Wörth
Vegatrans-Pläne: Warum Laster weiter über öffentliche Straßen rollen
„Wenn die Tankstelle den Preis senkt, staut sich der Verkehr“, beschreibt Franz Blum das Problem, das dem Bau einer Lastwagen-Verladestation an den Gleisen hinter dem Maximiliancenter noch im Weg steht. Gemeint ist die Jet-Tankstelle am Kreisel am ersten Kreisel nach Wörth in Richtung Maximiliansau. „Sie scheint die günstigste in Wörth zu sein“, so der Eindruck den Blum von Salzburg aus gewonnen hat. Er ist Eigentümer und Geschäftsführer von „Vega International Car Transport and Logistic“, kurz Vegatrans. Das Unternehmen mit 600 Mitarbeitern an 12 Standorten ist spezialisiert auf die Überführung von Fahrzeugen, vor allem Lastwagen. Es ist weltweit tätig und gilt als Marktführer in Europa: 2025 bewegte es jeden vierten Lastwagen, der in Europa hergestellt wurde. Dabei erwirtschaftete es einen Umsatz von 180 Millionen Euro. In Wörth ist Vegatrans durch ein 100-prozentiges Tochterunternehmen vertreten, die Zeltmann GmbH.
Daimler-Laster zu Kunden bringen
Seit 2017 organisiert die Zeltmann Kfz-Transfer GmbH in Maximiliansau mit rund 80 Mitarbeitern den Transport von neuen Daimler-Lastwagen an die Kunden. Sie sitzt kaum übersehbar auf einem Gelände am Rhein, das einem großen Lkw-Parkplatz gleicht. Weniger von der Öffentlichkeit bemerkt wird, dass Zeltmann Lastwagen auch mit dem Zug transportiert. 2019 waren es zwei Züge in der Woche in Richtung Norditalien, verladen wird bei beim Containerspezialisten Contargo im Wörther Hafen. Nur jeder vierte Zug fährt in Richtung Norden.
Künftig sollten die Züge täglich rollen. Dafür will Zeltmann ein neues Verladeterminal bauen. Der Standort bot sich von selbst an: Das Gelände zwischen Daimler-Werk und Fachmarktzentrum Maximiliansau. Dort führt schon die zweigleisige Trasse Richtung Landeshafen Wörth durch. „Wir müssen also keine neue Trasse legen“, so Niederlassungsleiter Swen Beckmann. Zum Zeithorizont sagt Beckmeier: „Wir wollen in fünf Jahren fertig sein.“
Privatstraße sollte entlasten
Bis 2023 lief alles nach Plan. Vegatrans, beziehungsweise Zeltmann, hatte die rund 36.000 Quadratmeter große Fläche „Im Kühgrund“ hinter dem Maximiliancenter gekauft. Klar war, dass an das Gleis der Bahn zwei Weichen angebaut werden müssen. Über die Weichen sollen die Züge auf das rund 550 Meter lange Zeltmann-Gleis gelangen, das auf dem Gelände entstehen wird. Gebaut werden sollten auch ein Gebäude für Büros und Sozialräume und vor allem: eine Privatstraße. Diese kurze Straße sollte das Verladeterminal direkt mit dem Werksgelände von Daimler Truck verbinden. „Die Lkws werden nicht mehr auf öffentlichen Straßen fahren“, sagte Zeltmann damals. Perspektivisch werde auch der Standort am Rhein nicht mehr gebraucht, wo derzeit noch Lastwagen zwischengelagert werden.
Keine Überführungsfahrten mehr durch Wörth, eine große Fläche wird frei - kein Wunder, dass das Vorhaben in der Stadt allgemein nur auf Zustimmung stieß
Daimler Truck will nicht mehr
Der Plan ist aber geplatzt: Eine Privatstraße zwischen Lastwagen-Werk und Verladeterminal wird es nicht geben. Offenbar hat es sich Daimler Truck nach anfänglicher Zustimmung anders überlegt. Nach sorgfältiger Prüfung war es dann doch aus technischer Sicht nicht umsetzbar, so eine Daimler-Sprecherin auf Anfrage der RHEINPFALZ.
Grundsätzlich begrüße Daimler Truck das Vorhaben der Firma Vegatrans beziehungsweise Zeltmann. Das bedeutet in der Konsequenz: Die Lastwagen, die von Vegatrans zu den Käufern gebracht werden, fahren auch in Zukunft auf öffentlichen Straßen. In der Folge gab es im Stadtrat Anfang April 2025 Bedenken wegen der Entwässerungsplanung und wegen einer möglichen Verschärfung der Verkehrssituation. Als Stichworte wurden „Unfallpotenzial“ und „Rückstau“ genannt. Denn der neue Plan ist, am Kreisel auf dem Kühgrunddamm (gegenüber Lidl) eine Abzweigung Richtung Verladeterminal anzuschließen.
Was ist mit dem Verkehrsfluss?
Keine Probleme erwartete ein Verkehrsgutachten, das Vegatrans vorgelegt hatte. Ausgegangen wird von durchschnittlich 20 Zugmaschinen in der Stunde. Nach den Berechnungen des Ingenieur-Büros Schönhofen (Kaiserslautern) ergeben sich daraus „keine relevanten Veränderungen mit Auswirkung auf den Verkehrsfluss“.
Im Alltag scheint das aber etwas anders zu sein. Wenn die Tankstelle besonders viele Kunden anzieht, staut sich der Verkehr im Kreisel, so jetzt Vega-Geschäftsführer Blum gegenüber der RHEINPFALZ. Das gelte verstärkt im Berufsverkehr. Die mögliche Lösung, die Blum im April im Bauausschuss vorstellen will: „Wir stellen auf unserem Grundstück die Fläche für eine Warteschleife zur Verfügung, auf der die Autos stehen können, die zur Tankstelle wollen.“
Das entlaste der Kreisel auch sonst.