Rülzheim Vom Flüchtling zum Saloninhaber

Kann von einer bewegten Lebensgeschichte berichten und hat nun seinen Traum erfüllt: Emad Alaswad.
Kann von einer bewegten Lebensgeschichte berichten und hat nun seinen Traum erfüllt: Emad Alaswad.

„Ich wollte schon immer einen Beruf ausüben, den man überall ausüben kann.“ So beschreibt Emad Alaswad seine Motivation, Friseur werden. Nun hat er einen Rülzheimer Friseursalon übernommen. Dahinter steckt eine lange Geschichte.

Emad Alaswad stammt aus Syrien. Seine Eltern hatten sich getrennt, er lebte bei seinen Großeltern in der Umgebung der syrischen Hauptstadt Damaskus. Weil in Syrien ab dem 18. Lebensjahr Armeepflicht besteht und er nicht zur Armee wollte, entschloss er sich im Oktober 2015 mit gerade einmal 17 Jahren zur Flucht. Denn in Syrien herrscht Bürgerkrieg und „die Regierung braucht Soldaten“. Daher wollte er „nur weg“.

Geplant war, über die Türkei nach Deutschland zu fliehen, wo seit zwei Jahren ein Onkel wohnt, der ebenfalls geflohen war. „Alle wollen nach Deutschland“, sagt Alaswad. Da er zu diesem Zeitpunkt aber minderjährig war, war eine legale Ausreise nicht möglich. „Aber mit Geld geht alles“, sagt der junge Mann.

Gefährliche Flucht

Über den Libanon, wo sein Vater lebt, flog er nach Istanbul, zu einer Tante. Von hier aus wollte er nach Deutschland. In der Türkei bleiben wollte er nicht, da er für sich dort keine Zukunft sah. Aber da er noch minderjährig und allein unterwegs war, ging das nicht auf legalem Weg. Also machte er sich auf an die Küste und bezahlte Geld, das er und seine Mutter gespart hatten, für einen Platz in einem Schlauchboot. Dieses sollte ihn mit 45 anderen Flüchtlingen nach Griechenland bringen. Doch einige Kilometer vor der Küste einer griechischen Insel ging der Sprit aus, das Boot trieb antriebslos auf dem Wasser.

Kurzerhand sprang er mit zwei anderen Flüchtlingen ins Meer und schwamm eine Stunde lang zur Küste. Seine Reisetasche musste er im Boot zurücklassen, nur sein Geld, sein Handy und seine Papiere hatte er sich mit Frischhaltefolie auf den Körper geklebt.

Mit dem Bus gelangte er über Mazedonien nach Österreich. Nach einem zweistündigen Marsch gelangte er an die bayrische Grenze. Alle Mitreisenden waren mindestens zu zweit unterwegs, er aber war allein gewesen. Aus Angst, man könne ihm sein Geld und seine Papiere stehlen, blieb er sieben Tage lang wach. Von Bayern aus kam er in ein Flüchtlingslager für Jugendliche bei Ingelheim, wo er zwei Monate blieb.

In vielen Salons gearbeitet

Von dort aus kam er nach Germersheim. Hier wollte er eine Lehre machen, aber ohne Deutschkenntnisse und ohne anerkannten Schulabschluss gab es keine Lehrstelle. Also besuchte er noch einmal die neunte Klasse, obwohl er diese bereits in Syrien absolviert hatte. Deutsch brachte er sich selbst mit Youtube-Filmen bei. „Ich verstand bald alles, nur sprechen konnte ich es nicht“, erinnert Alaswad sich. Heute spricht er fließend und fast akzentfrei Deutsch.

Weil er sich für eine Friseur-Lehre bewerben wollte – sein Onkel in Ludwigshafen ist ebenfalls Friseur –, klapperte er viele Salons ab, bis er beim Salon Dogan in Germersheim eine Praktikumsstelle bekam. Nach drei Monaten ging er in einen Salon nach Speyer, wo er eine Lehre beginnen konnte. Danach wollte er auch seinen Meister an der Meisterschule in Mannheim machen. Die Meisterprüfung bestand er nicht auf Anhieb, die erste Liebe war dazwischen gekommen.

Er entschied sich daher, seine Meisterausbildung nicht mehr ganztägig, sondern nach der Arbeit zu machen und bestand im Februar 2023 die Meisterprüfung. Bei der Berufsausbildung war er Teilnehmer einer Einstiegsqualifizierungsmaßnahme der Handwerkskammer, die ihn auch bei seiner jetzigen Betriebsübernahme begleitet. Über Stationen in Bruchsal und Schifferstadt kam er im Spätjahr 2023 nach Rülzheim, wo er im Salon „Bis in die Spitzen“, der seit 1997 besteht, eine Anstellung als Meister und technischer Betriebsleiter fand. Der Salon wurde von Laura Hettmann geführt, die er in der Meisterschule kennen gelernt hatte. Da diese aber nicht mehr weiter selbstständig sein und den Salon schließen wollte, entschied er sich, ihn zu übernehmen. „Ich wollte schon immer einen eigenen Laden haben“, sagt der neue Inhaber.

Räume werden noch renoviert

Obwohl er den Salon bereits Anfang Mai übernahm, soll die Renovierung der Geschäftsräume erst noch erfolgen. Es werden eine neue Einrichtung eingebaut und getrennte Bereiche für Männer- und Frauen geschaffen. Auch erhält der Salon einen neuen Namen. Alaswad möchte seinen Salon nach einem neuen Konzept führen. So soll er unter anderem auch, anderes als anderen Friseursalons, montags geöffnet sein. Gearbeitet wird nur nach Terminabsprachen, allerdings erst ab August.

Info

Salon „hair.trip.by.emad“, Rülzheim, Mittlere Ortsstraße 64. Termine unter hair.trip.by.emad@gmail.com oder unter Telefon: 015770352240.

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