Kreis Kaiserslautern „120 Euro mehr für alle“
Mit einer Kundgebung vor der Air Base Ramstein haben rund 600 Zivilbeschäftigte der US-amerikanischen Streitkräfte gestern ihren Forderungen in der aktuellen Tarifrunde Nachdruck verliehen. Ihr Ziel: 120 Euro mehr im Monat für alle. Vor allem Arbeitnehmer in den unteren Einkommensgruppen fühlen sich „von der allgemeinen Lohnentwicklung abgehängt“.
Heute ist Rüdiger Löw ein Panzerknacker. Gemeinsam mit einem halben Dutzend Kolleginnen und Kollegen will er an den Tresor von Onkel Dagobert. „Wir brauchen das Geld“, erklärt der 48-Jährige, „damit wir auch in Zukunft finanziell über die Runden kommen.“ Doch ob der legendäre Goldschatz aus Entenhausen reicht, um Löw und seine Mitstreiter dauerhaft zu alimentieren, ist eher fraglich. Deshalb ziehen am Montagmorgen gleich noch weitere rund 600 Beschäftigte der US-amerikanischen Streitkräfte vor das Tor des Ramsteiner Flugplatzes. Gemeinsam mit Verdi fordern sie einen neuen Tarifvertrag – mit 120 Euro mehr im Monat. In seinem eigentlichen Beruf arbeitet Löw als „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ im Kaiserslauterer Depot der US-Army. Er ist dafür verantwortlich, dass beim Umgang von Mensch und Maschinen möglichst keine Unfälle passieren. Seit 27 Jahren ist er jetzt dabei, sein monatliches Gehalt liegt bei 3100 Euro brutto. „Das ist eigentlich nicht schlecht“, gibt der Westpfälzer zu. „Aber mir geht es auch um die Kolleginnen und Kollegen, die weit weniger verdienen als ich. Wir brauchen einen monatlichen Festbetrag für alle, damit die Schere bei den Einkommen nicht noch weiter auseinander geht.“ Damit könnte zum Beispiel Eva Barth gemeint sein, die seit 2010 als „Housekeeper“ auf der Air Base in Ramstein arbeitet. „Mein Job besteht vor allem aus Putzen – und das ist wirklich keine leichte Arbeit“, erläutert die Frau aus Kaiserslautern, die zuvor 33 Jahre lang Verkäuferin bei Karstadt war. 1583 Euro brutto beträgt ihr monatliches Einkommen bei 39 Wochenstunden. Auch sie sagt: „Natürlich gibt es anderswo Putzfrauen, die für weniger Geld arbeiten müssen. Aber ich finde, dass gute Arbeit auch entsprechend bezahlt werden sollte. Schließlich müssen wir von dem Geld unseren Lebensunterhalt bestreiten.“ In der Westpfalz sind es nicht gerade wenige, die bei den US-Streitkräften arbeiten. Rund 30.000 Menschen, so schätzen die amtlichen Statistiken, stehen als Zivilbeschäftigte auf den Lohnlisten von US-Army und Air Force. Doch längst nicht alle sind offenbar gewerkschaftlich organisiert: „In Rheinland-Pfalz sind von den gegenwärtigen Tarifverhandlungen 7200 Beschäftigte betroffen, schwerpunktmäßig in der Westpfalz“, berichtet Jürgen Dehnert von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Auf die Forderungen der Gewerkschaft nach einem Festbetrag von 120 Euro haben die Arbeitgeber bislang mit dem Angebot von 1,3 Prozent Gehaltserhöhung reagiert. „Viel zu wenig“, wie Verdi-Mann Dehnert findet. Und weil es am Verhandlungstisch nicht so recht weiter geht, will die Gewerkschaft mit der Demonstration in Ramstein „den Druck erhöhen“. Deshalb wird die Kundgebung vor der Air Base auch von einem eintägigen Warnstreik begleitet. Für heute und morgen ist dann die dritte Tarifrunde in Bonn anberaumt, wo den Arbeitnehmern gleich zwei Verhandlungspartner gegenüber sitzen: Vertreter des deutschen Finanzministeriums und der amerikanischen Streitkräfte (siehe zur Sache). Am Montagvormittag, vor den bewachten Flugplatztoren, geben sich die Zivilbeschäftigten jedenfalls lautstark und kämpferisch. Neben reichlich Trillerpfeifen und Ratschen haben sie Transparente mitgebracht, auf denen durchaus originelle Losungen stehen. Kleine Kostprobe: „Wir wollen auch mal nach Malle – deshalb 120 Euro für alle.“ Bei so viel Dichtkunst kann das anschließende Kulturprogramm im Ramsteiner Haus des Bürgers, nebst Mittagessen und Streikgeld von der Gewerkschaft, eigentlich kaum noch Steigerungen bieten.