Kreis Germersheim Zuerst Akkordarbeit abgeschafft
Schaidt. Karlheinz Runck (64) aus Mühlhofen und Pius Werling (66) aus Hatzenbühl können sich gut an ihre ersten Lehrjahre als Waldarbeiter erinnern: Mit Zipfelmütze und Holzschuhen ging es in den Wald, als erstes lernten sie Feuer machen. Denn Bauwagen zum Aufwärmen gab es nicht. Als aktive Gewerkschafter haben die beiden Männer Anteil an besseren Arbeitsbedingungen für Waldarbeiter. Bei der Jahresabschlusstagung der Industriegewerkschaft Bau Agrar Umwelt, Region Rheinland-Pfalz Saar, Bezirksverband Südwestpfalz wurden sie verabschiedet. 45 Jahre vertraten sie die Interessen der Waldarbeiter in der Fachgruppe Forst Südpfalz.
Karlheinz Runck (64) absolvierte zunächst eine Ausbildung im landwirtschaftlichen Betrieb. Im Versuchsgut der BASF Limburger Hof stieg er ins Arbeitsleben ein und war vom ersten Tag an Gewerkschaftsmitglied. Denn, so schmunzelt der Forstmann, im Limburger Hof war das Gewerkschaftsbüro gleich neben dem Betriebsarzt. Die neuen Mitarbeiter wurden also gleich nach der Aufnahmeuntersuchung eine Tür weiter zur Gewerkschaftsanmeldung geschickt. Nach dem Wehrdienst und einem kurzen Intermezzo bei Daimler entschied sich Runck für den Wald. Als Quereinsteiger beim Forst arbeitete er im Stadtwald Kandel und absolvierte die Forstwirtprüfung. Im Forstamt Bad Bergzabern hängte er die Ausbildung zum Forstwirtschaftsmeister dran. Bald war er im Vorstand der damaligen Gewerkschaft Gartenbau Land- und Forstwirtschaft, kurz darauf in der heutigen Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt. Im Bezirksverband Süd-West-Pfalz ist Runck weiter stellvertretender Vorsitzender. Pius Werling (66) lernte im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Hatzenbühl. Der Vater arbeitete im Wald, sein Sohn übernahm diese Arbeit im Stadtwald von Kandel. Er legte die Forstwirtprüfung und später die Meisterprüfung als Forstwirtschaftsmeister ab. Er sollte sein ganzes Arbeitsleben bei der Stadt Kandel verbringen. Im Personalrat der Stadt Kandel, davon einige Jahre als Vorsitzender, setzte sich Pius Werling in den Verwaltungsgemeinschaften von Kandel und Jockgrim für soziale Belange der Waldarbeiter ein. Anfang der 1970er Jahre sei der Gewerkschaftssekretär in den Wald rausgekommen, erinnert sich Pius Werling. „Wir waren damals fünf Mann und sind alle in die Gewerkschaft eingetreten.“ Als der Chef das mitbekommen habe, sei ihr Lohn schlagartig um zwei D-Mark erhöht worden. „Ohne Tarifverhandlung - da hat man gesehen, wie kurz die Waldarbeiter gehalten wurden“, sagt Werling. Die richtigen Arbeitskämpfe waren schwieriger: Die Gewerkschaft musste nicht nur mit dem Hauptarbeitgeber Landesforst Rheinland-Pfalz, sondern auch mit Kommunen und privaten Waldbesitzern verhandeln. Ein Meilenstein war 1996 die Gründung der Fachgruppe Forst. Zuerst ging es um die Abschaffung der Akkordarbeit. „Waldarbeit ist gefährlich und du wirst trotzdem knallhart pro Stück bezahlt.“ Runck erinnert sich an Widerstände von jüngeren Waldarbeitern. „Man muss das ganze Arbeitsleben sehen und im Alter brauchst du einen gerechten Lohn“, argumentierten die Gewerkschafter. Zehn Jahre habe es gedauert, bis der Stücklohn als Akkord abgeschafft wurde. Werling weiß nur zu gut, um die Gefahren des Berufes. Auf ihn stürzte 1973 eine dicke Eiche. Er ist froh, dass er das überlebt hat, aber der Rücken ist kaputt. Nur mit dem Grundlohn hätte die Rente nicht gereicht. Wegen Rückenproblemen ist auch Runck mit 64 Jahren in Altersteilzeit. Die Schlechtwetterregelung war ein weiterer Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit fügt Pius Werling hinzu. „Bei schlechtem Wetter wurden wir stempeln geschickt“, sprich, sie mussten sich arbeitslos melden. Bei allem, was zu ihrer Arbeit gehörte, waren die Waldarbeiter auf sich selbst gestellt. In den Wald mussten sie mit ihren Autos fahren. Jeder musste zwei Sägen und weiteres Werkzeug haben, den Sprit für die Motorsäge musste er selbst kaufen, die Arbeitsschutzkleidung ebenso. „Wir haben uns gegen die Verwaltung schwer getan, manche Probleme mussten wir auch in die Politik tragen“, denkt Runck an Gespräche mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck. In den vergangenen 25 Jahren wurde viel erreicht. Werkzeug, Arbeitsschutzkleidung und Material wird vom Arbeitgeber gestellt. Doch jetzt macht die Zukunft des Berufsstandes den beiden Gewerkschaftern Sorgen: „Früher waren wir fünf bis sechs Waldarbeiter, jetzt gibt es keine mehr. Es wird alles an Fremdfirmen ausgelagert“ blutet Werling das Herz. Runck weiß „wir haben kein Gehör mehr gefunden, Forstwirte einzustellen.“ Je größer die Waldflächen sind, desto günstiger könne man heute mit Technik arbeiten. |mldh