Kreis Germersheim „Wir füttern hier die Vögel, andere schießen sie ab“
„Es ist wichtig, dass die Bevölkerung weiß, was dort unten abgeht“, klagt der Rülzheimer Willi Schuppert. Seit 40 Jahren ist er im Vogelschutz aktiv und ehrenamtlich für das Komitee gegen den Vogelmord in ganz Europa unterwegs. Gerade ist er wieder von einem längeren Einsatz in Zypern, Malta und Norditalien zurückgekommen.
„Ich könnte ein Buch schreiben über das, was ich in diesen Jahren erlebt habe“, so Schuppert. „Wir füttern hier die Vögel, andere schießen sie ab, um sie zu essen.“ Doch nicht nur in Südeuropa ist dieser Vogelmord „Mode“, auch hierzulande würden immer mehr solche Freveltaten registriert, klagt er beinahe resigniert. Aber aufgeben wird er nicht. Denn ihm und seinen Mitstreitern gelingt es immer wieder, nicht nur Fallen aufzuspüren, sondern die Täter auch auf frischer Tat zu ertappen. So mancher von ihnen wurde schon mit harten Strafen, auch mit Freiheitsentzug belegt, „auch in Deutschland“. Auf Malta war Schuppert im April mit einer Kollegin zwei Wochen lang unterwegs, um Täter aufzuspüren. Dort haben sie Fallen entdeckt, in denen die Vögel auf ihrem Zug in den Süden gefangen werden. Malta, so Schuppert, sei das Land in Europa mit der geringsten Bevölkerung, dafür aber mit den meisten Jägern. „Dort wird fast alles abgeschossen, was denen vor die Flinte kommt.“ Europaweit würden 500 Millionen Zugvögel „zum Spaß“ gefangen oder abgeschossen. Viele davon kämen „auf den Teller“, denn dort seien Zugvögel ein Leckerbissen, den sich aber nur Reiche leisten könnten. So habe seine Organisation in Italien sieben Personen festnehmen lassen, die 13.000 Singvögel nach Malta verkauft haben. In Bozen (Südtirol), wo er nach Malta unterwegs war, hat er „jede Menge Leute erwischt“. In Apfelbaumanlagen, in denen Drosseln brüten, würden die Jungvögel aus den Nestern geholt und an Jäger verkauft, die sie als Lockvögel für andere Vögel verwenden, die sie abschießen wollen. Wenn Schuppert solche Fallen entdeckt, wird die örtliche Polizei informiert, die relativ schnell kommt und Täter dingfest macht. „Die stehen mittlerweile quasi Gewehr bei Fuß.“ Wie er solche Fallen aufspürt? Oftmals bekommen er und seine Kollegen einen Tipp, manchmal spürt er sie aber auch so auf. „Ich hab’ eine Nase dafür.“ Vom 16. bis 23. Juni ist eine Gruppe der Tierschutzorganisation „Animals Angels“ bereits zum 15. Mal auf einer Radtour unterwegs, um Spenden für den Schutz von Tieren auf Tiertransporten zu sammeln. Dieses Mal geht es über 500 Kilometer von Frankfurt nach Freiburg. Am Montag halten sie bei Schuppert, bevor sie am Dienstag weiterfährt. Info —TransPfalz der Animals’ Angels, 16. bis 23. Juni, von Frankfurt nach Freiburg. Zwischenstopp in Rülzheim. Treffpunkt zum Kennenlernen und Austausch: Montag, 18. Juni, 19 Uhr, Straußenfarm. Weiterfahrt: Dienstag, 19. Juni, Abfahrt 9 Uhr Campingplatz. Jeder kann mitradeln. —www.komitee.de und www.animals-angels.de