VG Landstuhl
Über vier Millionen Euro vom Land: Wie die Gemeinden den Geldsegen nutzen wollen
Attraktivere Dorfplätze mit mehr Grün, moderne Bürgerhäuser oder Maßnahmen, die den Tourismus voranbringen sollen: Die 49 Projekte, die mit den Fördermitteln aus dem Regionalen Zukunftsprogramm „Regional. Zukunft. Nachhaltig“ des Landes in der Verbandsgemeinde, den elf Ortsgemeinden und der Sickingenstadt Landstuhl realisiert werden sollen, sind vielfältig. Beschlossen wurden sie in den Räten der Gemeinden. Nachdem das Land die Vorhaben nun gebilligt und das Geld dafür bewilligt hat, sollen sie jetzt in den Haushalten der Kommunen verankert werden, teilt Verbandsbürgermeister Peter Degenhardt (CDU) mit. Bis 17. November 2028 müssen die Vorhaben umgesetzt sein, lautet die Fristvorgabe des Landes.
Die zwei Millionen Euro, die aus dem Fördertopf in die Kasse der Verbandsgemeinde fließen, werden zu einem großen Teil für die Sanierung von Dächern und damit für den Erhalt der Infrastruktur in den Gemeinden verwendet: 750.000 Euro sind für die Karlstalhalle in Trippstadt, 600.000 Euro für die Feuerwache Landstuhl und knapp 66.000 Euro für die Mehrzweckhalle Queidersbach eingeplant. Die Grundschule In der Au in Landstuhl erhält zudem einen Aufzug, mit dem der barrierefreie Zugang ermöglicht werden soll.
Ein Boulderturm für Johanniskreuz
Der Rest des Geldes ist für den Tourismus eingeplant: Rund 100.000 Euro sind für ein neues Digitalangebot auf Burg Nanstein vorgesehen, das virtuelle Zeitreisen in die Vergangenheit ermöglicht, berichtet auf Anfrage Andrea Spannowsky, die bei der VG Fachbereichsleiterin für Tourismus ist. Auch die Karlstalschlucht – ein weiterer Besuchermagnet in der VG – soll für Wanderer noch attraktiver werden, in dem die Besucher dort vor Ort mehr über die Geschichte, die Natur und die landschaftlichen Besonderheiten dieses Kleinods erfahren. „Der dortige Rundwanderweg war laut Pfalz-Touristik 2025 der meistbesuchte Wanderweg in der ganzen Pfalz“, freut sich Spannowsky. Die Kletterer sind eine weitere Zielgruppe, die die VG-Touristik in den Blick nimmt: Für sie soll in Johanniskreuz in Zusammenarbeit mit dem Haus der Nachhaltigkeit ein Boulderturm auf dem Mehrgenerationenplatz gebaut werden. „Wann der Turm steht, ist noch unklar. Zuerst muss die Baugenehmigung vorliegen“, sagt Spannowsky. Auch die Infrastruktur für Radfahrer und Mountainbiker will die VG verbessern, unter anderem durch mehr Ladesäulen und sichere Abstellplätze. Schließlich gehört auch der Mountainbikepark Pfälzerwald zu ihrem Beritt.
Rund zwei Millionen Euro aus dem Fördertopf des Landes stehen den zwölf Kommunen der VG zur Verfügung: Die Sickingenstadt bekommt insgesamt knapp 650.000 Euro für die geplante Neugestaltung des Spielplatzes in der Lindenstraße, der in die Jahre gekommen ist. Hier soll ein Mehrgenerationenplatz als Treffpunkt für Jung und Alt entstehen. Sowohl die Senioren als auch die Jugend werden in die Gestaltung eingebunden, kündigt Stadtbürgermeister Mattia De Fazio an. „Sie sollen sagen, was sie sich wünschen und was ihnen wichtig ist.“ Der Umbau beginne dann 2027.
Bürgerhäuser werden modernisiert
In Linden sollen die Spielplätze, etwa der der Kita, und die Grünflächen im Ort auf Vordermann gebracht werden. Rund 75.000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Die Gemeinde Oberarnbach erhält 31.000 Euro und will damit die Arnbachhalle auf LED-Beleuchtung umstellen. Auch in Stelzenberg möchte man das Geld fürs Bürgerhaus verwenden: Es wird nicht nur auf energiesparende LEDs umgestellt, sondern auch die Technik in der Küche und im Saal (Beamer, Leinwand) soll modernisiert werden. Gut 95.000 Euro sind dafür im Förderprogramm des Landes bewilligt worden. In Krickenbach soll das Geld ebenfalls für die Mehrzweckhalle verwendet werden: Sie erhält für rund 90.000 Euro LED-Beleuchtung, Jalousien und neue Küchengeräte.
