Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserversorgung: Die Hüter des Trinkwassers

Für das Trinkwasser von 60.000 Menschen verantwortlich: Der neue Verbandsdirektor Norman Dries.
Für das Trinkwasser von 60.000 Menschen verantwortlich: Der neue Verbandsdirektor Norman Dries.

Bei der Germersheimer Südgruppe löst Norman Dries als Verbandsdirektor Ralf Friedmann ab. Die Konkurrenz um das Grundwasser wächst, die Tiefengeothermie bereitet Sorgen.

In etwa vier Wochen acht Rohrbrüche: vier Hauptleitungen und vier Anschlussleitungen – Norman Dries übernimmt die Leitung der Wasserversorgung Germersheimer Südgruppe in scheinbar unruhigen Zeiten. Er ist jetzt verantwortlich für die Wasserversorgung von rund 60.000 Menschen in 13 Gemeinden: Jockgrim, Hatzenbühl, Neupotz, Rheinzabern, Wörth, Maximiliansau, Rülzheim, Hördt, Kuhardt, Leimersheim, Bellheim, Knittelsheim, Ottersheim.

Häufung von Rohrbrüchen

Die Häufung von Rohrbrüchen sei im Winter nicht ungewöhnlich, sagt Dries: Das liege an den Temperaturen, die um den Gefrierpunkt schwanken. So ein Rohrbruch ist für die Bürger, die plötzlich ohne Wasser klar kommen müssen, ein besonderes Ereignis. Für die Wasserwerker sind Rohrbrüche dagegen Routine: rausfahren, das Leck suchen, graben, abdichten ... eine Arbeit, die auch Dries alles andere als fremd ist. Auch der Chef hat Bereitschaftsdienst.

Im Zweifel immer für sauberes Trinkwasser: Ralf Friedmann, 29 Jahre lang Leiter der Wasserversorgung Germersheimer Südgruppe.
Im Zweifel immer für sauberes Trinkwasser: Ralf Friedmann, 29 Jahre lang Leiter der Wasserversorgung Germersheimer Südgruppe.

Weshalb Dries auch genau weiß, dass die Reparaturtrupps zunehmend einer neuer Belastung ausgesetzt sind: „Wir stellen ein erhöhtes Agressionspotential bei der Bevölkerung fest“, formuliert Dries höflich, dass seine Mitarbeiter manchmal schlicht beschimpft werden. Die gebrüllte Frage: „Müsst ihr mitten am Sonntag die Straße aufreißen, könnt ihr das nicht besser planen?“ offenbart zudem tiefstes Unwissen über die Natur eines Rohrbruchs. Die passieren nämlich immer plötzlich und unerwartet. Dries hofft, mit einem Ausbau der Informationsmöglichkeiten auch im Internet die Situation zu entschärfen und die Mitarbeiter vor Ort zu schützen.

Ein Drittel der Belegschaft geht

Denn neue Mitarbeiter zu finden, wird eine der Hauptaufgaben von Dries sein: „In den nächsten fünf Jahren verlieren wir etwa ein Drittel der Belegschaft.“ Die Konkurrenz um neue, gute Leute sei groß, denn der demografische Wandel schlägt auch in vielen anderen Betrieben und Unternehmen unerbittlich zu. Gesucht würden sowohl Fachkräfte als auch Quereinsteiger: Installateure, Elektriker, Schlosser, Maurer und aus allen artverwandten Berufen. Gefragt seien vor allem handwerkliches Geschick, Wetterfestigkeit und Motivation – weshalb auch ein früherer Pizzabäcker und ein Zimmermann den Weg zur Südgruppe gefunden haben.

Die Reparatur von Rohrbrücken gehört zum Alltagsgeschäft der Wasserwerker.
Die Reparatur von Rohrbrücken gehört zum Alltagsgeschäft der Wasserwerker.

