Kreis Germersheim Wegen unzureichender Schulverhältnisse Versetzung beantragt

Bezirksoberamtmann Dr. Karl Rieth.
Bezirksoberamtmann Dr. Karl Rieth.

Nach dem Tod von Bezirksamtmann Eduard Stumm, der am 1. Februar 1920 nach zwölfjähriger Dienstzeit im Amt unerwartet in Germersheim verstorben war, blieb die Stelle des ranghöchsten Verwaltungsbeamten für geraume Zeit unbesetzt.

In der Folgezeit wurden die Amtsgeschäfte nach Ausweis der Bekanntmachungen im „Amtsblatt des Bezirksamts Germersheim“ häufig wechselnd unter anderem von den jeweiligen Bezirksamtsassessoren und dazu abgeordneten „Geschäftsaushilfen“ wahrgenommen. Auch die Amtszeit von Dr. Karl Rieth (1880 bis 1948), der am 1. Juli 1924 zum Bezirksoberamtmann in Germersheim ernannt wurde, war nur kurz und dauerte gerade einmal fünf Monate. Karl Rieth wurde 1880 in St. Martin (Pfalz) als Sohn des Weingutbesitzers Heinrich Rieth und dessen Ehefrau Marie Jakobine Rieth geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war Rieth zunächst „Regierungsakzessist“ in München und danach Bezirksamtsassessor beim Bezirksamt Donauwörth (1912). Während des Ersten Weltkriegs wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und beim 23. K.B. Infanterie-Regiment verwendet, aus dem er 1918 als „Hauptmann der Reserve außer Dienst“ ausschied. Nach dem Krieg waren Donauwörth und Speyer die weiteren Stationen seiner beruflichen Laufbahn, bevor er zum 1. Juli 1924 die Leitung des Bezirksamtes Germersheim übernahm. Während seiner fünfmonatigen Amtszeit konnte Rieth die Dienstwohnung, die den Amtsvorständen des Bezirksamtes im Gebäude am Königsplatz zustand, nicht nutzen, da diese noch beschlagnahmt war und von einem Offizier der französischen Besatzung bewohnt wurde. Aber es gab auch noch weitere Gründe, die den Beamten veranlassten, sich am 27. September 1924 mit einem Schreiben an den Regierungspräsidenten Dr. Matheus um eine andere Stelle in Empfehlung zu bringen. Die angeschlagene Gesundheit eines seiner Söhne sowie die unzureichenden Schulverhältnisse an seinem neuen Dienstort Germersheim (das dortige „Progymnasium“ war zwischenzeitlich in eine Realschule umgewandelt worden) veranlassten ihn hierzu: „Meine Ernennung zum Vorstand des Bezirksamts Germersheim am 1.7.24 erkenne ich dankbar an, weil diese Stellung und Tätigkeit mir besondere Freude macht und mich mehr befriedigt als meine bisherige. Ich hätte auch gegen Germersheim, obwohl es keinen besonderen Ruf hat, nichts eingewendet, wenn nicht die Schulverhältnisse mich dazu zwingen würden“. Das Anliegen des Bezirksoberamtmannes fand im Präsidium der Pfälzischen Regierung Unterstützung und bereits zum 1. Dezember 1924 trat Rieth die Stelle als Bezirksoberamtmann beim Bezirksamt Speyer an, fünf Jahre später versetzte man ihn zur Regierung der Pfalz in Speyer. Von 1933 bis 1948 bildete das „Oberversicherungsamt“ in Augsburg seine letzte berufliche Station. Dort starb er am 17. Oktober 1948. Zeitgleich mit der Versetzung Dr. Rieths an das Bezirksamt Speyer trat sein Amtsnachfolger, Wilhelm Keiler, am 1. Dezember 1924 den Dienst als Bezirksoberamtmann in Germersheim an. 1875 in Oberhochstadt als Sohn des späteren Germersheimer Volksschullehrers August Keiler – der auch als Mundartdichter bekannt geworden war und nach dem seit 1925 eine Straße in Germersheim benannt ist – geboren, studierte Wilhelm Keiler ab 1896 in München, Würzburg und Erlangen Rechtswissenschaften. Von 