Südpfalz
Warum im Kreis Germersheim und in Landau die durchschnittliche Kaufkraft sehr niedrig ist
Ein relativ mildes Klima, guter Wein und viele Feste: Die hohe Lebensqualität in der Südpfalz wird gerne gerühmt. Aber wie gut geht es den Menschen wirklich? Geld allein ist sicher nicht alles. Aber wer nur wenig hat, kann auch kaum feiern. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat jetzt untersucht, über welche Kaufkraft die Menschen im Land verfügen. Der Grundgedanke: Entscheidend ist nicht, was auf dem Gehaltszettel steht, sondern was ich mir dafür kaufen kann. Und das Preisniveau ist nicht in allen Regionen gleich. Sogar in benachbarten Landkreisen kann es sehr unterschiedlich sein. Das zeigt sich schon in der Südpfalz.
Beim Preisniveau liegt der Landkreis Germersheim mit 100,1 fast genau im Bundesdurchschnitt (100). In der Südlichen Weinstraße lebt es sich vergleichsweise deutlich günstiger: Das Preisniveau liegt mit 97,7 Prozent deutlich unter dem Bundesschnitt. Der Grund für die Abweichungen sind im Regelfall die Mieten, so das Institut für deutsche Wirtschaft.
Es liegt an den Mieten
Deutlich wird das vor allem beim Stadt-Land-Vergleich. So liegt das Preisniveau im Oberzentrum für die Südpfalz, in der Stadt Karlsruhe, mit 106,3 Prozent deutlich über dem Schnitt: Die Stadt gehört zu den teuren 10 Prozent der Republik (Platz 31 von 400), einsamer Spitzenreiter ist München (Platz 1). Ohne die Mieten wären die regionalen Preisunterschiede relativ gering, da Lebensmittel aus dem Supermarkt, Autos, Benzin, Elektronik und alles, was im Internet bestellt wird, deutschlandweit kaum unterschiedlich kosten.
Beim Abgleich des Preisniveaus mit den Zahlen auf dem Gehaltszettel (Nominaleinkommen) ergibt sich das reale Einkommen der Bürger, also deren Kaufkraft. Da landet dann der Kreis Germersheim nicht nur im Bundesvergleich nahe beim unteren Viertel (Platz 287 von 400), sondern auch deutlich hinter den benachbarten Kreisen Südliche Weinstraße (Platz 155), Karlsruhe (157) und Rhein-Pfalz (Platz 21). Dafür gibt es neben dem niedrigeren Preisniveau im Kreis Südliche Weinstraße einen weiteren Grund: Die Menschen im Kreis Germersheim verdienen im Schnitt deutlich weniger. Das Nominaleinkommen liegt mit 27.482 Euro pro Kopf und Jahr fast 1300 Euro unter dem der Menschen in der Südlichen Weinstraße (28.759 Euro). Noch größer ist der Abstand zu den Durchschnittslöhnen im Kreis Karlsruhe (30.090 Euro) und im Rhein-Pfalz-Kreis (31.953 Euro), wobei im letzteren sogar das Preisniveau niedriger ist (99,5 Prozent).
Studenten geben den Ausschlag
Noch einmal deutlich schlechter als der Kreis Germersheim steht die Stadt Landau da. Sie landet beim Kaufkraft-Vergleich auf Platz 349 von 400 Kommunen, nicht allzu weit vor Pirmasens (Platz 368). Am Preisniveau liegt das nicht. Wie beim Kreis Germersheim bewegt es sich nur knapp über dem Bundesdurchschnitt (100,7 Prozent). Wie in vielen Universitätsstädten drücken aber in Landau die Studenten – zum Erhebungszeitpunkt noch rund 17 Prozent der Einwohner – das Pro-Kopf-Einkommen auf 26.212 Euro: das sind 2547 Euro weniger als im Schnitt der umliegenden Gemeinden.
Zieht man den Kreis weiter, verfügen in der Südhälfte der Pfalz die Menschen im Kreis Südwestpfalz über die höchste Kaufkraft (Platz 134). Der Grund: Ein im Bundesvergleich sehr niedriges Preisniveau und ein Einkommensniveau ähnlich dem im Kreis Germersheim. Zwei Pfälzer Städte gehören zu den Schlusslichtern der Republik: Ludwigshafen (Platz 395) und Kaiserslautern (Platz 397). Unter den Pfälzer Landkreisen und kreisfreien Städten schneiden Neustadt an der Weinstraße (Rang 21), der Rhein-Pfalz-Kreis (Rang 22) und der Kreis Bad Dürkheim (Rang 25) am besten ab. Blickt man zurück, befinden die Kreise Germersheim und Südliche Weinstraße auf einem absteigenden Ast. Beim Ranking im Jahr 2023 lag der Kreis Germersheim noch auf Platz 114 (2026: 287), die Südliche Weinstraße auf Platz 53 (jetzt 155) und die Stadt Landau auf Platz 323 (jetzt 349). Das bedeutet: Im Schnitt geht es den Menschen in der Südpfalz im Deutschland-Vergleich finanziell schlechter als vor einigen Jahren.
