Kreis Germersheim Was guggst du?

, November 2017: Schwerer Verkehrsunfall in der Innenstadt, über 200 tatenlose Schaulustige und die Rettungskräfte müssen sich ihren Weg zu den Opfern freikämpfen! Ein Rettungswagen überquert eine rote Ampel und rammt daraufhin einen anderen Wagen. Dieser wird aufs Dach geschleudert. Die zwei Insassen werden schwer verletzt. Sofort sind unzählige Schaulustige mit ihren Handys an Ort und Stelle, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Doch die Gaffer weichen erst nach zahlreichen polizeilichen Verwarnungen, damit die Rettungskräfte ihre Arbeit aufnehmen können. Immer häufiger hört man von solchen massiven Behinderungen bei Unfällen. Muss das sein? Gaffer behindern zu oft die Sanitäter, die auf schnellstem Weg zu den Unfallopfern gelangen müssen und manche stellen sogar ihre Bilder oder Videos ins Netz. Manchen Gaffern ist anscheinend nicht klar, dass durch die Behinderung Menschenleben auf dem Spiel stehen. Sie werden sogar immer dreister und rücksichtsloser, filmen und fotografieren um die Wette. Bei einem Stau auf der Autobahn ist das Bilden einer Rettungsgasse Pflicht. Doch leider halten sich die wenigsten Autofahrer daran und so wird die Durchfahrt Rettungskräften manchmal unmöglich. So ist es auch nicht verwunderlich, dass oft durch Gaffer Folgeunfälle verursacht werden. Gaffen gilt als Ordnungswidrigkeit und kann eine Geldstrafe von bis zu 1000 Euro nach sich ziehen. Es kann aber auch als „unterlassene Hilfeleistung“ angesehen werden, eine Straftat, und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden. Auch das Nichtbilden einer Rettungsgasse wird mit Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro und zwei Punkten in der Verkehrssünderkartei geahndet. Mittlerweile arbeiten die Bundesländer an einer Gesetzesänderung. Künftig sollen Schaulustige bei Unfällen auch dann bestraft werden, wenn sie Todesopfer fotografieren. Denn bisher schützen die Gesetze nur lebende Menschen. Die Strafe soll für solche Gesetzesverstöße bei bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug liegen. Der Führerscheinentzug wurde bei Gaffern noch nicht eingeführt. Eine Umfrage von Germersheimer Goethe-Gymnasiasten in Mannheim, Karlsruhe und Speyer ergab jedoch, dass 57 Prozent der Befragten für einen Führerscheinentzug wären. 63 Prozent meinen, dass die Strafen für Gaffer generell zu milde sind. Alle dazu aufgefordert, nicht wegzusehen, sondern zu handeln!