Kreis Germersheim Zwischen Chrom und Rost

Es pufft, pluckert, knattert, rattert, pratzt und knarzt, quietscht, pfeift und quietscht – beim 12. Oldtimertreffen in Ottersheim, das von Freitag bis Sonntag schätzungsweise 10.000 Besucher anlockte, gibt es nicht nur historische Fahrzeuge und Maschinen en masse zu sehen, die Besucher können sie auch in Aktion erleben: Hier kickstartet einer seine Harley Davidson mit Panhead-Motor, dort läuft eine Wöhrle-Dreschmaschine, wieder ein paar Schritte weiter wirft ein Tüftler seinen Lanz Bulldog von 1940 an. „Eine Wissenschaft für sich!“, sagt Achim Kröper, einer von drei Vorsitzenden der Oldtimerfreunde Ottersheim, die das alle zwei Jahre stattfindende Treffen ausrichten. Denn bevor der mächtige Ackerschlepper zu bollerndem Leben erwacht, muss zunächst die Glühnase, die sich im Zylinderkopf befindet, mit einer Lötlampe zum Glühen gebracht werden. Daher die Bezeichnung Glühkopfmotor. „Früher haben die Landarbeiter das Ding angestellt und sind dann erstmal eine halbe Stunde Kaffeetrinken gegangen, bevor sie losfahren und mit der Feldarbeit beginnen konnten“, erzählt Kröper. Der 52-Jährige ist selbst Traktoren-Enthusiast, ein gutes Dutzend Maschinen umfasst sein Schlepper-Arsenal. Aber nicht nur das, seit 1978 sammelt Kröper „eigentlich alles, was irgendwie historisch ist, von der Kaffeetasse bis zum stationären Motor“. So halten es viele der fast 500 Vereinsmitglieder – die meisten wohnen in einem Umkreis von 50 Kilometern: Die Ottersheimer-Oldtimer-Freaks können sich folglich nicht nur für formschöne alte Autos und Motorräder begeistern, sondern betreiben im Obergeschoss ihrer geräumigen „Oldtimerscheune“ auf dem Vereinsgelände gleich noch ein Heimatmuseum, das bald eröffnet werden soll. Dazu ein historisches Backhaus, wo frisches Brot oder laut Kröper „auch mal eine ganze Sau“ zubereitet wird. Und schließlich eine voll eingerichtete Schmiede mit Kohleesse und allem, was dazugehört. Hier hämmert Michael Schmidt. Der 27-Jährige mit dem passenden Namen ist Kunstschmied und arbeitet gewöhnlich in einer Schlosserei in Freisbach. Gerade klopft er unter den Augen zahlreicher Zuschauer ein rotglühendes, vierkantiges Stück Roheisen zurecht, der Schweiß rinnt ihm in Sturzbächen über die Stirn. Seinen neuen Job hat er ganz zufällig bekommen: Über einen Freund, der Vereinsmitglied ist, half er am Samstagabend beim Ausschank und fragte Kröper unvorsichtigerweise, ob er nicht mal die Schmiede ausprobieren könne. „Das habe ich ihm nicht abgeschlagen“, sagt Kröper lachend. Heiß ist es auch in der Nähe des altertümlichen „Grummbeere-Dämpfers“. Die Maschine erzeugt Dampf, der zischend in fast mannshohe Kessel geleitet wird. Darin wurden durch das Dämpfen früher Kartoffeln haltbar gemacht, die dann als Schweinefutter dienten. Ein ganzes Areal auf dem hektargroßen Vereinsgelände hat der Spitfire Club, Sektion Pfalz, mit seinen langnasigen, englischen Triumph-Sportwagen belegt. Uwe Segeler aus Neustadt hat das „tolle Treffen“ sehr genossen. Er und seine Clubkameraden sind nicht nur heute angereist, sondern haben auf der Wiese übernachtet, in „Vier-Sterne-Zelten“. Auch der Ottersheimer Ortsbürgermeister Gerald Job ist begeistert („heller Wahnsinn“). Er hat eigens die Sanierung der Zufahrtsstraße verschoben. „Schauen Sie sich die vielen Besucher an, das wäre hier ja das reinste Chaos geworden.“ (fex)