Auch Dries war die Führung eines Wasserversorgers nicht in die Wiege gelegt. Eigentlich wollte er eine Ausbildung machen, als er in Jockgrim bei seinem Vorgänger Ralf Friedmann anklopfte. Der aber sah in dem jungen Mann mehr Potenzial: Drei Jahre habe er in allen Abteilungen als Feuerwehrmann gearbeitet, sein Studium abgeschlossen. Dann bekam er die Leitung des Einkaufs übertragen, vor zwei Jahren wurde er Stellvertreter von Friedmann.

„Nicht in private Hand“

Einen unschlagbaren Vorteil hat ein Arbeitsplatz bei einem Wasserversorger: Er ist garantiert krisensicher, denn Wasser brauchen die Menschen immer. Weshalb Dries auch immer die Verbraucher im Auge hat. Die Daseinsvorsorge gehöre nicht in private Hand, ist er überzeugt. Dennoch müsse die Wasserversorgung wirtschaftlich arbeiten. Und für die Mitarbeiter gelte das Regelwerk des öffentlichen Dienstes. Um dabei die Mitte zu finden, hilft ein einfacher Satz: „Wir sind dem Bürger verpflichtet“, sagt Dries.

Schaltafel im Erdspeicher Kuhardt.
Schaltafel im Erdspeicher Kuhardt.

Ein Leitgedanke, den auch Friedmann immer hoch gehalten hat. Weshalb er auch keine Scheu davor hatte, seine Bedenken gegen die Wasserentnahme durch die Getränkefabrik der MEG im Wörther Industriegebiet öffentlich zu machen. Durchgedrungen ist er mit allen seinen Forderungen allerdings nicht. „Ich fühle mich von der SGD Süd im Stich gelassen, wir haben noch immer keinen Einblick in die Grundwasser-Messdaten der MEG“, stellt Friedmann fest: „Unsere sind öffentlich.“

Als Quereinsteiger zur Wasserversorgung

Auch Friedmann kam als Quereinsteiger zur Wasserversorgung. Studiert hat er Maschinenbau, eigentlich wollte er an die Berufsschule und hat auch das 1. Staatsexamen als Gewerbelehrer abgelegt. In den 80er-Jahren gab es allerdings zu viele Lehrer. Weshalb Friedmann in die Wirtschaft ging und in Stuttgart Schulungen in der damals neuen CNC-Technik organisierte. Danach wechselte er zu Dambach in Gaggenau, einem Anbieter von Verkehrsschildern, Leitsystemen und Lösungen für Metallfassaden mit damals rund 1000 Mitarbeitern. Für Dambach hat Friedmann in Frankreich ein Werk aufgebaut und war sechs Jahre lang Werkleiter und Vertriebschef in Frankreich.

Wassertürme sorgen für den nötigen Druck.
Wassertürme sorgen für den nötigen Druck.

Vor mittlerweile 29 Jahren wollte Friedmann aus familiären Gründen nach Deutschland zurück und bewarb sich um die ausgeschriebene Stelle als Verbandsdirektor bei der Wasserversorgung Südgruppe Germersheim. Mit Erfolg und der gelernte Lehrer musste wieder einmal lernen: ein Fernstudium vermittelte dem Maschinenbauer das Spezialwissen in Sachen Wassertechnik.

Seitdem hat Friedemann kontinuierlich an der Verbesserung der Wasser-Infrastruktur gearbeitet: die Wassertürme in Wörth und Hatzenbühl wurden saniert, ein neues Wasserwerk und ein neues Verwaltungsgebäude in Jockgrim gebaut. Bei alledem blieben die Wasserpreise auf niedrigem Niveau relativ stabil. Dafür gibt es Gründe: Das Verwaltungsgebäude beispielsweise wurde billiger als geplant, weil Friedmann den Part des Innenarchitekten selbst übernommen hat, in Sachen Benchmarking – mittlerweile Standard – war die Südgruppe Vorreiter.

