Weingarten / Landau
Tödliche Messerattacke: Junge Zeugen im Schockzustand
Was ist in der Nacht auf den 1. Juli passiert? Das versucht die Jugendkammer des Landgerichts Landau derzeit herauszufinden. Fest steht: Es gab eine Schülerparty in der Grillhütte nahe Weingarten, bei der Angeklagte und das spätere Opfer aneinander geraten waren. Stunden später starb der 17-Jährige auf dem Heimweg von der Party auf einem Feldweg, nachdem er mehrere Messerstiche erlitten hatte.
Auf der Party soll es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer gekommen sein. Der Angeklagte soll dabei auch sein Handy verloren haben, das später von einem anderen Partygast gefunden wurde. Der heute 21-Jährige fuhr dann zunächst mit einem Freund nach Hause, kam aber später im Auto seines Vaters zurück zur Grillhütte. Er saß noch in diesem Fahrzeug, als der später getötete junge Mann gemeinsam mit Freunden an dieser Stelle vorbeikam. Die jungen Leute waren unterwegs, um einem zuvor bestellten Taxi entgegen zu gehen.
14-Jährige auf der Stufen-Party
Das Gericht befragte am jüngsten Verhandlungstag einige der teils noch sehr jungen Männer, die direkt Zeugen des Geschehens geworden waren. Auf der Stufenparty eines Gymnasiums waren auch zum Teil erst 14 Jahre alte Jungen. Auch Sicherheitskräfte waren anwesend. Diese erklärten letztlich die Party in den frühen Morgenstunden für beendet, da es wohl zu mehreren Schlägereien gekommen sein soll.
Wie die Zeugen angaben, sollen der getötete junge Mann und ein Begleiter mit ihren Handys in das Auto des Angeklagten hineingeleuchtet und diesen wohl auch erkannt haben. Er soll dann ausgestiegen sein. Dabei ist nicht sicher zu belegen, ob er dabei mit der Tür des Fahrzeugs seinen Widersacher getroffen hatte.
Zeugen wollen früh Messer gesehen haben
Die Zeugen wollen gehört haben, dass er gefragt haben soll, ob der junge Mann „Stress haben wolle“. Das habe der 17-Jährige verneint und sei mit erhobenen Händen zurück gewichen. Ein Zeuge gab an, der Angeklagte habe auch nach seinem Handy gefragt, was aber keiner in der Gruppe gesehen hatte. Die jungen Zeugen wollen bemerkt haben, dass der Angeklagte beim Aussteigen bereits ein Messer mit einer vergleichsweise langen, feststehenden Klinge in der Hand gehabt habe. Als er näher kam, habe ihm sein Gegner erst noch eine Ohrfeige versetzt, bei der der Angeklagte seine Brille verlor. Dann habe er ausgeholt und zugestochen, so beschrieben es die Zeugen. Als sein Opfer nach wenigen Schritten zurück zu Boden gegangen sei, sei er in sein Auto gestiegen und nach einem kurzen Halt weggefahren – wohl um seine Brille zu suchen.
Die schockierten Zeugen versuchten zusammen mit dem in diesem Moment eingetroffenen Taxifahrer und einer Mutter im Abholdienst eine erste Versorgung des Verletzten und alarmierten den Rettungsdienst. Für den jungen Mann kam die Hilfe zu spät, er starb noch vor Ort.
Der Vorsitzende Richter in Landau gestand den Zeugen zu, dass sie durch das Erlebnis einen Schock erlitten hatten. Allerdings wies er auch darauf hin, sie hätten bei der Polizei gleich nach der Tat zum Teil anderslautende Angaben gemacht. Auch der Verteidiger sagte, die Aussagen könnten untereinander abgestimmt sein. An einige Einzelheiten konnten die Zeugen sich nach eigenen Angaben nicht mehr erinnern. Die Verhandlung geht am 26. Januar, 9 Uhr, weiter.