Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verärgert: MHC-Gruppe verlagert Unternehmensteile (mit Bildergalerie)

Fertigstellung verschiebt sich erneut: Die Klosterstraße wird nicht wie geplant im April fertig. Nun könnte es Mai werden.
Fertigstellung verschiebt sich erneut: Die Klosterstraße wird nicht wie geplant im April fertig. Nun könnte es Mai werden.

Die Straßenbauarbeiten in der Klosterstraße verzögern sich erneut. Der Pan-Vinothek drohen weitere Verluste. Folge: Drastische Maßnahmen der MHC-Gruppe, zu der sie gehört.

„Wir sind am Verzweifeln.“ Die Stimmlage, in der auch viel Verärgerung mitschwingt, passt zur Aussage von Timo Heidrich, Geschäftsführer der MHC-Gruppe mit Sitz in Germersheim. Dem Anlagenbauer und Industriedienstleister gehört die Pan-Vinothek, vor deren Eingangstür seit einem Jahr eine Baustelle ist. Die Klosterstraße muss grundlegend saniert werden. Das sorgt nicht nur bei der „Pan“ dafür, dass weniger Gäste kommen. Betroffen sind auch das nur wenige Meter entfernte Ristorante Il Gambero di Michele und das Vereinsheim des Pfälzerwald-Vereins. „Pan“ und „Il Gambero“ haben ihre Öffnungszeiten wegen verringerter Kundenfrequenz vor einiger Zeit eingeschränkt.

Kurz vor dem »Il Gambero« steht die Straßensperre, hinter der auf einem kurzen Stück noch der Straßenbelag fehlt.
Kurz vor dem „Il Gambero“ steht die Straßensperre, hinter der auf einem kurzen Stück noch der Straßenbelag fehlt.
In dem Abschnitt dahinter sieht die Klosterstraße weitgehend fertig aus.
In dem Abschnitt dahinter sieht die Klosterstraße weitgehend fertig aus.
Der weitgehend fertig wirkende Abschnitt reicht bis kurz vor die Pan-Vinothek.
Der weitgehend fertig wirkende Abschnitt reicht bis kurz vor die Pan-Vinothek.
Da an der Hausfront der Gehweg gepflastert wird, führt ein schmaler Weg durch die Baustelle zur »Pan«.
Da an der Hausfront der Gehweg gepflastert wird, führt ein schmaler Weg durch die Baustelle zur „Pan“.
Nicht ganz einfach ist der Weg für Gäste des Wanderheims, die rechts der Fronte Beckers (Bildmitte) einen kleinen Aufstieg vor s
Nicht ganz einfach ist der Weg für Gäste des Wanderheims, die rechts der Fronte Beckers (Bildmitte) einen kleinen Aufstieg vor sich haben.
Die Gestaltung des noch zu pflasternden Platzes nimmt Formen an. Mit Stahl eingefasste Pflanzbeete sind zu sehen.
Die Gestaltung des noch zu pflasternden Platzes nimmt Formen an. Mit Stahl eingefasste Pflanzbeete sind zu sehen.
Auf dem Schild (li.) steht, dass die MHC-Gruppe für die Pflegekosten aufkommt: der Aldi-Kreisel im Industriegebiet ...
Auf dem Schild (li.) steht, dass die MHC-Gruppe für die Pflegekosten aufkommt: der Aldi-Kreisel im Industriegebiet ...
... der Kreisel im Industriegebiet beim Ford-Händler ...
... der Kreisel im Industriegebiet beim Ford-Händler ...
... der AOK-Kreisel am Stadtausgang gen Lingenfeld ...
... der AOK-Kreisel am Stadtausgang gen Lingenfeld ...
... und der Kreisel in der Josef-Probst-Straße bei der Polizei. Das Schild weist auch den Weg zur Vinothek Pan.
... und der Kreisel in der Josef-Probst-Straße bei der Polizei. Das Schild weist auch den Weg zur Vinothek Pan.

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Heidrich beklagt, dass die Arbeiten in der Klosterstraße nun doch nicht wie von der Stadt angekündigt im April abgeschlossen werden könnten. Folglich werde die Baustelle, die nach seinen Angaben bereits im November hätte geräumt werden sollen, noch länger bleiben. Dabei hätten ab Mai wöchentlich Hochzeitsgesellschaften das Lokal gebucht. Doch man könne den Gästen mit den feinen Kleidern den Weg durch die Baustelle eigentlich nicht zumuten.

Hohe Umsatzeinbußen

Heidrich beziffert in einem der Redaktion nun vorliegenden Schreiben an die Stadt von Ende Januar „Umsatzeinbußen und Verlust im Geschäftsjahr 2025“ auf eine Summe von knapp 192.600 Euro, weil an allen Abenden nur noch zwei, drei Tische in der „Pan“ besetzt seien, Weihnachtsfeiern hätten abgesagt werden müssen. Hinzu komme der Mehraufwand fürs Reinigen des Lokals; wegen des Schmutzes vor der Tür zweimal statt zuvor einmal pro Tag. Kunden hätten die Baustelle, schmutzige und unzumutbare Zuwegung, schlechte Wegeausleuchtung, und die mittlerweile korrigierte schlechte Parkplatzsituation beklagt.

Entlassungen

Wegen der wirtschaftlichen Lage des Lokals habe er zum Ende Februar dieses Jahres drei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften betriebsbedingt gekündigt sowie eine Vollzeit- zur Teilzeitkraft herabgestuft. Aktuell beschäftige er nur noch sechs Vollzeitkräfte, die sich um die Gäste kümmern, um Veranstaltungen und das Catering für das Schulungszentrum der MHC-Gruppe im Gewerbegebiet.