„Landwirte blockieren neues Wasserwerk“

Nicht gelungen sei ihm der Bau eines Wasserwerks in Knittelsheim, bedauert Friedmann: „Die Landwirte blockieren das Projekt, wir bekommen kein Grundstück.“ Hintergrund sei die Befürchtung, dass um ein Wasserwerk große Schutzzonen ausgewiesen werden, die entsprechende Diskussion laufe zur Zeit auf europäischer Ebene. „Die würden den Landwirten das Wasser abgraben“, kann Friedmann die Bedenken der Landwirte durchaus nachvollziehen. Dries sieht die Pläne in Brüssel kritisch: Es sei Unsinn, große Schutzzonen auszuweisen, wenn das Trinkwasser aus 100 Metern Tiefe gepumpt werde. Denn so tief dringen Einträge aus der Landwirtschaft wie Dünger und Schutzmittel nicht vor.

„Bohrungen durchbrechen Schutzschichten“

Weshalb Friedmann auch eher die Tiefengeothermie kritisch sieht. „Die Bohrungen durchbrechen die wasserundurchlässigen Schutzschichten zwischen der Oberfläche und den unteren Grundwasserleitern“, erklärt er. Das habe Einfluss auf die Qualität des Grundwassers. „Die Beimischungen im Wärmetauschmittel können das Grundwasser schädigen“, befürchtet Friedmann. Außerdem werde durch die Geothermie die Temperatur unter der Erde erhöht. Schon eine Veränderung von ein bis zwei Grad könne die Flora und Fauna dort beeinflussen.

Die Fähigkeit von Friedmann, sich mit neuen Problemstellungen auseinanderzusetzen und Position zu beziehen, hat ihm den Vorsitz der Bezirksgruppe Pfalz des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) eingetragen; fachlich bedeutete dies auch die Mitarbeit bei Normierungen auf deutsche rund europäischer Ebene.

Beim DVGW bleibt Friedmann der Stellvertreter, der neue Vorsitzende ist Dries. Die Verbandsarbeit ist kein Selbstzweck: Der Verbundgedanke sei für die Wasserversorgung wichtig, die Vernetzung auch der Rohrnetze eine mögliche Antwort auf die Herausforderungen durch den Klimawandel.

Verbundleitung nach Germersheim

Mit Blick auf den Klimawandel hat das Jahr 2024 bei den Wasserversorgern für etwas Entspannung gesorgt. Wegen der klimatischen Bedingungen in diesem Jahr sei der Wasserverbrauch etwas zurückgegangen, heißt es im ersten Jahresbericht, den Dries vorgelegt hat. Das feuchte Jahr habe die Grundwasserbildungsrate verbessert, jedoch habe diese noch nicht das alte Niveau erreicht. Auch wegen der klimatischen Veränderungen werde unter anderem eine Verbundleitung nach Germersheim geplant, der Bau hat bereits begonnen. Weitere Verbundleitungen mit anderen Verbänden – auch zur Sicherstellung der Wasserversorgung im Krisenfall - sind im Gespräch.

Wasserpreis 2025 stabil

„Trotz steigender Kosten können 2025 die Wasserpreise für Tarif- und Sonderabnehmer stabil gehalten werden“, so Dries. Ebenso unverändert bleiben die Bereitstellungsgebühren. Der Pauschalpreis für die Neuherstellung einer Anschlussleitung steigt um 100 auf 1000 Euro. Die Erneuerung einer Anschlussleitung wird um 50 Euro teurer und kostet künftig 1.850 Euro. „Diese Preisänderungen resultieren aus der Nachkalkulation der in 2024 angefallenen Kosten“, so Dries. Weiter wurde von der Verbandsversammlung beschlossen, die Kosten für eine Gesamtherstellung ab dem nächsten Jahr dem Kunden nicht mehr pauschal, sondern nach tatsächlich angefallenen Kosten zu berechnen.

Der Verbandsvorsteher Karl Dieter Wünstel (CDU), Verbandsbürgermeister von Jockgrim, bedankt sich bei Friedmann für 29 Jahre intensiver Arbeit, sein großes Engagement sowie für die konstruktive Zusammenarbeit der letzten Jahre. Friedmann habe das Wasserwerk zukunftsorientiert aufgestellt und übergebe eine gut bestellte Organisation mit einem qualifizierten Mitarbeiterstab, so Wünstel. Sein Nachfolger Norman Dries habe nach einer öffentlichen Ausschreibung der Stelle durch fundiertes Fachwissen überzeugt.

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