Kreis Germersheim WOCHEN-Spitzen

Im Artikel 21 des Grundgesetzes heißt es unter anderem: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung mit.“ Dafür werden sie auch vom Staat finanziell unterstützt. Ein Teil dieser Willensbildung erfolgt beim Wähler in Wahlkamfzeiten, auch wenn die Parolen oft holzschnittartig oder gar nichtssagend daherkommen. Dass zahlreiche Bürger von den vielen und überall präsenten Kandidatenköpfen am Wegesrand – unter denen sie auswählen dürfen – genervt sind, steht auf einem anderen Blatt. Trotzdem bekommt so mancher, der sich zu Nichtwahlkampfzeiten nicht um Politik kümmert, schlagartig mit, dass nun wieder gewählt wird und auch er zum Urnengang aufgerufen ist. Und da können zugespitzte Wahlslogans durchaus der einen oder dem anderen eine grobe Orientierung bieten und vielleicht sogar das Interesse wecken sich intensiver mit der Materie zu beschäftigen. Wie soll das aber funktionieren, wenn sich die Parteien beziehungsweise politischen Gruppierungen wie just in Bellheim aus der ihnen von der Verfassung zugewiesenen Aufgabe zurückziehen? Dass sie das so gesparte Geld unter Umständen sozialen Zwecken zukommen lassen wollen, klingt zwar sehr ehrbar, macht die Sache aber nicht viel besser, weil sie am gesteckten Ziel vorbeigeht. Ob der Wähler das Nichtplakatieren honoriert und dieses den Nichtplakatierenden ankreuzt, wird sich am 25. Mai zeigen. Trio, Drilling, Dreier, Dreiklang, Triumvirat, Dreieinigkeit – die „Drei“ hat’s der CDU im Kommunalwahlkampf angetan. Ob Kreis oder Stadt: Von Großplakaten blicken CDU-Spitzenkandidaten im Dreierpack aufs Volk. Möglicherweise hat sich die Agentur, die den Wahlkampf der CDU managt, auf die positive Belegung der „Drei“ besonnen. Nicht umsonst heißt es ja „Aller guten Dinge sind drei“. In Plakatform sind beispielsweise Landrat Brechtel, Landtagsabgeordneter Brandl und Bundestagsabgeordneter Gebhart – selbstverständlich alle CDU – ein Trio. Kreis, Land und Bund Hand in Hand sozusagen. Bei den CDU-Damen in Sondernheim gibt’s eine Plakat-Kombination, die erfahren, engagiert, jung-dynamisch suggerieren könnte. Schwieriger wird’s beim Plakat mit den Stadt-Granden. Da schaut Bürgermeister Schaile zwischen seinen Vorgängern Heiter und Hänlein in die Welt – beide längst außer Amtes und jenseits der Pensionsgrenze. Was also will uns das sagen? Kontinuität? Alles CDU? Wir passen schon auf? Weiter so? Egal. Hauptsache drei. Beim Karnevalverein „Lustavia“ Lustadt läuft es intern rund: Es gibt viele Aktive und ein tolles Miteinander. Dennoch haben die Lustavianer im Moment nicht viel zu lachen. Und das nicht nur, weil die Kampagne seit einigen Wochen beendet ist, die Narren also entmachtet sind. Vor allem deshalb, weil der Verein künftig für die Nutzung der Turnhalle Geld zahlen soll: 800 Euro für fünf Veranstaltungen. Die oft freudestrahlenden Gesichter der Narren haben sich bei der Hauptversammlung in ungläubiges Lächeln, verbunden mit Kopfschütteln, verwandelt. Frustbewältigung war angesagt. Dann ergriff Sitzungspräsident Michael Quinten das Wort. Seinen Wunsch fasste er – wie bei Prunksitzungen üblich – in Reimform zusammen: „Lustavia hat ganz viel Geld – seit der Turnverein keine Mietforderungen mehr stellt.“ Und plötzlich war es wieder da: das echte Lachen, das den Lustavianern viel besser zu Gesicht steht. Ein schönes Wochenende

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