Kreis Germersheim
Wühlmäuse haben Inka-Wurzel schon für sich entdeckt
Seit fünf Jahren beackert Walter Boesherz seinen Südpfälzer Acker für die südamerikanische Yacon-Knolle. „Ganz, ganz allmählich“ ziehe der Absatz an , sagt er. Mehr Sorgen macht ihm allerdings etwas, auf das er noch weniger Einfluss hat als auf die Ernährungstrends der Verbraucher: Das Wetter und die Wühlmäuse.
Berg. „Ich hab doch eben noch gesagt, es gibt Regenwetter“, sagt Boesherz. Und tatsächlich sind die Regenwolken inzwischen von Westen her herangezogen und besprühen nun die Landschaft. Das ist gut für Yacon. Oder besser gesagt, für die „Inkawurzel“. Denn so hat sie Boesherz getauft. Inzwischen spreche „Gott und die Welt von der Inkawurzel. Das ist mein Name. Ich habe ihn nicht schützen lassen, aber hinterher ist man immer schlauer“, bedauert er.
Und es stimmt ja, dass er damit einen aus Vermarktungssicht ausgezeichneten Begriff gefunden hatte, von dem er inzwischen gut profitieren könnte. Seine Ernte im Oktober oder November geht an einen Mannheimer Großmarkt. Ebenso kann man das aus Peru stammende Wurzelgemüse auch über den Zalat-O-Mat in Kandel oder auf dem Karlsruher Markt auf dem Gutenbergplatz kaufen. Um nicht immer dieselben Leute in der Region anzusprechen, geht er manchmal sogar auf den Wohnmobilstellplatz in Dierbach.
Hier wie überall seien die ersten Reaktionen der Leute oft dieselben und gingen in die Richtung: „Wieso kenne ich das noch nicht?“. In Peru werde die Wurzel als Nahrung und Medizin verwendet. Ob roh, gekocht oder gebraten, die Verwendungsarten sind laut Boesherz ebenso vielfältig wie ihre positive Wirkung auf den Körper oder gegen Krankheiten.
Am ehesten gemerkt haben das wohl die heimischen Wühlmäuse. Boesherz zeigt die Lücken in den Reihen. Man sieht die typischen Löcher in der Erde und verendete Pflanzen. Fast 30 Pflanzen habe er schon verloren, klagt er. Daher habe er zur Sicherheit noch einmal eine Reihe nachgepflanzt. Und einen Sud aus Nussbaumblättern angesetzt. Er hebt den Deckel der großen Tone und lässt den Besuche an dem charakteristische Aroma teilhaben. Man wird sehen, ob es auf Dauer helfen kann.
Kommt der eine Feind von unten, so lauert der nächste vom Himmel. „Die Hitze hat uns schon im letzten Jahr unheimlich zu schaffen gemacht. In ihrer Heimat haben die Pflanzen 20 bis 25 Grad, hier werden es inzwischen schon 40 Grad. Das ist halt extrem.“ Von Juli bis September hätten die Pflanzen damals das Wachstum eingestellt. Selbst nächtliches Bewässern habe nichts mehr genützt, erinnert er sich.
„Nicht auf einmal essen!“
Zwei Reihen mit Süßkartoffeln stehen auch noch auf seinem Feld. Wie der Handel diese gefördert und beworben habe, das wünscht er sich auch für seine Inkawurzel: „Was die Leute nicht kennen, das kaufen sie einfach nicht. Das müssen die Supermärkte verstehen!“ Am Ende gibt er dem Gast zum Probieren noch eine Yacon-Wurzel mit: „Aber nicht auf einmal essen, sonst kommen Sie zu mir zurückgeflogen“, warnt er nachdrücklich.
Denn zu den vorzüglichsten Eigenschaften der Wunderknolle soll auch ihr hoher Inulin-Wert gehören. Und der sorge nun einmal für eine derart bessere Darmfunktion, dass man sich das Bild mit dem Fliegen sofort gut vorstellen kann. Jetzt muss die Yacon-Wurzel nur noch beim Verbraucher zünden. Und das Wetter und die Wühlmäuse müssen auch mitmachen. Dann wird alles schon noch werden.
Info
www.garten-treffpunkt.de/lexikon/yacon.aspx