Inzwischen habe er namens der MHC-Gruppe gegenüber der Stadt zum Jahresende die Kreiselpflege gekündigt, ebenso das Sponsoring für die Stadt und stadtnahen Veranstaltungen, so Heidrich. Zudem sei der Sitz von fünf Unternehmensteilen der MHC-Gruppe von Germersheim ins badische Leimen verlegt worden; die Rede ist von 42 Mitarbeitern und einem für die Gewerbesteuer relevanten Umsatzvolumen von insgesamt 24 Millionen Euro. Zwei weitere Gesellschaften der Gruppe beziehungsweise Teile davon mit zusammen über 140 Leuten würden nach Karlsruhe, Leimen und Philippsburg verlegt.

Produktionshalle gesucht

Eine geplante Produktion sogenannter Elektrolyseure zur Erzeugung von Wasserstoff aus Strom, die einen zweistelligen Millionen-Euro-Umsatz verspreche, könnte samt der geplanten bis zu 60 neuen Arbeitsplätze entfallen, wenn es nicht gelingt, in Germersheim eine 6000 Quadratmeter große Halle zu finden, schreibt Heidrich. Er habe zwar bereits eine in Aussicht gehabt, doch deren Eigentümer habe sich angesichts von Verzögerungen im nun abgeschlossenen Genehmigungsprozess für die neue Anlage umentschieden und besagte Halle anderweitig vermietet, sagte er der RHEINPFALZ. Aktuell befinde er sich mit dem Kreis Germersheim und zwei Kommunen in Baden-Württemberg in Verhandlungen.

Heidrich blickt zurück auf das Jahr 2022/2023, als er Flächenbedarf bei der Stadt angemeldet habe, die aber zur Verfügung stehende Grundstücke bereits anderweitig versprochen habe. Daraufhin habe sich die MHC-Gruppe für einen anderen Standort entschieden, dort elf Millionen Euro investiert und 68 Arbeitsplätze angesiedelt.

Entgegenkommen erhofft

Heidrich vermisst ein Entgegenkommen der Verantwortlichen in der Stadt. So habe es während der Bauzeit in der Klosterstraße keine Kommunikation über eine mögliche Bauzeitverlängerung gegeben und „kein Angebot über eine mögliche Entschädigung des sehr stark eingeschränkten Pan-Betriebs“. Die Stadtspitze habe nicht auf Hilfegesuche reagiert. Erbeten habe er eine Personalaufstockung des Bautrupps, einen verbesserten und besser ausgeleuchteten Zuweg zum Lokal, so Heidrich. Ein Seitenhieb von ihm: „Für den Weihnachtsmarkt der Stadt (in der benachbarten Festungsanlage Fronte Beckers; Anm. d. Red.) war die Zuwegung im Handumdrehen hergestellt.“

In einem persönlichen Fazit am Ende seines fünfseitigen geharnischten Briefes an die Stadt schreibt Heidrich, der ein rechtliches Vorgehen gegen die Stadt angekündigt hat: „Ich habe mich in den letzten Jahren immer als einen Teil der Stadt gesehen und war auch immer, ohne Diskussion, ein leidenschaftlicher Unterstützer. Leider hat sich meine Einstellung völlig verändert.“

Gründe für Verzögerungen

Wann wird nun die Baustelle vor Fronte Beckers verschwinden? Nach RHEINPFALZ-Informationen im Mai. Wobei Baudezernent Sascha Hofmann diesen Termin auf Anfrage nicht bestätigen wollte. „Ich sage keinen Termin mehr.“ Die Verzögerungen begründete er zum einen mit der Witterung im Winter/Frühjahr: sehr kalt und sehr nass. Zudem sei der Asphaltfertiger der Baufirma wegen eines Defekts drei Wochen ausgefallen. Hinzu gekommen seien unvorhergesehene Probleme bei den Arbeiten im Untergrund, unter anderem habe eine defekte Wasserleitung überprüft und gespült werden müssen. Städtisches Personal sei ständig vor Ort gewesen und habe Druck gemacht. Aber gewisse Dinge lassen sich laut Hofmann nun mal nicht beeinflussen, etwa dass Bauarbeiter krank werden.

Entgegenkommen gezeigt

Heidrichs Vorwurf, es habe an Kommunikation mit den Betroffenen gemangelt, weist Hofmann zurück. Es habe Gespräche in der Verwaltung gegeben, Rufnummern von Vertretern der Baufirmen seien auch bekannt. „Man muss nur anrufen.“ Darüber hinaus sei wiederholt die Zuwegung zu den Lokalen verbessert worden, es seien Sonderbauten errichtet worden – die inzwischen wieder verschwundene sogenannte Rialtobrücke vor dem „Il Gambero“ zum Beispiel – und zuletzt sei die Beleuchtung der Zuwege verbessert und auf diesen Matten verlegt worden, damit es trockener ist. Vor diesem Hintergrund hält Hofmann Heidrichs Reaktion für überzogen.

Zu den Auswirkungen der Schritte Heidrichs, unter anderem auf die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt und des Wegfalls des Sponsorengeldes des Unternehmens, sagte Bürgermeister Marcus Schaile, dass er derzeit dazu nichts sagen kann. Was Beschwerden zum Baufortschritt angeht, so seien diese an die Baufirma weitergegeben worden. Und was die Geländesuche der MHC-Gruppe anbetrifft, so seien in der Vergangenheit wiederholt Angebote unterbreitet worden, auf die nicht zugegriffen worden sei. Derzeit könne man jedoch nichts anbieten.

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