1902 bis 1904 absolvierte er die praktischen Zeiten und legte die juristische Staatsprüfung ab. Nach weiteren praktischen Tätigkeiten beim Bezirksamt Germersheim, bei der Regierung der Pfalz und am Bezirksamt St. Ingbert, erfolgte zum 1. April 1909 die Ernennung zum Bezirksamtsassessor im mittelfränkischen Uffenheim. Erst im Sommer des Jahres 1923 führte ihn seine berufliche Laufbahn wieder zurück in die Pfalz, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünf Jahren unter französischer Besatzung stand. Hier wurde Wilhelm Keiler der Regierung der Pfalz zugeteilt, bevor er am 1. Dezember 1924 zum Bezirksoberamtmann und Vorstand des Bezirksamtes Germersheim ernannt wurde. In der einstigen Festungsstadt, die in dieser Zeit ihren wirtschaftlichen Niedergang erlebte, machte sich Keiler schnell mit den Verhältnissen seines Amtsbezirks vertraut. Nur wenige Monate später rückte Germersheim in den Blickpunkt der internationalen Politik, nachdem ein Soldat der französischen Besatzungstruppen, Unterleutnant Rouzier, in den frühen Morgenstunden des 27. September 1926 den Germersheimer Emil Müller erschossen und seinen Begleiter Josef Mathes sowie Richard Holzmann auf offener Straße durch Schüsse verwundet hatte. Bei den nun einsetzenden Ermittlungen wurden am gleichen Tag eine ganze Reihe Germersheimer Bürger auf das Bezirksamt vorgeladen und dort von Bezirksoberamtmann Keiler und Bezirksamtmann Neu befragt. Mit der Verleihung von Titel und Rang eines Oberregierungsrates erreichte Wilheim Keiler 1929 den Zenit seiner Beamtenlaufbahn. Er starb am 28. August 1930 im städtischen Krankenhaus Ludwigshafen. Die Verdienste Keilers würdigte sein Amtsvorgänger Oberregierungsrat Dr. Rieth im November 1930: „Nicht ganz 5 Jahre durfte er wirken in dem Bezirk, der ihm der liebste war und in der Stellung, die jedem Verwaltungsbeamten als eine der schönsten gilt. Die meisten von uns erinnern sich wohl noch, wie er in seiner Antrittsrede im Dezember 1924 von Begeisterung und Stolz erfüllt war, nunmehr in seiner Heimat arbeiten zu dürfen, in seinem heimatlichen Bezirk, und für die Bevölkerung, die seinem Herzen näher stand, als jede andere. Wir ahnten nicht, daß seine Arbeit nur ein paar Jahre dauern sollte. War diese auch kurz, so war sie doch erfolgreich. Es kann wohl gesagt werden, dass Oberregierungsrat Keiler dank seiner großen Kenntnisse und langjährigen Erfahrung als Verwaltungsbeamter, dank auch seiner vielseitigen Interessen, den Bezirk auf beachtenswerter Höhe und sein Amt in wohlgeordneten Verhältnissen hinterlassen hat. Wenn ich auch auf Einzelheiten nicht eingehen kann, so sei doch mit besonderer Anerkennung hervorgehoben, daß er sich für die Durchführung des für den Bezirk lebenswichtigen Projektes der Entwässerung der Rheinniederung mit besonderer Tatkraft eingesetzt, bei der Einführung des für den Obstbau bedeutungsvollen Obstmarktes in Winden fördernd und bestimmend mitgeholfen und trotz der Not der Zeit einige Schulhäuser in den Bezirk gestellt hat. Seine bescheidene, ruhige Art, sein liebenswürdiges, gütiges Wesen und sein zuverlässiger Charakter hatten ihm überall in seinem Bezirk Achtung und Sympathie erworben, und bei seinen Untergebenen und der Bevölkerung das notwendige Vertrauen gesichert. Ein tüchtiger Verwaltungsbeamter und wahrer Freund des Bezirks ist mit ihm ins Grab gesunken. Ehre seinem Andenken!“

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