Kreis Germersheim Zeit für die zweite Heimat

Posaunenstunde am PC. Rudi Bellaire zeigt, wie er die Zeit nach dem Abschied von der Sparkasse verbringen könnte.
Posaunenstunde am PC. Rudi Bellaire zeigt, wie er die Zeit nach dem Abschied von der Sparkasse verbringen könnte.

Gegenüber: 45 Berufsjahre erfolgreich hinter sich zu bringen, auch noch beim selben Arbeitgeber, schafft nicht jeder. Der Neupotzer Beigeordnete Rudi Bellaire hört jetzt mit dem Hauptberuf bei der Sparkasse auf.

«Neupotz.» Wehmütig, aber auch voller Pläne, verlässt Rudi Bellaire heute nach 45 Jahren die Sparkasse Germersheim-Kandel. Mit der offiziellen Übergabe der Geschäftsstelle in Rheinzabern an Nachfolgerin Tanja Marz und einem gemeinsamen Mittagessen mit dem gesamten Team endet zumindest die tägliche Arbeit. „Im März machen wir eine gemeinsame Wanderung“, erzählt Bellaire und lobt seine tolle Truppe und das prima Betriebsklima. „Aufhören ist schon ein bisschen ein komisches Gefühl“. Eigentlich habe er ja Schreinerblut in den Adern. Er war auch der erste in der Familie, der diesen Beruf nicht erlernte. „Ich war auf der Handelsschule in Germersheim und irgendwann sind ein paar Freunde und ich auf die Idee gekommen, einfach mal in die Sparkasse zu gehen und nach einer Lehre zu fragen“, erinnert sich Bellaire. Sie sind dann auch alle genommen worden „und so bin ich zur Sparkasse gekommen und geblieben. Die anderen übrigens auch“. Von 1973 bis 1975 hat er in den verschiedenen Abteilungen gelernt und zunächst in Germersheim, anschließend in Lingenfeld, Leimersheim und seinem Heimatort Neupotz gearbeitet. Dazwischen lagen noch zwei Jahre Bundeswehr, die er in Bad Bergzabern als Schreibfunker absolvierte. „Das war eine gute Übung für den Beruf. Ich habe mir damals das Schreibmaschinenschreiben beigebracht. Das hilft bis heute“. Schon einen Monat nach der Hochzeit 1981 musste Bellaire für neun Monate nach Mainz. Dort hatte er sich zum Fachlehrgang zum Sparkassenbetriebswirt angemeldet. „Unser Vorstandsvorsitzender Siegmar Müller war zur gleichen Zeit dort“, sagt Bellaire. Nach bestandenen Prüfungen übernahm er 1982 die Geschäftsstelle in Neupotz, blieb dort bis 1999 und kam danach nach Rheinzabern. Von den drei Söhnen ist einer ebenfalls im Bankgeschäft. „Die Familie war und ist mir immer wichtig, auch wenn ich beruflich oft abends oder auch am Wochenende noch arbeiten musste“, erzählt er weiter und ist dankbar, dass seine Familie da mitgemacht hat. Er habe gerne mit Menschen zu tun, kenne natürlich auch viele. „In Neupotz hat sich früher alles rund um den Kirchplatz, wo ja auch die Sparkasse steht, abgespielt“, berichtet Bellaire. Zu sehen, wie Familien wachsen, neue Häuser bauen, habe ihm immer gut gefallen. Sein Elternhaus ist gleich um die Ecke, er war dort im Kindergarten oder als Messdiener in der Kirche, Mitglied im Fußballverein, bei der Musikkapelle und im Musikverein und spielt immer mittwochs Tennis. Mit den Südpfalz-Legenden bestreitet er Benefizspiele und besetzt dabei das Mittelfeld. Posaune spielt er nur noch zuhause, beim Wandern ist die Mundharmonika dabei. „Wenn ich jetzt Zeit habe, würde ich vielleicht gerne noch ein Instrument lernen zu dem ich singen kann“, überlegt Bellaire. Aber damit nicht genug des Engagements. Als 1994 der Polder in Neupotz gebaut werden sollte, hat er eine Bürgerinitiative gegründet. „Da ging ein Aufschrei durchs Dorf. Die Leute hatten Angst, dass ihnen ihr Land weggenommen wird.“ Innerhalb weniger Wochen hatte die BI 5000 Unterschriften gesammelt. 1999 wurde er dann mit einem eigenen Geschäftsbereich „Hochwasserschutz“ in den zum Beigeordneten berufen, hat sich der CDU angeschlossen, sei aber kein Parteisoldat. Noch bis Mai gehört er als gewähltes Mitglied dem Gemeinderat an, will dann aber nicht mehr kandidieren. Die Ortsgeschichte und der Rhein sind seine Steckenpferde, denen er im Ruhestand gerne mehr Zeit schenken würde. „Und ich werde mehr Zeit in meiner zweiten Heimat Südtirol verbringen“.

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