Landtagswahl
Tobias Sulzer: Mit mehr Digitalisierung zu weniger Bürokratie
Ob die FDP entgegen ihrer aktuell schlechten Umfragewerte wieder in den Landtag einziehen wird, wird am Wahltag, am 22. März entschieden. Sollte sie es schaffen, dann ist ein Platz im rheinland-pfälzischen Parlament für den Bellheimer Tobias Sulzer angesichts seines Listenplatzes 28 dennoch eher unwahrscheinlich; aktuell hat die FDP sechs Sitze. Es sei denn, er gewinnt im Wahlkreis 51, der die Stadt Germersheim, die Verbandsgemeinden Bellheim, Lingenfeld und Offenbach umfasst, das Direktmandat, wofür er kandidiert. Wobei für ihn nicht der persönliche Erfolg im Vordergrund steht, sagt der 19-jährige Bellheimer, der in Münster im ersten Semester Wirtschaftsinformatik studiert, bezüglich des Listenplatzes. „Das war mir nicht so wichtig, Wichtiger ist, dass die Partei wieder im Landtag ist, weniger ich. Dabei will ich helfen.“
Er zeigt sich optimistisch, dass das klappen wird. „Ich glaube, dass es die FDP braucht. Wir müssen nur unsere Erfolge gut vermarkten.“ Als Beispiele nennt er die Ansiedlung des US-Pharmariesen Eli Lilly in Alzey und das Mainzer Unternehmen Biontech, das in der Coronazeit habe gut durchstarten können – dank des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums. „Ich bin überzeugt, dass wir es dann schaffen können.“ Im Hinblick auf die erstarkende AfD plädiert Sulzer für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr, kein Verbot. „Man muss den Leuten zeigen, warum man die nicht wählen sollte. Dann sollte die demokratische Mitte auch wieder mehr Prozente holen.“
Parteifreunde hängen Plakate auf
Wegen des Studiums habe er seinen Wahlkampf bis vor kurzem von Münster aus gemanagt und die sozialen Medien bespielt. Folglich hätten Parteifreunde seine 300 Plakate aufgehängt im Wahlkreis und die 500 der Landespartei. Zurück in der Südpfalz, wirke er nun persönlich im auch klassisch geführten Wahlkampf mit, zum Beispiel mit Hausbesuchen und Infoständen.
In puncto soziale Medien engagiert sich Sulzer nach eigenen Angaben schon seit Jahren für die FDP und deren Jugendorganisation Junge Liberale – auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene. Im vergangenen Jahr habe er während der Vorbereitungen aufs Abitur am Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau den Wahlkampf des Bundestagskandidaten Ralf Stüber in den sozialen Medien gemanagt. Zudem sei er Mitglied im Arbeitskreis Digitales der Landes-FDP. Dazu fahre er zwar hin und wieder nach Mainz, die meisten Treffen fänden jedoch online, also am Computer statt.
Digitales ist für Sulzer ein wichtiges Thema im Wahlkampf, auch weil die Technik helfen könne, Bürokratie abzubauen – sein zweites Wahlkampfthema. Als Drittes nennt er die Wirtschaft. „Wir müssen die Steuern senken, damit die Wirtschaft im Land wieder pulsieren kann.“
Schon früh politisch interessiert
Wie kommt man in so jungen Jahren zur Politik? Das Interesse daran war schon früh da, erzählt Sulzer. Beispielsweise sei in der zehnten Klasse in Sozialkunde die Bundestagswahl 2021 analysiert worden. Dabei habe ihn die FDP inhaltlich angesprochen. Zudem sei ein Klassenkamerad bereits bei der FDP im Kreis SÜW engagiert gewesen und habe ihn zu einem Parteitreffen eingeladen. Sein Parteibeitritt habe ihn letztlich auch motiviert, bei der Kommunalwahl 2024 in Bellheim anzutreten. In ein Parlament sei er zwar nicht eingezogen, aber er habe sich im Wahlkampf engagiert, bei der Wahlwerbung geholfen, insbesondere auf Social Media.
Dass Sulzer der FDP angehört, hängt nach seiner Aussage nicht nur mit den persönlichen Kontakten zusammen. „Inhaltlich hat mich schon immer die Freiheit interessiert, das selbstbestimmte Leben.“ Dass der Staat thematisch keine so dominierende Rolle spielt, wie das andere Parteien lebten.
Neben Studium und politischem Engagement bleibt kaum noch Zeit für Hobbys, sagt Sulzer. In Bellheim treffe er sich gerne mit Freunden, im Fitnessstudio etwa, wo man auch mal länger sitzen bleibe. In Münster habe er neue Freunde und Bekannte kennengelernt – auch über die FDP.
Und was passiert, wenn es Sulzer nicht in den Landtag schafft? „Die Politik braucht junge Leute. Deshalb würde ich es auch nochmal versuchen, vielleicht auf einem höheren Listenplatz.“