Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Steinweiler: Musiker-Trio verpasst seit 50 Jahren kaum ein Probe

Seit 50 Jahren am Instrument (von links): Arno Nau, Peter Lederer, Reinhard Bertram.
Seit 50 Jahren am Instrument (von links): Arno Nau, Peter Lederer, Reinhard Bertram. Foto: n. Krauss

Sie sind die Urgesteine des Musikvereins Steinweiler. Seit 50 Jahren, von Anfang an, aktiv dabei: Ohne Reinhard Bertram, Peter Lederer und Arno Nau kann man sich die Kapelle nicht vorstellen. Keiner der Jubilare denkt im Entferntesten daran, sein Instrument zur Seite zu stellen und aufzuhören.

Gerade mal zwölf Jahre alt war Peter Lederer, als er mit der Blasmusik angefangen hat. Er spielte Klarinette, S-Horn und Trompete, ehe er sich auf das Alt-Saxophon einstellte, mit dem er heute in der Kapelle aktiv ist. Lederer stammt aus einer musikalischen Familie, sein Vater Walter war ein studierter Musiker, und Onkel Eduard kam aus Kandel nach Steinweiler, um bei der Ausbildung der jungen Leute in Steinweiler mitzuhelfen. Das war 1969, als der Verein gegründet wurde und die Lederers schon eine Zeit lang in Steinweiler wohnten. Es habe ihm einfach Spaß gemacht, zu musizieren, aber er spielte als Jugendlicher und junger Mann auch gerne Fußball. Dieses Hobby musste zurückstecken, die Musikstunde war ihm wichtiger als der Sport.

Seit rund 30 Jahren ist Peter Lederer auch im Vereinsvorstand tätig. Er war Zweiter Vorsitzender und gehört derzeit dem Triumvirat an, das den Musikverein Steinweiler leitet. Dazu gehört auch seine Tochter Julia Pfirrmann, die den Bereich Kommunikation übernommen hat. Drei Töchter von Peter Lederer sind in der Musikkapelle, spielen Saxophon oder Flöte, und auch der Schwiegersohn stärkt den Verein. „Wenn wir zu einer Veranstaltung fahren ist das ganze Auto mit Musikern aus der Familie besetzt“, erzählt Peter Lederer.

Vom Dorfpfarrer für die Kapelle rekrutiert

Arno Nau, gerade 60 Jahre alt geworden, hat wohl als Jüngster angefangen. Er wohnt in Rohrbach und wurde, wie viele andere auch, vom damaligen Pfarrer Helmut Sprenger angesprochen. Der katholische Geistliche war für die beiden Dörfer zuständig und unterließ keinen Versuch, genügend Musikanten zu werben. So begann der zehnjährige Arno eine Ausbildung am Flügelhorn und an der Trompete, übernahm zudem Aufgaben in der Vereinsführung, führte jahrelang als Moderator durch die Konzerte und war Musikerobmann. In der Musikstunde finde er den Ausgleich zu den beruflichen Belastungen: „Ich kann abschalten, den Stress des Alltags vergessen und genieße den Zusammenhalt im Verein.“ Nau erinnert sich gerne an die Anfangsjahre, als die Musiker zur Weihnachtsfeier noch Bleistifte für Bemerkungen auf den Notenblättern, schwarze Socken als Ergänzung der Uniform oder Magnete zum Befestigen der Notenblätter geschenkt bekamen.

Trotz Baustelle pünktlich zur Musikstunde

Die Fahrtstrecke aus Ottersheim – auch ohne Baustellen wie in Offenbach oder Bellheim – sind das einige Kilometer, nimmt Reinhard Bertram bis heute gerne auf sich, um mittwochs ja nicht zu spät zur Musikstunde ins Bürgerhaus oder zu den Auftritten zu kommen. Bertram stammt aus Steinweiler, wurde als Messdiener ebenfalls vom Dorfpfarrer Sprenger zum Musiker angeworben, und möchte keine Stunde in den vergangenen 50 Jahren missen. Hier verlässt man sich auf ihn als Posaunist. Seine Tochter spielt als Klarinettistin in der Kapelle mit. Alle drei erinnern sich noch an den ersten Auftritt bei der Weihnachtsfeier 1969 und an das allererste Stück „Intrade“, eine festliche Eröffnungsmusik. Mit diesem eröffnete die Kapelle am Freitag auch das Festbankett anlässlich des 50-jährigen Vereinsbestehens, in dessen Verlauf die drei „Urgesteine“ mit der Großen Goldenen Ehrennadel des Blasmusikverbandes ausgezeichnet wurden.

Zur Sache

Die 50-Jahr-Feier ist am Sonntag mit einem „Großen Zapfenstreich“ ausgeklungen, gestaltet vom Musikverein selbst unter Leitung von Reinhard Kehr, dem Fanfarenzug Jockgrim und der Freiwilligen Feuerwehr Steinweiler. Am Wochenende sorgten mehrere Kapellen für Unterhaltung. Begonnen hatte die Feier mit einem Festbankett am Freitag. Das Programm bereicherten die Chöre des MGV Eintracht Steinweiler und Aktive des Turnvereins. Vorstandsmitglied Rolf Keiber ernannte die Gründungsmitglieder Werner Dürr, Fritz Eiswirth, Ortwin Forrell, Wilhelm Fritz, Ludwig Lieber, Manfred Ries, Günter Rück, Eugen Schneider, Günter Sprenger, Hubert Wagner, Reinhard Bertram, Arno Nau und Peter Lederer zu Ehrenmitgliedern. Die Ehrenurkunde in Silber für 40 Jahre Mitgliedschaft bekamen Ernst Westermann, Karl Westermann und Petra Wüst, die auch seit 40 Jahren bei den Theateraufführungen mitwirkt. Keiber selbst, seit 20 Jahren Musiker, wurde mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Die Bronzene Ehrennadel bekam Petra Fischer, seit 25 Jahren Mitglied im Musikverein.

Der Musikverein spielte beim Festakt natürlich sich selbst ein Städchen.
Der Musikverein spielte beim Festakt natürlich sich selbst ein Städchen. Foto: N. Krauss
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