigeordnetem Alexander Roth, Dirk Vogel vom DRK und Landrat Ralf Leßmeister.

„Das Schlimmste war das Gefühl der Hilflosigkeit“

Doch so schlimm der Brand auch gewesen sei: Im Vergleich dazu habe sie die Corona-Pandemie noch einmal als besonders herausfordernd erlebt, weil ihr Verlauf nicht vorhersehbar gewesen sei. Zum ersten Mal sei sie in einer Situation gewesen, wo sie nicht mehr wusste, wie der Ausgang sein werde. Der Landrat, Kreisbeigeordneter Peter Schmidt und sie hätten Abende in der Kreisverwaltung gesessen und sich den Kopf zermartert. Sie erinnert sich noch an den Moment, als die erste Meldung aus einem Pflegeheim im Kreis kam, dass mehrere Bewohner an dem Virus gestorben seien. „Das war schwer zu verkraften. Du bist in der Position ja der Problemlöser. Das ist das, was der Beruf mit sich bringt. Vor Problemen darf man keine Scheu haben“, so die 68-Jährige. Jederzeit sehr fordernd seien auch die Bereiche Ordnungsbehörde, Ausländerbehörde und Verkehrswesen, die auch immer menschliche Schicksale beträfen.

Welche Erlebnisse in ihrer Zeit als Beigeordnete ihr dagegen als besonders schön in Erinnerung sind? Da möchte Heß-Schmidt keinen Einzelnen herausgreifen. „Dass ich immer wieder gewählt wurde und damit meine Projekte, die ich begonnen hatte, über einen langen Zeitraum fortführen konnte. Für diese Chance bin ich sehr dankbar“, sagt sie. Und dann zählt sie doch noch ein paar Projekte auf: Wichtig ist ihr, dass es gelungen sei, zusammen mit der Stadt Kaiserslautern und den Landkreisen Kusel und Donnersbergkreis den Rettungshubschrauber für die Westpfalz in Imsweiler installieren zu können. Fast 15 Jahre hätten sie dafür gekämpft. „ Christoph 66 ist der Einzige, der in unserer Region fliegt, der eine Seilwinde hat. Diese ist so wichtig für die Einsätze im Pfälzer Wald und Nordpfälzer Bergland“, so Heß-Schmidt.

Stolz auf die beiden Orchester im Landkreis

Stolz ist Heß-Schmidt, die selbst Klavier, Violine und Fiedel spielt, auch auf die zwei Orchester im Landkreis: das symphonische Blasorchester und das Symphonieorchester. Und die Kreismusikschule mit dem Projekt Musikita. Stichwort ÖPNV: „Es war mir immer wichtig, dass die Jugendlichen gut nach Hause kommen“, sagt sie zu einem weiteren Projekt: Die Nachtbuslinie, die die Stadt Kaiserslautern bereits angeboten hatte, wurde in ihrer Amtszeit auf den ganzen Landkreis ausgeweitet. Bis zum Beginn der WM in 2006 seien alle Linien angebunden gewesen. Zum Teil auch mit den Ruftaxi.

Der Landkreis sei gut mit weiterführenden Schulen aufgestellt. Hierzu zählen das Sickingen-Gymnasium und das Reichswald-Gymnasium sowie die drei IGSen in Zweckverbandsführung. Auch auf den beiden Förderschulen Hans Zulliger und Jakob Weber lag ihr Augenmerk. Eine Herausforderung sei die Übernahme der privaten Bischof-von-Weis-Berufsschule gewesen, die in der Berufsbildenden Schule Landstuhl aufgegangen sei. Diese habe jetzt die doppelte Schülerzahl. „Aber wir brauchen Erzieher und wir brauchen Pfleger. Es war sehr wichtig, dieses Ausbildungsangebot hier in der Region zu halten, damit hier Fachkräfte ausgebildet werden können.“

Lodernde Flammen über Rodenbach: Der Feuerwehreinsatz bei Gewe im Jahr 2008 gilt als der größte im Landkreis seit dem zweiten We
Lodernde Flammen über Rodenbach: Der Feuerwehreinsatz bei Gewe im Jahr 2008 gilt als der größte im Landkreis seit dem zweiten Weltkrieg.

Die Mutter als Vorbild

Das Zupackende, das hat sie wohl von ihrer Mutter – „eine starke Frau“ – übernommen, glaubt die 68-Jährige. Nach einer Krebserkrankung ihres Vaters in jungen Jahren, mit der dieser Zeit seines Lebens zu kämpfen hatte, und nach einer Mehlallergie konnte der gelernte Bäcker nicht mehr in der Backstube in Alsenborn arbeiten. Ihre Mutter, ursprünglich Erzieherin, habe dann die Bäckerei und das Lebensmittelgeschäft erfolgreich allein geführt. Das Kümmern, Organisieren und Lösungen finden sei für sie aber nie belastend gewesen. Weder beruflich noch privat. Ihr Mann, aber auch ihre Tochter haben ihr in sehr vielen Dingen den Rücken frei gehalten. In dem Beigeordnetenamt gebe es keine normalen Arbeitszeiten. „Wenn man den Rückhalt in der Familie nicht hat, die das Amt quasi mitleben muss, dann wird es schwierig.“

Was hat sie jetzt vor, wenn sie Anfang Februar aus dem Amt ausscheidet? Sie freue sich darauf, nicht mehr so verplant zu sein mit Terminen und sich dann um Dinge kümmern zu können, für die sie bisher keine Zeit gehabt habe, sagt die Beigeordnete, die gern Ski läuft. Unter anderem warte der Garten auf sie. Nach wie vor will sie im Verbandsgemeinderat Enkenbach-Alsenborn tätig sein und auch der Kreisverwaltung bleibt sie künftig noch ein bisschen erhalten: Sie wird in der Fachberatung des Katastrophenschutzes bleiben.

Termin:

Die Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt wird am Montag, 2. Februar, 17 Uhr, in einer Sondersitzung des Kreistages in der Stadthalle in Landstuhl verabschiedet. Zuvor wird der neue Erste Kreisbeigeordnete, Jan Schneider, in das Amt eingeführt.

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