In Trippstadt kann die Gemeinde endlich die Umgestaltung der Dorfmitte angehen: Das alte Rathaus wird abgerissen und eine Freifläche mit Sitzmöglichkeiten als Treffpunkt eingerichtet. „Von dort hat man dann auch einen schönen freien Blick auf die Kirche“, freut sich Ortsbürgermeister Reinhold Mannweiler, dass das Vorhaben nun realisiert werden kann. „Eigentlich war das schon im Dorferneuerungsprogramm vorgesehen. Aber ohne die jetzigen Fördermittel hätten wir es nicht finanzieren können.“ Außerdem wird in der Fremdenverkehrsgemeinde der Minigolfplatz in einen Bolz-, Boule- und Basketballplatz umgewandelt, fügt Mannweiler an.
Ein Bürgerbus für Hauptstuhl
In Queidersbach fließt das Geld in das Gästehaus Felsenkopf, das mit der Fördersumme von 213.000 Euro barrierefrei gestaltet werden soll. Mittelbrunn modernisiert seine Straßenbeleuchtung und stellt sie auf LED um (55.000 Euro). Das steht auch in Bann (167.000 Euro) und Schopp auf dem Plan. Außerdem soll in der Holzlandgemeinde der Bolzplatz ertüchtigt und ein Grundstück erworben werden, um die Grundschule erweitern zu können. Rund 114.000 Euro gibt es dafür insgesamt vom Land. In Hauptstuhl will die Gemeinde ebenfalls den Bolzplatz ertüchtigen, einen Basketballplatz schaffen und neue Spielgeräte sowie Sonnensegel für Spielplätze erwerben. Rund 90.000 Euro gibt es für die Hauptstuhler Projekte aus dem Fördertopf. Außerdem wird hier ein E-Bürgerbus angeschafft, der laut Ortsbürgermeister Nader Samadi Tehrani Geschäfte und Ärzte in Landstuhl und Bruchmühlbach anfahren soll und von allen Hauptstuhlern genutzt werden könne. Betrieben wird das Mobilitätsangebot vom Bürgerverein, der 2025 gegründet wurde. „Wir gehen jetzt in die Beschaffung des Wagens“, sagt Samadi Tehrani und hofft, dass der Siebensitzer-Bus bald seine Fahrten aufnehmen wird. „Die Resonanz im Ort ist schon riesig.“
In Kindsbach gibt es neue Toiletten und Bänke am Bärenlochweiher. Außerdem fördert Mainz Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität, nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder zu einem Blaualgenbefall des Badeweihers gekommen war. Ferner soll der noch kahle neue Dorfplatz bunter werden: Für die Bepflanzung von Beeten und einen Trinkwasserspender steht Geld bereit. Insgesamt sieht das Förderprogramm 189.000 Euro für Kindsbach vor.
„Projekte werden fast zu 100 Prozent gefördert“
„Das Regionale Zukunftsprogramm gibt den Kommunen gezielt Rückenwind für ihre individuellen Projekte“, begründet Innenminister Michael Ebling (SPD) die Unterstützung. Ziel sei es, „die Stärken der Regionen insbesondere in den Bereichen Infrastruktur und Klimaschutz weiterzuentwickeln und dauerhaft gute Lebensverhältnisse zu sichern“.
Verbandsbürgermeister Degenhardt (CDU) betont, die Verbandsgemeinde sei sehr dankbar für diese Unterstützung und werde gemeinsam mit den Kommunen „viele interessante und zukunftsweisende Projekte in Angriff nehmen“. Insbesondere sei man dankbar dafür, dass die eingereichten Projekte in der Regel zu 100 Prozent gefördert werden, also ohne Eigenanteil realisiert werden könnten. „Gleichwohl hätte man sich gewünscht“, so der Bürgermeister, „einen größeren Anteil der Fördersumme auch für nicht-investive Projekte, also für notwendige Sanierungs- und Unterhaltungsmaßnahmen, ausgeben zu können.“ Auch ändere die Förderung aus dem Regionalen Zukunftsprogramm nichts an der strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen, merkt der CDU-Politiker an.